von Sara Otto

Buchhändlerreporterin Sara Otto
Es ist Freitagabend und meine letzte Veranstaltung der lit.COLOGNE 2013. Mit gemischten Gefühlen sehe ich dem Abend entgegen. Zum einen freue ich mich riesig, dass ich auch dieses Jahr wieder bei einer Veranstaltung auf dem Literaturschiff dabei sein darf, ein kleines Highlight meines Literaturjahres. Zum anderen aber habe ich großen Respekt vor der Aufgabe, das erste Mal als Reporterin das Literaturschiff zu betreten, um von der Veranstaltung mit Juli Zeh zu berichten.
Der Abend beginnt ereignisreich, bzw. autorenlos. Frau Zeh wird ein Opfer des ungehörig langen Winters und verspätet sich. Zum Glück haben die Moderatorin und Schriftstellerin Randi Crott und einer der Veranstalter die Situation im Griff. Mit Hilfe eines improvisierten Interviews über die Pannen und Erfolge der 13. lit.COLOGNE unterhalten sie uns wartende Zuschauer und wirken somit jedem möglichen Unmut entgegen. Dann betritt die Autorin selbst die Bühne, mit verschämtem Gesicht, eine Tüte kaltes Sushi unterm Arm, dass ihr die Veranstalter kurz zuvor noch in die Hand gedrückt hatten. Und endlich kann es losgehen.

Schon früh merke ich: Juli Zeh ist eine Virtuosin der Sprache, eine wahre Künstlerin, wenn es darum geht, Situationen oder Personen zu beschreiben. Einzelne Sätze beinhalten einen solch großen Interpretationsspielraum, dass einem schwindelig werden kann. Hört man sie über die Protagonisten ihrer Romane sprechen, glaubt man, sie seien real. Hört man sie aus ihren Romanen lesen, glaubt man, man sei mitten in ihrer Geschichte. Als könne man das Meer rauschen hören, das Salz schmecken, den Sand unter den Füßen spüren. Als sei man selbst auf der Insel mit Sven, Jola und Theo und wäre ein Teil ihres perfiden Psychospiels, von dem uns Juli Zeh in ihrem neuen Roman, bzw.
Psychothriller, „Nullzeit“ berichtet. Es ist ein Roman über das Aussteigen, das Fliehen vor Überforderung und Beurteilung. Denn alle drei Charaktere tun genau dies. Sie versuchen sich ihren Problemen auf unterschiedliche Weise zuentziehen. Durch Flucht, Abwehr oder Aggressivität. Juli Zeh glaubt, dass dieses Vorgehen ein Phänomen ihrer Generation ist. Eine Reaktion auf die Negativstimmung innerhalb unserer Gesellschaft. Und auch sonst sagt sie viele, beeindruckend kluge Dinge während des interessanten Gesprächs mit Randi Crott. Beide ergänzen sich fantastisch. Randi Crott scheint immer die richtigen Fragen zu finden, hakt an den richtigen Stellen nach. Und sie freut sich mit uns Zuschauern darüber, wie viel Spaß es Juli Zeh zu machen scheint, aus ihrem eigenen Werk vorzutragen und uns in ihren Bann zu ziehen.
Juli Zeh hat mich an diesem Abend tief beeindruckt. Ehrfürchtig saß ich zwischen den 700 Besuchern dieser lit.COLOGNE-Veranstaltung und verpasste sogar das schöne Köln-Panorama, weshalb ich mich doch eigentlich so auf das Literaturschiff gefreut hatte. Da saß diese junge Juristin und Autorin und sprach mit beeindruckender Intelligenz und Offenheit über politische und gesellschaftliche Probleme und fand dabei glasklare Worte. Juli Zehs Präsenz war geradezu greifbar. Dabei verlor sie jedoch zu keinem Zeitpunkt ihr sympathisches Auftreten, zeigte sich nie über bestimmte Probleme erhaben, von denen sie sprach, sondern übte auch Selbstkritik und Selbstreflexion. Es war eine unglaubliche Freude, ihr zuzuhören.

Juli Zeh signiert
Ich muss zugeben, dass ich seit diesem Freitagabend bekennender Juli-Zeh-Fan bin. Und ich hoffe, ich kann meine Begeisterung an jeden vermitteln, der diese Veranstaltung verpasst hat. Mein abschließendes lit.COLOGNE-Fazit: Juli Zeh war definitiv mein Literatur-Highlight 2013, was mich besonders freut, da ich damit zu Beginn nicht gerechnet hätte. Deshalb liebe ich diese wunderschöne Literaturveranstaltung in Köln.