Mit Jazz Geschichten erzählen! oder nach Frank Zappa Jazz isn’t funny , but it smells funny

2010
03.22

Von Manuela Quarz aus der Thalia-Buchhandlung im Kölner Rhein-Center

Was verbinde ich eigentlich mit Jazz? Das frage ich mich auf meinem Weg ins Limelight… ein paar Namen von so ganz großen Künstlern fallen mir schon ein… aber viel mehr ist es auch nicht, mal sehen oder eher hören, ob sich das heute Abend ändert! Im Limelight war ich noch nicht, ich freue mich sehr darauf… die Atmosphäre des ehemaligen Kasinos der belgischen Soldaten erinnert mich allerdings eher an einen russischen Agententhriller… in rotes Licht getauchte Wände, üppige Kronleuchter, Brokattapete in der Raucherlounge und Kübel mit Palmen. Alles etwas plüschig und die rotgepolsterten Stühle sind auch bei dieser Veranstaltung bis auf den letzen Platz besetzt, es ist wieder voll! Schön ist das… und eine gute Stimmung vermittelt es auch!
Ein wenig Zeit ist noch bis zum Beginn und ich schau mich im Publikum um, Leute gucken ist schließlich auch etwas Feines… die meisten sind eher in grau und schwarz gewandet und wirken auf mich etwas intellektuell angehaucht, aber warum nicht,- ich bin dabei…

Werner Köhler betritt die Bühne, begrüßt das Publikum und weist daraufhin, das dieser Abend irgendwann auf WDR 5 gesendet wird, leider ist noch kein Termin bekannt,- schade eigentlich… Doch nun betreten Matthias Brandt und Roger Willemsen die Bühne und werden mit großem Applaus begrüßt.
Die Zeit- und Musikreise beginnt, angefangen bei Duke Ellington, über Coleman Hawkins, Charlie Parker, nicht zu vergessen – Billie Holliday bis hin zu Bill Evans wird hier etwas ganz Besonderes erzählt. Die Lebensgeschichten dieser großen Jazzlegenden, die meist tragisch intensiv und kurzlebig sind, werden in Prosa verwandelt – von Matthias Brandt großartig vorgelesen und Roger Willemsen präsentiert und erklärt uns die dazugehörigen Musikstücke. Wir hören als Beispiel These foolish things von Lester Young, – hat mir richtig gut gefallen – oder die traurige Hymne Strange fruit gesungen von Billie Holliday. Roger Willemsen plaudert sehr unterhaltsam und scheint ein unendliches Wissen zu haben, – trotzdem ist die Melancholie zu spüren, die in den ausgewählten Musikstücken zu hören ist, Drogen, Gewalt, Unterdrückung und innere Einsamkeit bestimmen die Musik und das Leben der Künstler… eine großartige Verbindung von Buch und Musik, auf meiner Wunschliste ganz oben steht jetzt auf jeden Fall das Hörbuch But Beautiful, Text Geoff Dyer, so wunderbar gelesen von Matthias Brandt.
Wer noch mehr über den Saxophonisten Charlie Parker wissen möchte, dem sei Julio Cortazar Der Verfolger empfohlen oder vielleicht doch die Musik CD?
Eine kurze Verabschiedung von den beiden Herren mit Peace, Peace von Bill Evans und ein sehr schöner Abend ist zu Ende.

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