Harry Belafonte – Ein Weltstar zu Besuch in Köln!

2012
03.29

Buchhändlerreporterin Saidjah Hauck

von Saidjah Hauck

Das Highlight der diesjährigen lit.COLOGNE war die Veranstaltung mit Harry Belafonte und ich durfte dabei sein! Der Saal am Tanzbrunnen war ausverkauft und viele Besucher kauften das Buch schon vorab und hofften es signiert zu bekommen – was mit einem freundlichem Lächeln für jeden geschah, auch noch nach einer Stunde.

Werner Köhler sprach einleitende Worte, Philipp Schwenke, Redakteur der Zeit, moderiere und Christian Brückner las den deutschen Text.

Weltstar Harry Belafonte

Belafonte erzählte, er habe vier Jahre an dem Buch geschrieben. Sein ursprüngliches Ziel war ein Film aber er stellte schnell fest, dass er in einer Biografie mehr ausdrücken konnte. Der erste Satz verursachte ihm Panik. Es war schwierig zu entscheiden, was und wie geschrieben werden sollte und er war dankbar für jede Hilfe der Profis, die dem Buch seine Struktur gaben.

Nach dem Krieg in der Navy, wurde er Assistent eines Hausmeisters, was ihm die Möglichkeit gab, über seine Zukunft ohne Abschluss nachzudenken. Eines Tages bekam er Theaterkarten und sah zum ersten Mal Theaterschauspieler, sogar schwarze Akteure. Von da an wusste er welchen Beruf er lernen wollte.

Robert-de-Niro-Sprecher Christian Brückner, Journalist Philipp Schwenke und Harry Belafonte

Er kam zu Piscators „Dramatic Workshop“ in eine Klasse mit Marlon Brando, der sein Freund wurde, Toni Curtis, Rod Steiger und Walter Matthau. Er spielte in einer Inszenierung von Steinbeck, in der die Protagonisten singen mussten und so entdeckte er sein Talent als Sänger. Da es kaum Engagements für schwarze Schauspieler gab, war das Singen ein Segen.

Wir erlebten dann eine Weltpremiere: Harry Belafonte las selber mit warmer, etwas brüchiger Stimme aus „My Song“, danach las Christian Brückner eine Episode aus dem Jahr 1964 im Staate Mississippi, wo der Ku-Klux-Klan tobte und drei Bürgerrechtler, die schwarzen Wählern zu ihrem Recht verhelfen wollten, ermordete.
Es hat sich viel geändert in Amerika seit damals, aber immer noch nicht genug. Er spricht in seiner Familie (mit sieben Enkeln, zwischen 3 und 30 Jahren) oft darüber, wenn er gefragt wird, damit sich dieses dunkle Kapitel der Geschichte nie mehr wiederholt. Er lässt keine Frage offen.

Harry Belafonte nahm sich Zeit für jeden Fan

Für ihn ist jede Generation dafür verantwortlich, sich für das Gute in der Welt einzusetzen. Er war oft wütend in seinem Leben und das war für ihn ein nützliches Gefühl. In richtige Bahnen gelenkt, kann es viel bewegen und ändern. Er glaubt auch an die Kraft der Kunst und der Musik, um die Welt besser zu machen.

Er erzählte noch einige Anekdoten aus seinem Leben, komische und erschreckende und sprach noch über ein neues Projekt mit Bruce Springsteen und afrikanischen Musikern. Auch heutige Ungerechtigkeiten liegen ihm am Herzen.

Singen will oder kann er nach einem leichten Schlaganfall, der sein Gleichgewicht etwas beeinträchtigt, nicht mehr selber aber unterstützen und schreiben. 2005 war für ihn Zeit in Würde aufzuhören. Ein zweites Buch könnte er sich aber noch vorstellen. Mit seien 85 Jahren sprüht er noch vor Energie, positiver Wut und Tatendrang.

Was für eine Persönlichkeit! Ich bin dankbar ihn live erlebt zu haben.

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Bob Andrews meets Eragon

2012
03.26

Buchhändlerreporterin Janina Laube

von Janina Laube

Als großer Drei-Fragezeichen-Fan war die für mich letzte Veranstaltung der diesjährigen lit.COLOGNE etwas ganz Besonderes. Pünktlich um 17:30 Uhr startete am 24.03.2012 Andreas Fröhlich, wohl vielen Besuchern und Hörspielfans bekannt als Stimme von Bob Andrews, im Gloria seine Lesung.

Mit seiner sympathischen und humorvollen Art hatte er das gesamte Publikum von Beginn an auf seiner Seite und entführte uns für gut 30 Minuten in die Welt von Eragon. Viele erwarteten Auszüge aus dem letzen Teil von Eragon, doch er sollte uns überraschen und las den Beginn des ersten Teiles der Drachenreiter Saga, was den Hörgenuss nicht schmälern sollte.

Drei-Fragezeichen-Sprecher Andreas Fröhlich entführte das Publikum in die Welt von Eragon

Anschließend sprach er über seine Arbeit als Hörbuch-/Hörspielsprecher und Synchronisationsregisseur. Auf lustige Weise erzählte Andreas Fröhlich, dass er seine eigenen Hörspiele/Hörbücher nicht selbst anhören kann, da er zu viele Arbeitserinnerungen damit verbindet (z. B. schlechten Kaffee im Studio).

Zum Ende beantwortete er noch einige Fragen aus dem Publikum und signierte nach der Veranstaltung Bücher und Hörbücher am Thalia-Büchertisch.
Auch von dieser Veranstaltung nehmen wir lehrreiches mit: 1. Spreche nie ein Hörbuch im Stehen ein und 2. Kauf Dir zur Entspannung Kneipp-Melisse-Bad (gibt es laut Andreas Fröhlich für 4,99 EUR bei Rossmann).

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Pornostar im WDR!

2012
03.25

Buchhändlerreporter Markus Kowal

von Markus Kowal

Ich bin total aufgeregt! Endlich ist es so weit und ich bin wohl nicht der einzige Fan, denn eine nicht abreißende Menschenschlange strömt in den Klaus-von-Bismarck-Saal beim WDR.
Der transpirationsunfähige Ping Pong Meister Onno Viets, der vom Hartz-IV-Empfänger, wegen unlösbarer Problemen mit dem Finanzamt zum Privatdetektiv avanciert ist, wird von dem bekannten Sänger Nick Dolan engagiert, um seine Freundin der mutmaßlichen Untreue zu überführen. Diese ist keine geringere, als die berühmte Fiona Popo, das aus Funk und Fernsehen bekannte Pornocasting-Jury-Mitglied.

Tina Kemnitz, Frank Schulz und Harry Rowohlt

Nein, nicht was Sie wieder denken! Fiona ist hier nicht der Star, den alle sehen wollen und sie spielt auch nicht in einem Porno, sondern in dem neuen Buch von Frank Schulz eine entscheidende Rolle! “Onno Viets und der Irre vom Kietz” wird an diesem Abend von dem Autor selbst, Harry Rowohlt und als Überraschungsgast Tina Kemnitz, in wunderbarerweise vorgetragen.

Die Einleitung von Harry Rowohlt ist schon ein komödiantischer Hochgenuss, der von den Reiseerfahrungen mit Frank Schulz berichtet und dessen erfüllten Kindheitstraum, einmal aus dem offenen Zugfenster in Hamburg-Harburg “Spinnt ihr hier alle oder was?” zu rufen.

Synchronsignieren als Disziplin am Thalia-Bücherstand

Dann dürfen wir Zeugen der vorgelesenen Observation von Onno Viets sein, von dessen Faulheit (“verglichen mit Onno war Aas emsig”) hier fast nichts zu spüren ist. Immerhin kann er ein paar Primzahlen, Kartoffelschälen und hat natürlich ein hervorragendes Sitzfleisch!
Das braucht er auch, wenn er an Fiona Popo in seinem Ford Ka dran bleiben will, welcher eigentlich Ford Guano heissen müsste, nachdem Onno ihn unter einer Laterne geparkt hatte, die ein beliebter Platz für ausharrende Tauben ist!

Buchhändlerreporter Markus Kowal im Gespräch mir Harry Rowohlt

Mit großem Vergnügen verfolgt das Publikum im WDR Saal ebenfalls, fast wie ein entsprechender Detektiv, die Sprachakrobatik der drei Vorleser auf der Bühne, die Onno und so auch uns sogar bis nach Mallorca führt.

Das ganze endet mit einem bombastischen Finale, nicht nur in dem großartigen Buch, sondern auch indem Harry Rowohlt enthusiastisch den Text von Jan Neumann “Knolls Katzen” vorträgt, der den Kasseler Förderpreis für grotesken Humor dafür erhielt. Der Saal tobt und abschließend signieren noch alle drei Helden des vorgetragenen Wortes am Thalia-Bücherstand und viele Leser werden sich in den nächsten Tagen ebenfalls der Verfolgung von Fiona Popo widmen. Ich auf jeden Fall!

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Auf der MS Rheinenergie zum wahrscheinlich letzten echten Abenteuer im heutigen Berufsleben

2012
03.25

Buchhändlerreporterin Saidjah Hauck

von Saidjah Hauck

Mein zweiter Abend der diesjährigen lit.COLOGNE fand auf der MS Rheinergie statt, für mich der interessanteste Veranstaltungsort, da das Schiff ablegt und man die Stadt vorbeiziehen sieht.
Für heute war es noch perfekter, führten uns doch Joachim Frank, Redakteur des „Kölner
Stadtanzeigers“, als Moderator und Henning Baum als Leser des Buches „Time Bandit“ direkt in die Beringsee zu den Königskrabbenfischer.

Das Literaturschiff diente als passender Veranstaltungsort

Henning Baum kennt man aus verschiedenen TV-Serien wie z. B. „Der Letzte Bulle“, für den er den Bayerischen Fernsehpreis bekam. Von ihm sagt man seine Figur sei sportlich und seine Stimme sonor, perfekte Voraussetzungen um ein Buch vorzulesen über harte Kerle, die in ihrem Beruf ständig ihr Leben riskieren. Jedes Jahr sterben etwa 71 Mann.

Johnathan Hillstrand treibt gerade langsam ohne Motor, Funk und Handy und sinniert über sein Leben. Er erzählt von den Anfängen. Das erste Mal durften er und sein Bruder Andy mit zum Fischen als er acht Jahren alt war. Von da an waren beide infiziert und hörten nie wieder auf.

Moderator Joachim Frank und Schauspieler Henning Baum

Der Vater baute ihnen mal ein schnittiges Boot mit zwei 50-PS-starken Außenbordern, das sie so furchtlos durch die See trieben, dass der Vater mit dem Bagger ein Riesenloch aushob und das Boot darin vergrub mit den Worten: „Ihr habt alles von mir bekommen um euch umzubringen, leider habt ihr versagt.“
Danach wurde die „Time Bandit“ gebaut und die Jungs brauchten 8 Jahren um dem Vater die Investition von 1,7 Millionen Dollar zurück zu zahlen.

Ein Trailer aus der Doku-Serie vom Discovery Channel „Der gefährlichste Job Alaskas“ zeigt uns beeindruckende Bilder von Monsterwellen von 15m Höhe und mehr und von Männern, auch Andy und Johnathan, die trotz alledem noch arbeiten. Cameron Glendenning, Chef-Kameramann der Serie und Emmi-Preisträger erklärt uns dann auf Englisch wie gefilmt wurde. Pro Jahr wurden etwa 100 Kameras verschrottet mit einem Wert von ca. 1 Mio Dollar.
Er sagt Andy und Johnathan seien „natural born philosophers“ die ihm klar gemacht haben was im Leben zählt, nämlich Zusammenhalt, sich verlassen können auf den Anderen und Vertrauen in sich selbst.

Emmy-Preisträger Cameron Glendenning und der "letzte Bulle" Henning Baum

Am Anfang wurde er beäugt wie ein Alien, mittlerweile gehört er zur Familie. Man kann sich die Arbeit an Bord vorstellen wie eine Choreografie, in der jeder seine feste Rolle hat. Alle die nicht dazu gehören, stören und sind eine potentielle Gefahr. Man merkt, dass Henning Baum diese Geschichte liebt und Respekt für diese Männer hegt. Seine markante Stimme passt perfekt zur Story. Besser geht nicht!

Es war ein toller Abend. Das Leben dieser Männer hat mich erstaunt und beeindruckt, u. a. durch die Erklärung Johnathans, der schreibt: „Reichtum ist das, tun zu können, was man tun möchte und er könnte jetzt sterben, er hätte gut gelebt.“ Dem schließe ich mich an.

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„Mortal Instruments“ auf der lit.COLOGNE – Cassandra Clare live

2012
03.24

Buchhändlerreporterin Simone Hehl

von Simone Hehl

Mein letztes lit.COLOGNE-Event stellt für mich auch gleichzeitig den Höhepunkt der diesjährigen Veranstaltungen dar. Ich besuche eine Lesung von meiner Lieblingsautorin im Urban-Fantasy-Bereich: Cassandra Clare. Inzwischen sind die „Chroniken der Unterwelt“ kein Geheimtipp mehr und so wartete mit mir eine große Menge junger Frauen zwischen 15 und 20 Jahren „mit scharrenden Hufen“ auf das Öffnen der Absperrgitter zur MS RheinEnergie.

Die Fernsehmoderatorin und Organisatorin der lit.kid.COLOGNE Angela Maas führt durch den Nachmittag. Zu Beginn liest Cassandra Clare ein Kapitel ihres aktuellen Werkes „City of Fallen Angels“ im Original vor. Die Schauspielerin Claudia Engler, die die Autorin auch schon auf Lesereisen begleitet hat, liest danach auf Deutsch. Anschließend nimmt sich die Autorin viel Zeit für die ganzen Fragen, die ihre jungen Fans haben.

Schauspielerin Claudia Engler und Autorin Cassandra Clare

Mit ihrer natürlichen Art geht sie auf die jungen Damen ein, die sich teilweise sogar als ihre Lieblingsfigur verkleidet haben. Charmant und witzig erzählt sie von ihrer Arbeit als Autorin. Um sich für verschiedene Szenen in die passende Stimmung zu versetzten hat sie sich z. B. Playlisten mit entsprechenden Musikstücken angelegt, die sie dann beim Schreiben hört.
Die Autorin hat auch ein offenes Ohr für die Sorgen und Nöte der Jung-Autorinnen im Publikum und gibt den einen oder anderen Rat. Mit einer Engelsgeduld geht sie auf jede einzelne Frage ein und teilt mit ihren Fans auch manche Schwärmerei für die männlichen Protagonisten ihrer Bücher.

Cassandra Clare steht eine spannende Zeit bevor, wie sie uns berichtet. Am 15. August beginnen die Dreharbeiten der Verfilmung von „City of Bones“, dem ersten Buch der „Chroniken der Unterwelt“. Die Besetzung der beiden Hauptfiguren steht schon fest. Lily Collins spielt die Rolle der „Clary“, Jamie Campbell Bower die des „Jace“.

Als besonderes „Schmankerl“ liest uns die Autorin vorab ein Kapitel aus ihrem neuen Buch „City of Lost Souls“ vor, das im Mai in Amerika, bei uns aber leider erst Anfang nächsten Jahres erscheinen wird. Allen Fans, die es noch nicht wissen, sei verraten, dass die Autorin auch schon „The Dark Artifices“ plant, eine Buchreihe über eine neue Generation von Schattenjägern, die voraussichtlich 2015 erscheinen soll.
Ein Lesefutterende ist also nicht in Sicht!!

Nachdem die Autorin das Exemplar, aus dem sie gelesen hat, auch noch wie einen Brautstrauß in die kreischende Fan-Menge wirft, freue ich mich, mit dem Eindruck nach Hause zu gehen, dass hinter tollen Büchern auch eine authentische, sympathische Autorin steckt.

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William Boyd und Jan-Gregor Kremp führen uns in eine große Zeit

2012
03.24

Buchhändlerreporterin Uta Iwan

von Uta Iwan

Mein dritter lit.COLOGNE-Abend in Folge führt mich und meine Kolleginnen heute wieder ins Schauspielhaus. Die freundlichen Mitarbeiter begrüssen uns schon wie alte Bekannte, als wir mit unseren Bücherkisten auftauchen (Einen ganz lieben Dank an dieser Stelle für die tolle Zusammenarbeit, auch an die Leute von der lit!).
Heute abend ist unser Büchertisch besonders reich gedeckt: William Boyd ist Autor von insgesamt 17 Büchern und sein neuestes Werk “Eine große Zeit” ist gerade in Deutschland erschienen.

William Boyd, Sohn schottischer Eltern, verbrachte seine Kindheit in Ghana, studierte in Nizza, Glasgow und Oxford, arbeitete dort als Dozent und veröffentlichte Anfang der 80er Jahre sein erstes Buch. Seitdem hat er Romane, Erzählungen sowie Drehbücher für Film und Fernsehen geschrieben. 2005 wurde Boyd zum “Commander of the British Empire” ernannt. Er lebt mit seiner Frau abwechselnd in London und in Südfrankreich.

Bernhard Robben, William Boyd und Jan-Gregor Kremp

Durch den Abend führt uns Bernhard Robben, der viele Boyd-Romane übersetzte. Aus dem Buch lesen wird der Schauspieler Jan-Gregor Kremp, den wir aus “Polizeiruf 110″ und dem “Tatort” und vielen anderen Filmen kennen.
Wieder ist das Schauspielhaus ausverkauft – die lit.COLOGNE und ihr hochkarätiges Programm bewegen eine ganze Stadt, eine Region!

Und jetzt geht’s endlich los. Bernhard Robben gibt eine kurze Einführung in das neue Buch: Wir befinden uns in Wien im Jahre 1913. Der junge englische Schauspieler Lysander Rief begibt sich wegen eines sehr heiklen Problems dorthin: er will einen Psychotherapeuten aufsuchen, der ihn von seiner Anorgasmie heilen soll.
Freud scheidet für ihn wegen der fremden Sprache aus und so begibt er sich zu Dr. Bensimon, der einen ganz eigenen Therapieansatz entwickelt hat. Dort begegnet Lysander der betörenden Hettie Bull, die ihn in das ausschweifende Wiener Künstlerleben einführt und ihm gehörig den Kopf verdreht. Am Ende dieser Affäre bleibt ihm nur die Flucht aus Wien. Er gerät in die Fänge zweier britischer Agenten und nun wandelt sich die Liebesgeschichte in ein Agentenabenteuer.

Im folgenden Gespräch erfahren wir vieles über die Ideenwelt Boyds. Er ist ein exzellenter Kenner der europäischen Kulturgeschichte und ein penibler Rechercheur, aber auch ein Meister der literarischen Erfindung. So versucht Robben im Gespräch herauszufinden, was ist fiktiv, was ist historisch im Roman? William Boyd antwortet bereitwillig und verschmitzt, immer gibt es einen Unterstrom schwarzen Humors. Sein Englisch ist ein Hochgenuss; ich mache mir Notizen in Englisch, weil ich seine Formulierungen so wunderbar finde. “There are moments of glee” beim Schreiben, er sei ein “serious comic writer”.

William Boyd signiert für seine Fans

Wenn er mittels einer Zeitmaschine in dieses Wien versetzt werden könne, wen würde er gerne treffen, fragt ihn Robben. Die Antwort: Egon Schiele, Ludwig Wittgenstein und Sigmund Freud (“if only to tell him some of my problems”). Was fasziniert ihn so am Thema Spionage, das in vielen seiner Romane zentrales Thema ist? Das Spiel der Identitäten, die Frage “Who am I”, der Verlust jeglichen Vertrauens, der Verrat. Boyd befindet sich da in illustrer Gesellschaft: Auch Joseph Conrad, Graham Greene, Ian McEwan, John Banville schrieben Agentenromane.

Ein weiteres wichtiges Motiv in seinen Büchern ist das Thema Erinnerung. Dr. Bensimon erfindet im Buch eine neue Therapie: den “Parallelism”. Der Patient ersetzt in seiner Vorstellung ein traumatisches Erlebnis durch ein erdachtes positives, bis die Erinnerung die wahre Begebenheit vollkomen ausgelöscht und überschrieben hat.
Wie schön, wenn’s funktionieren würde! Aber auch so ist unser Gedächtnis trügerisch, es gaukelt uns Dinge vor, die ganz anders passiert sind. Aus diesem Grund schreibt Boyd ständig Tagebuch: um seine eigenen Erinnerungslügen zu entlarven.

Sie merken schon, lieber Leser, liebe Leserin: ein hochinteressanter Abend. Ich hätte noch Stunden zuhören können! Auch die Passagen, die Jan-Gregor Kremp ganz hervorragend vorgelesen hat, machten neugierig auf das ganze Buch. Viel zu schnell ging der Abend zu Ende. Viele kauften dann auch rasch das neue Buch an unserem Büchertisch, um es sich vom gutgelaunten Boyd persönlich signieren zu lassen. Fest steht: dieser Abend war ein Hochgenuss!

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Val McDermid und Michael Kessler nehmen Rache

2012
03.24

Buchhändlerreporterin Alexandra Gerhard

von Alexandra Gerhard

Es ist Freitagabend, und ich bin auf dem Weg zu meinem letzten lit.COLOGNE – Event für dieses Mal – ich freue mich sehr, denn zum einen findet es auf dem Literaturschiff statt, immer noch einer meiner Lieblings-Veranstaltungsorte. Zum anderem darf ich heute endlich einmal Val McDermid live erleben, und das ist für mich als begeisterte Krimi-Leserin ein besonderes Erlebnis. Sie hat eine große Fan-Gemeinde (das Schiff ist ausverkauft) und vielen ist sie als Schöpferin der Figur „Tony Hill“ bekannt, die auch den Weg ins Fernsehen gefunden hat.

Heute wird sie ihren neuen Roman „Alle Rache wird Ewigkeit“ vorstellen. Flankiert wird sie vom Schauspieler und Comedian Michael Kessler (den liebe ich spätestens seit „Switch reloaded“) und Angela Spizig, Literaturwissenschaftlerin und Bürgermeisterin. Kessler wird einige Kapitel aus dem Buch in deutscher Sprache vorlesen, Angela Spizig moderiert gutgelaunt den Abend und plaudert in lockerer Form mit der Autorin.

Michael Kessler, Val McDermid und Angela Spizig

Val McDermid hat eine sehr sympathische Ausstrahlung, entspannt sitzt sie auf der Bühne, ihr Lachen ist dröhnend und ansteckend, die Herzen der Kölner fliegen ihr sofort zu, als sie beim Anblick des bereitgestellten Mineralwassers angewidert das Gesicht verzieht und mit lauter Stimme ein Bier bestellt (das kann sie sogar auf deutsch!).
Es ist bereits ihr dritter Besuch bei der lit.COLOGNE, beim ersten Mal war ihr Sohn noch ein Baby (sie sagt, das war angenehm, man konnte ihn irgendwo schön hin legen und er konnte nicht weglaufen. Das dürfte heute schwierig werden, er ist mittlerweile elf).

Sie erzählt von ihrer Kindheit in Schottland und ihrem Studium in Oxford (laut eigener Aussage musste sie dort erstmal die englische Sprache erlernen, mit ihrem Schottisch kam sie nicht weit. Sie gibt uns eine Kostprobe des Dialektes ihrer Kindheit – keine Chance irgend etwas zu verstehen!). In Oxford spielt auch ihr neuer Roman. Nein, antwortet sie auf Nachfrage von Frau Spizig, autobiografisch seien ihre Geschichten nicht, Gott sei Dank, trotzdem säße da manchmal ein Dämon auf ihrer Schulter, der ihr böse Ideen einflüstert, wenn ihren Bekannten und Freunden etwas weniger Gutes widerfährt.

Im Gegensatz zu ihrer netten, natürlichen Art steht ihr neuer Kriminal-Roman, der sehr düster, komplex und verstörend ist. Irgendwie kurios, dass Michael Kessler den deutschen Part liest, denn die einzige männliche Figur im Buch wird ziemlich am Anfang schon das Zeitliche segnen. Sonst gibt es ausschließlich starke Frauen, die ausschließlich anderen starken Frauen zugeneigt sind. Val McDermind liest schließlich auch noch ein Kapitel im englischen Original. Ich lausche ihrer voll tönenden, dunklen Stimme mit dem immer noch leicht vorhandenen, kernigen schottischen Akzent und sehe dabei das Kölner Panorama in der Dämmerung an mir vorbei ziehen – einfach schön.

Und wieder viel zu schnell vorbei, schon geht ein Ruck durch das Schiff und es legt wieder an der Frankenwerft an. Schade, ich hätte dieser interessanten Frau mit der Riesenportion Charisma noch ewig weiter zu hören können!

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Jonas Jonasson im Interview

2012
03.23

Seit seinem Erscheinen ist “Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand” nicht mehr aus der Spiegel-Bestseller-Liste wegzudenken. Doch was ist es eigentlich genau, das Jonas Jonassons Debütroman so erfolgreich auf dem weltweiten Buchmarkt macht?

Thalia-Reporterin Mirjam Berle wollte mehr über den schwedischen Autor erfahren und traf Jonas Jonasson zum Interview.

In unserer “HörBar” finden Sie weitere Informationen zum Bestseller und einen exklusiven Ausschnitt aus der Hörbuchfassung. Den Bericht von Buchhändlerreporterin Kristina Mink über die Lesung am 20. März finden Sie hier.

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Zeruya Shalev – Ergreifende Geschichten aus dem Leben

2012
03.23

Buchhändlerreporterin Uta Iwan

von Uta Iwan

Donnerstag Abend, den 22. März, im Schauspielhaus in Köln. Die Menschen – zum größten Teil weibliche – strömen ins Foyer. Ob sie genauso aufgeregt sind wie ich? Denn für mich ist es ein ganz besonderer Abend: meine Allzeit-Lieblingsschriftstellerin ist in der Stadt, ich werde ihr und der Schauspielerin Maria Schrader lauschen und darf sogar im Thalia-Skizzenbuch davon berichten!

Zeruya Shalev, 1959 in Israel in einem Kibbuz geboren und aufgewachsen, lebt und schreibt in Jerusalem. Bei derlit.COLOGNE ist sie in diesem Jahr bereits zum dritten Mal zu Gast. Mit ihren drei Romanen “Liebesleben”, “Mann und Frau” und “Späte Familie” hat sie einen großen Bogen gespannt, der drei wichtige Lebensabschnitte meisterlich erzählt.

Autorin Zeruya Shalev und Schauspielerin Maria Schrader

In ihrem neuen Werk “Für den Rest des Lebens” erzählt die israelische Autorin nun von den Wünschen und Sehnsüchten, Enttäuschungen und Bitterkeiten, die uns in der zweiten Lebenshälfte bewegen. Doch wir erfahren auch von der großen Chance, das Glück doch noch zu finden, wenn wir an die Liebe glauben.

Es ist die Geschichte von Chemda, die alt und bettlägerig tief in ihre Erinnerungen eintaucht. Sie denkt an ihre Kindheit im Kibbuz, an ihre Ehe und an ihre Kinder, von denen sie eins zu sehr und das andere zu wenig liebte. Ihr Sohn Avner hat sich zu einem Mann entwickelt, dessen Erfolg als Anwalt ihn nicht von seiner tiefen Verbitterung erlösen kann. Er verfällt einer geheimnisvollen Frau und stürzt sich in eine stürmische Affäre.
Chemdas Tochter erträgt den Ablösungsprozess ihrer eigenen, zärtlich geliebten Tochter nicht. Als diese sich immer weiter von ihr entfernt, entsteht in ihr das mächtige Verlangen, ein Kind zu adoptieren und noch einmal Mutter sein zu dürfen.
Zeruya Shalev erzählt von den Kräften zwischen Eltern und Kindern. Von Wut, Enttäuschung und Sehnsucht, von Verletzungen und Liebe und davon, wie sich Familienbande als stärker erweisen als alles, was uns auseinander treibt.

Zeruya Shalev schreibt wieder in ihrer einzigartigen Weise: die inneren Monologe der Protagonisten formen Ketten, sie spürt dem Gedankenfluss nach in scheinbar endlosen Haupt- und Nebensätzen, setzt selten einen Punkt, viele Kommata gliedern die verschachtelten Überlegungen. Das habe ich immer an ihr bewundert: sie kriecht unter die Haut, sie enthüllt unsere geheimsten Wünsche und Sehnsüchte.

Autorin Zeruya Shalev und Buchhändlerreporterin Uta Iwan

An diesem Abend dürfen wir sie ein klein wenig bei ihrer Arbeit begleiten: Maria Schrader interviewt sie sensibel und klug. So erzählt uns die Schriftstellerin, wie sehr sie mit ihren Figuren leidet. Einmal musste sie ganz furchtbar weinen über das Unglück ihrer Romanfigur, als ihr Sohn nach Hause kam. Er war ganz besorgt und fragte sie, was denn los sei. Als sie es ihm erzählte, antwortete er: “You are the Author, you can make her happy!” Sie erklärte, dass das so einfach nicht ginge, dass die Figuren einen schmerzhaften Prozess durchlaufen müssen, bevor sie – vielleicht – gerettet werden können.

“Für den Rest des Lebens” bezeichnet sie als ihren “most optimistic, most romantic” Roman.

Nach diesem ergreifenden Gespräch liest nun die zauberhafte Maria Schrader lange Abschnitte aus dem Buch. Mucksmäuschenstill ist es im Publikum. Ihre Stimme passt wunderbar zum Text, sie verzaubert uns, lässt uns tief in die Geschehnisse eintauchen. Man spürt ihre Nähe zum Text und zu der Autorin. Maria Schrader, die das Drehbuch zur Verfilmung von “Liebesleben” schrieb, ist auch die Stimme des Hörbuchs.

Die Schlangen am Signierpult sind lang, die Gäste sind wie ich beeindruckt und gefangen von der Intensität des Vortrags. Ein gelungener Abend geht zu Ende und ich spüre noch lange den Nachklang in mir.

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Blut, Witz und schmierige Gestalten – Eoin Colfers dunkle Seite

2012
03.23

Buchhändlerreporterin Simone Hehl

von Simone Hehl

Eoin Colfer zählt nicht erst seit seinen „Artemis Fowl“-Büchern zu meinen absoluten Lieblingsautoren. Daher habe ich mit großer Vorfreude dem heutigen Abend entgegen gefiebert.
Erneut mache ich mich auf den Weg zur Anlegestelle der KD, wo mich aber überraschenderweise eine nicht ganz so lange Menschenschlange wie gestern bei der Lesung von Arne Dahl erwartet. Der Journalist Daniel Haas moderiert den Abend mit dem einen oder anderen flotten Spruch auf den Lippen.

Daniel Haas, Eoin Colfer und Paul Faßnacht

Mit seinem neuen Werk „Der Tod ist ein bleibender Schaden“, der vor kurzem im List Verlag erschienen ist, hat sich Eoin Colfer diesmal auf neues Terrain gewagt. Der an Tarantino-Filme erinnernde Thriller spielt in New Jersey und als Paul Faßnacht mit dreckiger, schon fast rotziger Stimme zu lesen anfängt, fühlt sich das Publikum mit dem Türsteher Dan zusammen vor das heruntergekommene Kasino versetzt.

Zu Beginn der Handlung steht der Mord an der Hostess Connie und Dan, der für sie Rache nehmen will, sieht sich bald mit einem Sumpf aus Verbrechen, Gewalt und Brutalität konfrontiert.
Dem gespannt lauschenden Publikum wird deutlich, warum Eoin Colfer seinen Söhnen dieses schräge Buch erst nach ihrem 16. Geburtstag zu lesen geben will.

Eoin Colfer im Gespräch mit seinen Lesern

Daniel Haas verstrickt den Autor immer wieder in Plänkeleien und sorgt so bei den Zuschauern für einige Lacher. Colfer selbst liest leider nur ein Kapitel, aber Paul Faßnacht schafft es perfekt die schmierigen Gestalten vor dem geistigen Auge des Publikums zum Leben zu erwecken.

Zum ersten Mal kann ich mir vorstellen, dass das Literaturschiff als Veranstaltungsort einfach zu groß und zu sauber ist und eine rauchige Eckkneipe oder ein ähnlicher „Schuppen“ für so einen atmosphärisch dichten Krimi vielleicht passender gewesen wäre.

Nach diesem unterhaltsamen Abend freue ich mich gleich mit meinem frisch signierten Buch noch tiefer in diese skurrile Geschichte eintauchen zu können.

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