March, 2010

Wir schwelgen in Erinnerungen…


2010
03.30

Die lit.COLOGNE 2010 ist vorbei – in unserem Skizzenbuch soll sie noch ein wenig nachklingen. Weil wir so viel positive Rückmeldung bekommen haben, möchten wir es noch nicht zuklappen. Wir lassen es für Sie noch online, damit Sie ausgiebig in den Inhalten stöbern können, die wir im Laufe des Festivals gesammelt haben. Wer also noch einmal in Erinnerungen schwelgen und sich das ein oder andere literarische oder musikalische Highlight noch einmal ins Gedächtnis rufen möchte, kann das in den Berichten unserer Buchhändlerreporter oder der Nachwuchsautoren Leif Randt und Lisa Kreißler tun.

Wer sehen und hören möchte, was Martin Suter, Norman Ollestad, Josh Bazell, Herrmann Schulz oder Carlos Ruiz Zafón über ihre Bücher erzählen, der ist bei unseren Interview Podcasts in der Rubrik „Autoren erzählen“ richtig. Oder lesen Sie in der Rubrik „Thalia fragt Autoren“, was Autoren, die dem Festival in diesem Jahr ihren Besuch abgestattet haben, persönlich zu Fragen rund um die Inszenierung von Literatur und zum Lesen zu sagen haben.

So wünschen wir viel Spaß beim Stöbern, Entdecken und Erinnern an schöne Momente und freuen uns schon auf nächstes Jahr, wenn die lit.COLOGNE wieder ihre Tore öffnet und wir uns von ihr einmal mehr verzaubern lassen dürfen.

Herzliche Grüße
Ihr Thalia Team

Die Lesung aus der Sicht des Autors: DIE DREI SILBERSCHWEINE


2010
03.29

Von Leif Randt

„Ich kann nicht behaupten, dass ich mir selbst gegenüber jetzt nicht leicht verbittert wäre.“ –
Thalia-Nachwuchsautor, 20. März 2010, 3 Uhr 34, Großraum Köln, zusammengesunken auf einem Beifahrersitz.

Ich beuge mich umständlich vors Mikrophon, weil ich nicht souverän genug bin, um es aus der Halterung zu nehmen. Gekrümmt sitze ich da, vom Licht geblendet. Dem Publikum wurden zweihundert weiße Plastikhände bereitgelegt, die laut klappern, wenn man sie schwingt. Das Klappern mit den Händen scheint allen Zuschauern großen Spaß zu machen, vor und nach jedem Auftritt entsteht kaltes Applausrauschen. Der Moderator stellt mir verschiedene Fragen, die ich durchweg als problematisch empfinde: „Warum spielt dein Buch in einem Friseursalon?“ (Antwort-Option: Weil damals in London eines Nachts auf meiner Straße in einem engen Barber-Salon getanzt wurde. Und weil Frisuren Identität stiften.) – „Warum ist ein Drehbuch mit eingebaut?“ (Option: Weil es die Ästhetik der Hauptfiguren spiegelt, ihre Sozialisation über High-School-TV-Serien, Superheldencomics und Kamerafahrten.) „Warum London, Maintal, Wallis, Warschau?“ (London als Pop-Klassiker; Maintal als bürgerliche Heimat; Warschau als Versprechen; das Schweizer Wallis als idyllisches Gletscher-Skigebiet im späten Juni.) Während ich dort oben auf der hölzernen Bühne sitze, kommt es mir vor, als wollte ich meinen Text unter keinen Umständen erklären. Also meide ich Antworten, greife mir ins Haar und gebe mich genervt. Helene Hegemann wirkt im Anschluss auch nicht sehr gut vorbereitet, aber zumindest routiniert. Ulrike Almut Sandig liest die erste Geschichte aus ihrem Erzählungsband vor, zum Beantworten der Moderatorfragen nimmt sie das Mikrophon aus der Halterung und lehnt sich zurück. Dass sie am Ende den ersten Preis bekommt, ist irgendwie fair.

„Als Autor wäre es deine Aufgabe, zu markieren, welche Zugänge zu deinem Text du für sinnvoll hältst. Stattdessen bist du in kindische Plattitüden ausgewichen und hast blockiert.“ – Silberschweinpreis-Moderator, 20. März 2010, 00 Uhr 11, Stadtgarten-OpenAir-Area, gestikulierend neben einem Heizpilz.

Drei Stunden später stehe ich angetrunken im Schokoladenmuseum und halte rund zwanzig Getränkebons in der Hand. Jugendliche Chauffeure haben die drei Silberschwein-Autoren zusammen mit all ihren Freunden vom Stadtgarten hier her gefahren. Ich gehe davon aus, dass ich meinen bislang desolatesten Auftritt absolviert habe. Manche bestätigen das sofort, andere bestätigen es später, sie alle haben wiederholt leere Kölschgläser vor sich stehen. Auf meinem Rücken sitzt ein roter Kunststoffrucksack, der mit dem Wort RheinEnergie bedruckt ist. Ich habe den Rucksack zusammen mit dem mittleren Silberschwein als Werbegeschenk gewonnen und ihn dann mit Flaschenbieren aus dem Backstage gefüllt. Ich denke unsinnige Sachen, zum Beispiel: Wenigstens einige der Biere hätten zu Bruch gehen sollen. Oder: An der Organisation des Festivals kann das alles nicht gelegen haben, die LitCologne kleckert nicht, sie glänzt. Vielleicht ist aber dieser Stadtgarten ein teuflischer Ort, vielleicht die Mutter aller Negativspiralen. In der Realität des Abends stehen die leeren Backstage-Bierflaschen zu einer Altglasgruppe zusammengeschoben am Straßenrand vor dem Schokoladenmuseum. Margret Atwood hält sich als würdevolle Dame im Eingangsbereich auf. Patti Smith ist längst gegangen. Hinter dem Panoramafenster fließt der Rhein und an den Tischen werden Zigaretten geraucht. Es dampft aus Tobi, Helene, Dominik, es dampft aus Simon, Martin, Stephan, es dampft aus den meisten. Leicht pampig male ich eine Blume in das Gästebuch des Festival-Cafés und schreibe: „Ein Debakel. But we’re still having fun.“ Der Fahrservice steht uns mit seinen AudiA8-Wagen noch bis zwei Uhr nachts zur Verfügung. Die sympathischen Mädchen aus dem LitCologne-Team kommen regelmäßig vorbei und fragen, ob jemand einen Wagen braucht. Wir verschieben das Mitfahren bis es zu spät ist für die Chauffeure und lassen uns dann per Taxigutschein von einer Kölner Tanzparty zu einer nächsten Kölner Tanzparty bringen. Zuletzt sitzen wir in einem Burger King und werfen Fritten in den Raum. Im grellen Licht der Fast-Food-Filiale helfen uns die Getränkebons der LitCologne nicht mehr weiter. „Don’t worry. Der Abend wird sich bald relativieren“, sagt ein Freund. Ich nicke skeptisch und beiße in ein Tendercrisp-Chicken-Sandwich.
Am Vormittag des 20. März ist es unangemessen schwül im Hotelzimmer, nasser Frühlingsdunst hängt über Köln. Vor der Tür parken tatsächlich Autogrammsammler, echte Profis, die sich zu Helene in Innere des Hotels schmuggeln wollen. Zuhause werde ich die druckvolle Dusche aus Zimmer 302 sehr vermissen, denke ich, als ich mit trocken geföhntem Haar zum letzten Mal in einem der AudiA8-Wagen sitze. Der Chauffeur stellt nette Fragen, er weiß zum Glück nichts über den Silberschweinpreis, er fährt mich zum Dom, ich verlasse die Stadt.

Carlos Ruiz Zafón – Die Lesung


2010
03.27

Von Janina Laube aus der Thalia-Buchhandlung in Euskirchen

Ich durfte zu einer für mich ganz besonderen Veranstaltung gehen, nämlich zur Lesung von Carlos Ruiz Zafón. Er ist einer meiner absoluten Lieblingsautoren und dementsprechend gefreut habe ich mich auf diesen Abend.


Das ganze fand auf dem Literaturschiff, was in der Kölner Altstadt direkt an der Deutzer Brücke ankert, statt. Eine perfekte Location für eine super Veranstaltung kann ich nur sagen. Nach einer kurzen Begrüßung kamen die drei Hauptpersonen unter Applaus auf die Lit.COLOGNE-Bühne. Zum einen Ruiz Zafóns Dolmetscherin, denn er kann kein Deutsch, zum anderen ein Schauspieler der die deutschen Textpassagen vorlesen wird und natürlich der Autor, Carlos Ruiz Zafón, höchstpersönlich.

Nach einer Kurzbiographie Ruiz Zafóns startete der erste Leseblock. Ruiz Zafón las die Textpassagen auf spanisch, welche darauffolgend auf deutsch vorgetragen wurde. Danach beantwortete der Autor Fragen zu verschiedenen Bereichen seines Lebens. Es folgten weitere Ausschnitte aus “Der Fürst des Nebels” und “Das Spiel der Engel“. Ruiz Zafón präsentierte sich als intelligenter, sympathischer Typ, der eine Vorliebe für düstere Geschichten hat.

Auf die Frage nach der Zukunft der Literatur meinte er nur trocken: “Solange es denkende Menschen gibt, solange gibt es Literatur. Doch wie lange gibt es die denkenden Menschen noch?” Ein gelungener Abschlusssatz, für eine gelungene Lesung.
Wer wollte, konnte sich im Anschluss seine Bücher noch signieren lassen, was ich natürlich sofort gemacht habe.

Norman Ollestad im Interview mit Thalia.de


2010
03.25

Süchtig nach dem Sturm Auch Norman Ollestad hat sich mit unserer Pressesprecherin, Mirjam Berle, zusammengesetzt und über sein neuen Roman Süchtig nach dem Sturm gesprochen. Sehen Sie sich das persönliche Interview jetzt an und erfahren Sie warum Norman Ollestad schreibt und wie er mit dem frühen Tod seines Vaters umgeht.

Übrigens: Süchtig nach dem Sturm ist im März Buch des Monats auf Thalia.de. Hier gelangen Sie zur Sonderseite!

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Norman Ollestad – Die Lesung: The distance between life an death – oder wie intensiv kann Leben sein ?


2010
03.25

Von Manuela Quarz aus der Thalia-Buchhandlung im Kölner Rhein-Center

Heute, am Samstag ist meine letzte Veranstaltung der lit.COLOGNE und das waren ja wirklich aufregende Abende. Also packt mich dieses Mal ein wenig die Wehmut, aber dann auch die Freude, denn ich darf heute Abend und zum Schluß noch in die vielgepriesene Kulturkirche in Nippes… Zur Location ist kein Kommentar mehr nötig – die Kirche finde ich, wie alle anderen vor mir ebenfalls schon – auch einfach nur großartig! Nur so viel, ich sitze ganz vorn und fast unter der Kanzel! Bier habe ich übrigens auch noch nie in einer Kirche getrunken… Herr Köhler ist bei der Begrüßung fast ein wenig rührselig und schwärmt von 80 000 Besuchern! Unglaublich, das stellt ja bald den Dom als Besucherziel in den Schatten!


Doch dann zur Sache, es wird Ernst, die Hauptpersonen betreten die Bühne oder den Altarbereich? Bernhard Rogge, Moderator und Übersetzer, Wotan Wilke-Möhring, der uns die deutschen Texte liest und Norman Ollestaad!
Ja, und den habe ich mir nun doch viel athlethischer vorgestellt, so als leidenschaftlicher Skiläufer und Surfer, ein bißchen blass und schmal kommt er mir schon vor… Lebendiger wirkt er auf mich, als er von seinem ersten Buch spricht, dies schrieb er aus der Perspektive seines Hundes, der noch dazu nach einem Skigebiet genannt ist – und natürlich dann als er von seinem Sohn spricht,da kommt Bewegung, Wärme und Lachen!
Im Übrigen, auch seinen Sohn fordert er heraus, einfach aus dem für ihn zwingenden Grund,ihm bestimmte Erfahrungen, die durchaus grenzwertig sind,-nicht vorzuenthalten ! Das hätte ich mal mit meinen drei Söhnen ausprobieren sollen…
Ich habe SÜCHTIG NACH DEM STURM gelesen und mir die ganze Zeit die Frage gestellt, ist dies ein Buch über eine sehr ambivalente Vater/Sohnbeziehung oder geht es um die Bewältigung eines Traumas? Dieses Gefühl bleibt mir auch während des Abends vor allem, als er auf den bewussten Tag des Flugzeugabsturzes angesprochen wird… Dann gleicht Wotan Wilke-Möhring mit seiner gefühlvollen und ausdrucksstarken Lesung alles aus und überzeugt mit sparsamen Mienspiel an der richtigen Stelle, gefällt mir richtig gut!

Beim Signieren jedoch,da bin ich verblüfft..für jeden Besucher hat Norman Ollestaad einen offenen Blick und ein persönliches Wort, locker, freundlich und sympathisch…da gibt es anscheinend doch noch mehr, als das Drama am Berg.

…wieder ist ein spannender Abend zu Ende und dann ist es da, das Aschermittwochsgefühl, es waren tolle Tage…und ich freue mich schon auf das nächste Jahr…

Rainer M. Schröder: Tage der Finsternis – Tage der Ruhe


2010
03.25

Von Simone Hehl aus der Thalia-Buchhandlung in Hürth

Zu meiner zweiten Lesung in der Kulturkirche in Köln-Nippes passte der Veranstaltungsort noch besser. Rainer M. Schröders Novelle „Tage der Finsternis“ spielt im Kloster Himmerod, einer Zisterzienser-Abtei in der Eifel. Gegen 18 Uhr betrat ich Freitag Abend die gut besuchte Kirche und schon im Eingang klangen mir gregorianische Gesänge entgegen.

Auf der Bühne stand eine Leinwand, auf die ein Luftbild des Kosters gestrahlt wurde und mir einen ersten Eindruck des Handlungsortes vermittelte. Obwohl es sich ja um eine Veranstaltung der lit.kid handelte, bestand das Publikum größtenteils aus Erwachsenen und ein paar Jugendlichen. Unter großem Applaus betraten Rainer M. Schröder und seine Frau Helga die Bühne. Helga Schröder begleitet ihren Mann nicht nur auf jeder Recherche-, sondern auch auf jeder Lesereise. Unterstützt wurden der Autor und seine Frau von 2 Übersetzerinnen, die den Vortrag für die gehörlosen Besucher in Gebärdensprache übersetzten.


Rainer M. Schröder überraschte das gemischte Publikum nicht, da er sich selber als „Familienautor“ sieht, der Erwachsene mit den historischen, Jugendliche mit den spannenden Aspekten seiner Romane unterhält. Die erste Begegnung mit der Abtei Himmerod hatte Schröder vor 18 Jahren, als er seinen bekannten Roman „Das Geheimnis der weißen Mönche“ verfasste. Seitdem zieht es ihn immer wieder in die Ruhe des Klosters zurück um dort seine aktuellen Romane zu beenden. Die choralen Gesänge, das schummrige Licht und die hin und wieder aufblitzenden, blauen Scheinwerfer der Kulturkirche spiegelten die friedliche Atmosphäre wieder, die der Autor im Kloster gefunden hatte.

Helga Schröder las einige Kapitel aus der Novelle, die von rätselhaften Ereignissen und mysteriösen Todesfällen hinter den Klostermauern handelt. Gefesselt von der eindringlichen Stimme der Autorengattin und den anschaulichen Beschreibungen, änderte sich die Stimmung schlagartig in gespannte Aufmerksamkeit. Untermalt wurden die einzelnen Szenen mit passenden Schwarzweißfotos der Klosterräume und der Mönche. Gekonnt verband der Autor die einzelnen Textauszüge mit Kommentaren und Erläuterungen und vermittelte mir so einen Gesamteindruck der Geschichte.

Auf die Lesung folgte eine Fragerunde, in der Rainer M. Schröder ausführlich von seinem Werdegang, seinen Werken und Recherchen berichtete. Dabei wurde sehr deutlich wie viel Begeisterung und Herzblut er in seine Romane steckt. Aber nicht nur das, ich habe einen Autoren getroffen, der jedes Abenteuer seiner Romane miterlebt.

Übrigens: Jeder Zuschauer konnte sich sogar ein Stückchen Atmosphäre mit nach Hause nehmen, denn an dem gut besuchten Thalia-Büchertisch gab es das Buch inklusive CD mit den Gesängen zu kaufen.

Carlos Ruiz Zafón im Interview mit Thalia.de


2010
03.24

Fürst des NebelsMoritz Revermann, Filialleiter der Thalia-Buchhandlung in Düsseldorf, traf sich auf der lit.COLOGNE mit dem Autor Carlos Ruiz Zafón zum Interview. In entspannter Atmosphäre erzählte der Autor von seinem Buch Der Fürst des Nebels und wie “so ein netter Typ” auf solch dunkle Gedanken kommt…

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“Grab the money and run”…


2010
03.23

Von Moritz Revermann aus der Thalia-Buchhandlung in Düsseldorf

…nein, Hakan Nesser verließ nicht fluchtartig die Bühne, nachdem er sein Honorar bekommen hatte! Vielmehr war dies seine Antwort auf die Frage, was er von der Verfilmung seines Romans ‚Mensch ohne Hund’, der im Sommer ausgestrahlt wird, halte…Verfilmungen scheinen das Thema des Abends gewesen zu sein, denn auch Daniel Depp äußerte sich einige Stunden zuvor ähnlich ablehnend.

Die lit.Cologne geht leider viel zu schnell zu Ende und Nesser, der das erste Mal auf dem Festival ist, bestreitet an diesem Abend die letzte Vorstellung. Begleitet wurde er von seinem gutgelaunten Freund Dietmar Bär (Borussia Dortmund hatte gerade gegen Leverkusen gewonnen), den ich mir übrigens hervorragend als Inspektor Barbarotti vorstellen kann – aber Nesser hat anderes mit ihm vor, dazu später. Moderiert wurde die Veranstaltung von der klug lenkenden und übersetzenden Margarete von Schwarzkopf. Ausverkauft. Wie immer.

Eigentlich wollte Nesser überhaupt keinen Krimi schreiben, als er mit ‚Mensch ohne Hund’anfing. Eine Familiengeschichte sollte es werden, aber irgendwie machte es nach 250 Seiten Klick, er kam nicht weiter: „es klopfte in meinem Kopf an und Barbarotti stand vor der Tür“. Inzwischen gibt es drei Fälle mit dem liebenswürdigen und melancholischen Halbitaliener. Nesser las aus dem neuen Fall auf Schwedisch (ich verstand wirklich nicht ein Wort!), Dietmar Bär auf Deutsch. Ich denke, dass an diesem Abend sehr viele Besucher kamen, um den Tatortkommissar zu erleben und zu hören. Und es lohnte sich! Völlig fehlerfrei und brilliant intonierend las Bär, der dann erläuterte, dass er sich Bilder der Figuren machen müsse, um daraus deren Stimme entstehen zu lassen. Hakan Nesser war derart angetan, dass er Bär vorschlug, schnell seine Sprache zu lernen, damit er seine Hörbücher auch auf Schwedisch aufnehmen könne! Bär konterte, er könne nur ein Wort auf Schwedisch und dabei bliebe es auch: „IKEA“.

Natürlich wurde Nesser, der perfektes britisches Englisch spricht (und ebendiesen feinen und subtilen Humor hat), gefragt, warum er die Kultfigur Van Veeteren aufgab und was an Barbarotti anders sei. Entscheidend sei das Alter gewesen, antwortete er, VV war 10 Jahre älter als er selbst, Barbarotti 10 Jahre jünger und damit weitaus besser zu steuern und zu kontrollieren.

Relativ unkontrolliert ging der Abend am Signiertisch zu Ende. Britisch war die Schlange nicht, die sich vor Nesser und Bär aufstaute. Die beiden nahmens allerdings mit stoischer Ruhe und Gelassenheit und so ging ein wunderschöner Abend und ein großartiges Literaturfestival zu Ende. Ciao!

The sexiest man alive…


2010
03.23

Von Moritz Revermann aus der Thalia-Buchhandlung in Düsseldorf

…nein, das ist Daniel Depp nicht. Verschmitzt fragte er das Publikum zu Beginn der Veranstaltung, ob es denn wegen seiner literarischen Qualitäten oder wegen seines berühmten Bruders gekommen sei. Ertapptes Lachen aus so mancher Ecke folgte…

Daniel Depp sollte aber schnell durch Charme und Witz die fast 500 Besucher im Kölner Polizeipräsidium in seinen Bann ziehen, unterstützt durch den kongenial lesenden Ingo Naujoks und die wie immer klug und einfühlsam moderierende Antje Deistler. An dieser Stelle einmal ein großes Dankeschön an all die, die mit den Stars der lit.COLOGNE auf der Bühne saßen und zum erneut riesigen Erfolg des Literaturfestivals maßgeblich beitrugen!

Depp, der selbst immer nur kurze Passagen las, spendete Ingo Naujoks mehrfach Szenenapplaus, da dieser den deutschen Text nicht nur las, sondern wirklich brilliant schauspielerte. David Spandau, ehemaliger Hollywood Stuntman und inzwischen cooler, eloquenter und lakonischer Privatdetektiv, ist genau wie Depp Hollywood Insider. Daniel Depp sagt allerdings: „ …there are no insiders in Hollywood. It is so chaotic – there are only outsiders!” Für ihn ist LA eine Stadt der Verlierer, eine Stadt auf billigen Träumen gebaut, die die meisten bei lebendigem Leib auffrisst. Trotzdem hat Hollywood auch ihn und seinen Schreibstil entscheidend geprägt. Raymond Chandlers romantischer Held Philip Marlowe aus „The big sleep“ ist der Pate für seine Figur des David Spandau. Allerdings geht Depp auch mit seinen anderen Figuren fast liebevoll um: Potts, ein Bösewicht wider Willen, nichtsdestoweniger ziemlich brutal, ist auf seine Art eine ehrliche Haut. Ingo Naujoks würde diese Figur sofort spielen wollen, so sehr hat er Potts ins Herz geschlossen, – fast zärtlich wirkt dieser Schurke, wenn Naujoks seine Dialoge las.

Eine Verfilmung seines Buches – wenn auch naheliegend – wird es nicht geben. Depp erläuterte sehr genau, wie die Hollywood Maschinerie arbeitet: es geht nicht mehr um den Inhalt, sondern um den Star, der die Massen ins Kino zieht. Und er möchte seinen Stoff niemandem unterordnen. Lieber schreibt er weiter an neuen David Spandau Krimis.

Toll, dass die englische Ausgabe des Buches ausreichend am Büchertisch vorhanden war. Der Abend endete mit einer sehr langen und geduldigen Schlange vorm sehr geduldig signierenden Daniel Depp, der sich für jeden auch noch einen Moment Zeit lies. Ein spannender und sehr cooler Abend! Klappe.

Ein Abend mit Henning Mankell


2010
03.22

Der Feind im Schatten

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Am 16.03.2010 las Henning Mankell im Rahmen der lit.COLOGNE 2010 in der Rheinparkhalle in Köln. Erleben Sie nun die schösten Augenblicke dieser Veranstaltung!

Zum Buch: Dieser neue Wallander-Thriller führt direkt in den Kalten Krieg und in die schwedische Nachkriegsgeschichte. Hakan von Enke, ehemaliger U-Boot-Kommandant und zukünftiger Schwiegervater von Wallanders Tochter Linda, gewährt dem Kommissar brisante Einblicke in eine politische Affäre: Fremde U-Boote drangen in den achtziger Jahren mehrfach in schwedische Hoheitsgewässer ein, wurden aber nie identifiziert. Von Enke hat dazu jahrelang recherchiert und glaubt sich einer Lösung nahe. Doch dann verschwindet er spurlos, und als kurz darauf auch noch Enkes Ehefrau als vermisst gilt, steckt Wallander bereits mitten in den Ermittlungen… Der neue Bestseller des Krimi-Autors aus Schweden.

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