von Markus Butscheid
Für Tana French war es eine Premiere ihr Buch „Sterbenskalt“ auf der lit.COLOGNE in Köln vorzustellen. French, mit italienischem und irischem Blut in den Adern, hat ursprünglich als Schauspielerin gearbeitet, bevor sie vor fünf Jahren mit dem Schreiben begann.
In ihren Kriminalromanen steht nicht das blutige Verbrechen im Zentrum. Vielmehr interessiert sich French für die Schicksale der betroffenen Personen, die mit dem Opfer verbunden waren. Tana French erzählt, dass sie zum Schreiben eines neuen Buches von einem bestimmten Ort inspiriert werde oder sie habe einen bestimmten Gegenstand im Sinn - wie z.B. der Koffer als zentraler Bezugspunkt im aktuellen Werk – an dem die Figuren zwischen Vergangenem und dem Hier und Jetzt wechseln. In ihren Büchern stecke sehr viel von der irischen Mentalität, nach der sich Vergangenheit, Gegenwart und die Zukunft im Wechsel zu wiederholen scheinen und mit dem sich der einzelne Bürger und das Land auseinandersetzen müssen, erläutert French.
Gerade in „Sterbenskalt“ treten die familiären Verwicklungen von Undercoveragent Frank Mackey und sein Bestreben, die verkorkste Kindheit am Faithful Place hinter sich zu lassen, in den Vordergrund. Zwanzig Jahren nachdem er seiner Familie den Rücken gekehrt hat, ist er gezwungen, zurückzukehren um sich mit dem unaufgeklärten Verbrechen an seiner Jugendliebe in seinem Heimatort in Dublin auseinanderzusetzen.
French verzichtet weitestgehend auf blutige Szenarien und stellt stattdessen die Persönlichkeiten der einzelnen Figuren ins Rampenlicht. So ist das vorliegende Werk eigentlich mehr eine spannende und tiefgreifende Familiengeschichte als ein Krimi. French wählt ihre Protagonisten bislang aus den bereits vorhergehenden Romanen aus. So taucht Frank Mackey bereits im zweiten Buch von French auf. In „Totengleich“ wird er als ehemaliger Chef der Protagonistin Cassie eingeführt und in der neuen Geschichte lernen wir nun seine Familie und die Gründe kennen, weshalb aus ihm der Mensch geworden ist, der er ist.
Tana French interessieren die kritischen Wendepunkte im Leben, die Wegbiegungen, die Menschen zu gravierenden Entscheidungen bewegen. Die bestimmten Momente, in denen man weiß, dass man sich entscheiden muss. Das Kalker Polizeipräsidium mit seinen modernen hellen Räumlichkeiten bietet bei der Veranstaltung Platz für mehrere hundert Zuschauer und begeisterte French-Leser. Man lauscht der prägnanten Stimme Frenchs genauso konzentriert, wie dem Schauspieler Dominic Raacke, der die gewählten deutschen Szenen atmosphärisch erklingen lässt und noch mehr Neugier auf die dunklen Geheimnisse in „Sterbenskalt“ weckt. Margarethe von Schwarzkopf moderiert souverän und rundet den Abend mit den verschiedenen Fragen an die Schriftstellerin und ihr Werk ab.

