Von Simone Hehl aus der Thalia-Buchhandlung in Hürth
Zu meiner zweiten Lesung in der Kulturkirche in Köln-Nippes passte der Veranstaltungsort noch besser. Rainer M. Schröders Novelle „Tage der Finsternis“ spielt im Kloster Himmerod, einer Zisterzienser-Abtei in der Eifel. Gegen 18 Uhr betrat ich Freitag Abend die gut besuchte Kirche und schon im Eingang klangen mir gregorianische Gesänge entgegen.
Auf der Bühne stand eine Leinwand, auf die ein Luftbild des Kosters gestrahlt wurde und mir einen ersten Eindruck des Handlungsortes vermittelte. Obwohl es sich ja um eine Veranstaltung der lit.kid handelte, bestand das Publikum größtenteils aus Erwachsenen und ein paar Jugendlichen. Unter großem Applaus betraten Rainer M. Schröder und seine Frau Helga die Bühne. Helga Schröder begleitet ihren Mann nicht nur auf jeder Recherche-, sondern auch auf jeder Lesereise. Unterstützt wurden der Autor und seine Frau von 2 Übersetzerinnen, die den Vortrag für die gehörlosen Besucher in Gebärdensprache übersetzten.
Rainer M. Schröder überraschte das gemischte Publikum nicht, da er sich selber als „Familienautor“ sieht, der Erwachsene mit den historischen, Jugendliche mit den spannenden Aspekten seiner Romane unterhält. Die erste Begegnung mit der Abtei Himmerod hatte Schröder vor 18 Jahren, als er seinen bekannten Roman „Das Geheimnis der weißen Mönche“ verfasste. Seitdem zieht es ihn immer wieder in die Ruhe des Klosters zurück um dort seine aktuellen Romane zu beenden. Die choralen Gesänge, das schummrige Licht und die hin und wieder aufblitzenden, blauen Scheinwerfer der Kulturkirche spiegelten die friedliche Atmosphäre wieder, die der Autor im Kloster gefunden hatte.
Helga Schröder las einige Kapitel aus der Novelle, die von rätselhaften Ereignissen und mysteriösen Todesfällen hinter den Klostermauern handelt. Gefesselt von der eindringlichen Stimme der Autorengattin und den anschaulichen Beschreibungen, änderte sich die Stimmung schlagartig in gespannte Aufmerksamkeit. Untermalt wurden die einzelnen Szenen mit passenden Schwarzweißfotos der Klosterräume und der Mönche. Gekonnt verband der Autor die einzelnen Textauszüge mit Kommentaren und Erläuterungen und vermittelte mir so einen Gesamteindruck der Geschichte.
Auf die Lesung folgte eine Fragerunde, in der Rainer M. Schröder ausführlich von seinem Werdegang, seinen Werken und Recherchen berichtete. Dabei wurde sehr deutlich wie viel Begeisterung und Herzblut er in seine Romane steckt. Aber nicht nur das, ich habe einen Autoren getroffen, der jedes Abenteuer seiner Romane miterlebt.
Übrigens: Jeder Zuschauer konnte sich sogar ein Stückchen Atmosphäre mit nach Hause nehmen, denn an dem gut besuchten Thalia-Büchertisch gab es das Buch inklusive CD mit den Gesängen zu kaufen.

