March, 2011

BEGEGNUNG MIT EINEM GEREIFTEN POPSTAR DER LITERATUR MEINER JUGEND


2011
03.26

von Moritz Revermann

Er ist kein Pop Star mehr, der Mann, der meine Jugend um so viel reicher machte, der aus dem Jungen einen Mann werden ließ, und dem dieses in den Siebzigern mit 300.000 verkauften Exemplaren von Chuck’s Zimmer sicherlich um ebendiese Zahl bei seinen Lesern schaffte. Wondratschek war anders, poetisch und gleichzeitig unangepaßt. Voll auf die Schnauze und doch gleichzeitig liebevoll. Ein Rüpel mit unglaublichen Manieren. Chuck war das, wovon wir alle träumten.

Aus dem Schwergewicht, der im Mittelgewicht boxte, ist ein reifer Mann geworden. Aber Chuck bleibt Chuck. Der Chuck aus den Siebzigern. Er ist nur älter geworden. Immer noch duckt er sich weg, schlägt mit der Linken; mit seinen Fäusten wie mit Worten.

Werner Köhler, Mitbegründer der lit.Cologne, führte ein, und Christine Westermann moderierte auf gewohnt charmante aber auch hartnäckige Art und Weise. Es bedurfte einer Westermann, um Wolf Wondratschek hier und da aus der Reserve zu locken. Aber vergessen wir nie: es sind beides Profis, und so sollte dieser Abend ein äußerst vergnüglicher und gleichzeitig ernster werden.

Wolf Wondratschek grüßte das Publikum als erstes von Chuck, seinem Alter Ego, auch wenn Wondratschek behauptet, er sei nur eine fiktive Person. Und so las er auch keine Passagen aus der Vater-Sohn Beziehung, auf die die Kritik dieses Buch stilisiert. Ihm ging es darum, dem Publikum, dem Leser seines Buches, klar zu machen, was Schreiben bedeutet, was Lesen bedeutet. Und das Älterwerden.

Sehr ruhig, pointiert und perfekt intonierend las Wondratschek Passagen, die den Reichtum dieses Buches, seine karge Schönheit und seinen gleichzeitig drallen Humor offenbarten. Christine Westermann verstand es zwischendurch, viel Persönliches aus dem Autor herauszukitzeln. Sei es der Drogenkonsum, das Autobiographische des Buches und der Kindheit Wondratscheks oder die Generationenfrage. Wondratschek antwortete eloquent. Stoisch. Manchmal störrisch. Eben Chuck. Aber er machte den Zuschauern, den Zuhörern ein Geschenk. Diesen Abend auf dem Rhein und zuletzt dieses neue Buch – die Fortsetzung von Chuck’s Geschichte. Auf Faust I folgte ja auch 25 Jahre später Faust II.

Danke Chuck, danke Wolf, danke Christine, danke der lit. Cologne für solche Abende! See you in 2012. Und ach ja, – danke Donald und Daisy.

Elke Heidenreich und Claudia Baumhöver im Gespräch


2011
03.25

Am Rande der Aufnahmen zur Hörbuchversion von Heidenreichs Roman „Nero Corleone kehrt zurück”, spricht die Autorin mit Claudia Baumhöver vom Hörverlag über die neue Tendenz in der Literatur, wieder zum Happy End zurückzukehren. Gleichzeitig spannt Heidenreich den Bogen bis zur Musik und erläutert, dass sich diese neue Hinwendung zur Sinnlichkeit dort ebenso findet.

Gespräch_Heidenreich.wav

PS: Den ersten Teil des Gesprächs, finden Sie in der Rubrik “HörBar”!

Impressionen Teil 6


2011
03.25

Arno Geiger und “Der alte König….” in der Kulturkirche


2011
03.25

Von Anja Werner

Die Sonne lacht über Köln, als ich in Nippes aus der Bahn steige und gemütlich in Richtung Kulturkirche spaziere. Ich bin früh unterwegs, um einen guten Sitzplatz zu ergattern. Die heutige Veranstaltung mit dem Österreicher Arno Geiger ist etwas ganz Besonderes für mich. Zum einen bildet sie den Höhepunkt meiner ereignisreichen Zeit als lit.COLOGNE Reporterin und zum anderen bin ich einfach ein großer Fan seiner Bücher.

Vor der Kirche – einem wunderschönen, ehrwürdigen Backsteinbau – haben sich bereits zahlreiche Besucher eingefunden und im Laufe des Abends zieht sich eine lange Schlange Wartender durch Nippes. Ich kann mir sehr gut vorstellen, warum die Lesung ausverkauft ist. „Der alte König in seinem Exil“ ist ein glänzend erzählter Roman, der ein Tabuthema aufgreift, das viele Menschen persönlich betrifft. Es ist die bewegende Geschichte von Arno Geigers Vater August, der seit Jahren an Alzheimer leidet.

Der Autor wird den Abend zusammen mit Verena Auffermann bestreiten. Die Publizistin, Literaturkritikerin und Jurymitglied des Deutschen Buchpreises, den Geiger 2005 erhielt, und der Schriftsteller kennen sich seit seinen literarischen Anfängen und verstehen sich blendend. Arno Geiger liest ruhig und zurückgenommen aus seinem Roman vor. Erzählt, wie der Vater das selbstgebaute Haus nicht mehr erkennt und in sich heimatlos wird.

Auf Verena Auffermanns Frage, wie er mit den Kritiken umgeht, er habe den Vater für sein Buch benutzt, antwortet Arno Geiger nachdrücklich, er habe niemals ein schlechtes Buch über den Vater veröffentlichen können und niemals ohne Zustimmung der Familie. Es ist eine Liebeserklärung an den Papa, der ihm hoffentlich noch lange erhalten bleibt. Das Publikum hört gebannt zu und applaudiert an vielen Stellen spontan. Für mich ist es ein sehr bewegender Abend und so manches Mal sitzt mir ein Kloß im Hals. Trotz aller Ernsthaftigkeit wird aber auch ausgiebig gelacht, denn das Duo auf der Bühne hat viel Humor. Der Schlussapplaus will gar nicht enden und ich merke, wie die Anteilnahme Arno Geiger berührt. Diese beeindruckende Lesung wird mir lange im Gedächtnis bleiben. Vielen Dank!

Peter Matić über acht Jahre “Auf der Suche nach der verlorenen Zeit”


2011
03.25

Peter Matić ist mit seiner Hörbuchfassung von Marcel Prousts „Auf der Suche nach der verlorenen Zeit“ ein ganz besonderer Hörgenuss gelungen. Über einen Zeitraum von acht Jahren vollendete Matić das Einlesen des Werkes. Diese herausragende Leistung brachte ihm eine Nominierung für den Deutschen Hörbuchpreis2011, in der Kategorie „Bester Interpret“ ein. Die Preisverleihung war auch in diesem Jahr Auftakt zur lit.COLOGNE. Zwar ging die Auszeichnung für den besten Interpreten an Burghart Klaußner, aber dennoch erzählte uns ein sympathischer Peter Matić nach der Veranstaltung von seiner Arbeit an der Hörbuchfassung eines großen Klassikers.

Peter Matić über seine Erfahrungen während der achtjährigen Projektphase:

Interview Peter Matic_Teil1.wav

Hören Sie im zweiten Teil des Interviews, wie sich für Peter Matić im Laufe der vielen Jahre, die Arbeit am Hörbuch entwickelt, beziehungsweise verändert hat:

Interview Peter Matic_Teil2.wav

Wenn Sie wissen möchten, ob Peter Matić nach Abschluss des langjährigen Projektes die Arbeit am Hörbuch und das Buch selber fehlen, klicken Sie einfach auf den folgenen Link:

Interview Peter Matic_Teil3.wav

Kai Meyer im Interview


2011
03.24

Am Rande der lit.COLOGNE begrüßt Mirjam Berle den Schriftsteller Kai Meyer zum Interview. Natürlich sprechen die beiden über Meyers aktuellen Roman „Arkadien brennt”, der als zweiter Teil der Arkadien-Reihe erschienen ist. Bevor Kai Meyer am Freitag (25. März) in einer gemeinsamen Lesung mit Kerstin Gier bei der lit.COLOGNE auftritt, verrät er hier vorab schon Einiges über sich und seine Bücher.

Klicken Sie einfach auf das Cover, um nähere Informationen zum Buch zu erhalten!

Im Polizeipräsidium mit Tana French und Dominic Raacke


2011
03.24

von Markus Butscheid

Für Tana French war es eine Premiere ihr Buch „Sterbenskalt“ auf der lit.COLOGNE in Köln vorzustellen. French, mit italienischem und irischem Blut in den Adern, hat ursprünglich als Schauspielerin gearbeitet, bevor sie vor fünf Jahren mit dem Schreiben begann.

In ihren Kriminalromanen steht nicht das blutige Verbrechen im Zentrum. Vielmehr interessiert sich French für die Schicksale der betroffenen Personen, die mit dem Opfer verbunden waren. Tana French erzählt, dass sie zum Schreiben eines neuen Buches von einem bestimmten Ort inspiriert werde oder sie habe einen bestimmten Gegenstand im Sinn -  wie z.B. der Koffer als zentraler Bezugspunkt im aktuellen Werk – an dem die Figuren zwischen Vergangenem und dem Hier und Jetzt wechseln. In ihren Büchern stecke sehr viel von der irischen Mentalität, nach der sich Vergangenheit, Gegenwart und die Zukunft im Wechsel zu wiederholen scheinen und mit dem sich der einzelne Bürger und das Land auseinandersetzen müssen, erläutert French.

Gerade in „Sterbenskalt“  treten die familiären Verwicklungen von Undercoveragent Frank Mackey und sein Bestreben, die verkorkste Kindheit am Faithful Place hinter sich zu lassen, in den Vordergrund. Zwanzig Jahren nachdem er seiner Familie den Rücken gekehrt hat, ist er gezwungen, zurückzukehren um sich mit dem unaufgeklärten Verbrechen an seiner Jugendliebe in seinem Heimatort in Dublin auseinanderzusetzen.

French verzichtet weitestgehend auf blutige Szenarien und stellt stattdessen die Persönlichkeiten der einzelnen Figuren ins Rampenlicht. So ist das vorliegende Werk eigentlich mehr eine spannende und tiefgreifende Familiengeschichte als ein Krimi. French wählt ihre Protagonisten bislang aus den bereits vorhergehenden Romanen aus. So taucht Frank Mackey bereits im zweiten Buch von French auf. In „Totengleich“ wird er als ehemaliger Chef der Protagonistin Cassie eingeführt und in der neuen Geschichte lernen wir nun seine Familie und die Gründe kennen, weshalb aus ihm der Mensch geworden ist, der er ist.

Tana French interessieren die kritischen Wendepunkte im Leben, die Wegbiegungen, die Menschen zu gravierenden Entscheidungen bewegen. Die bestimmten Momente, in denen man weiß, dass man sich entscheiden muss. Das Kalker Polizeipräsidium mit seinen modernen hellen Räumlichkeiten bietet bei der Veranstaltung Platz für mehrere hundert Zuschauer und begeisterte French-Leser. Man lauscht der prägnanten Stimme Frenchs genauso konzentriert, wie dem Schauspieler Dominic Raacke, der die gewählten deutschen Szenen atmosphärisch erklingen lässt und noch mehr Neugier auf die dunklen Geheimnisse in „Sterbenskalt“ weckt. Margarethe von Schwarzkopf moderiert souverän und rundet den Abend mit den verschiedenen Fragen an die Schriftstellerin und ihr Werk ab.

Impressionen Teil 5


2011
03.24

Cody McFadyen stellt sein neues Buch vor: „Der Menschenmacher“


2011
03.24

von Alexandra Gerhard

Es ist Donnerstagabend und es herrscht leise Aufregung im Roten Saal der Comedia Colonia. Heute werden wir Cody McFadyen kennenlernen. Gerade Fans wie ich, die seine Bücher rund um die eigenwillige Ermittlerin Smoky Barrett verschlingen, können es kaum erwarten, den Schöpfer dieser Figur zu treffen. Diesmal stellt er seinen neuen Thriller „Der Menschenmacher“ vor, ein sogenannter „Standalone“, der mit der Serie um Smoky nichts zu tun hat, und von dem es auch keine Fortsetzung geben wird.

Da kommt der Autor. Leise lächelnd, zurückhaltend, fast schon schüchtern wirkt er. Dieser Mann schreibt Krimis, bei deren Lesen ich mich immer vorher vergewissere, dass die Wohnungstür zwei Mal abgeschlossen ist! Ihn flankieren Antje Deistler, WDR2-Moderatorin und lit.COLOGNE-Profi, sowie der Schauspieler Hannes Jaenicke, der den Roman gut kennt, da er Sprecher der Hörbuchfassung ist. Ganz ehrlich – es sind bestimmt  auch nicht wenige Zuhörer im Saal, die sicherlich ausschließlich SEINETWEGEN gekommen sind, ich denke da besonders an Frauen (na ja… zwar nicht ausschließlich…aber ich bin auch unter anderem seinetwegen hier).

Antje Deistler stellt den amerikanischen Schriftsteller mit der düsteren Phantasie vor: Nein, er selber sei sicher kein Psychopath. Er habe eine glückliche Kindheit gehabt, sie seien zwar knapp bei Kasse gewesen, aber immer liebevoll miteinander umgegangen. Erst das Pflegekind, das später in die Familie kommt, lässt ihn erahnen, dass es Abgründe in der menschlichen Seele gibt, die für uns „Normalos“ nicht nachzuvollziehen sind. Ob er seine Romane, die in erster Linie von jungen Frauen gelesen werden (sowohl hier in Deutschland, aber auch in seiner Heimat USA) auch nur für Frauen schreibt? Wieder dieses freundliche kleine Lächeln, nein, sagt er, er habe beim Schreiben keine gezielte Leserschaft vor Augen, er schreibe für alle. Seine Antworten kommen mit Bedacht, er wirkt so freundlich, so gelassen, so…nett. Seine Krimis dagegen sind doch immer eine geballte Ladung von Gewalt, Blut und Tod.

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Ein philosophischer Abend mit Bernhard Schlink und Thea Dorn


2011
03.24

von Jutta Schneider

„Haben Sie heute schon gelogen?“ So lautete die erste Frage von Thea Dorn an Bernhard Schlink und damit war ein Abend eröffnet, der uns mitnahm im Nachdenken über grundsätzliche Lebenseinstellungen, Rechtfertigung von Lügen und das Bejahen von Schicksal und Tod. Was auch immer ich an diesem Abend erwartet hatte, auf keinen Fall hatte ich damit gerechnet, dass mich das Gespräch von Thea Dorn und Bernhard Schlink mit mehr Fragen zurücklassen würde, als ich sie beim Betreten des Saales hatte. Anhand von beispielhaften Geschichten aus Schlinks neuestem Buch „Sommerlügen“  wurde diskutiert, ob es überhaupt technisch möglich sei, sich selbst zu belügen oder ob vielmehr jeder seine eigene Wahrheit sehe.

Auch auf Dorns Frage, was es für Bernhard Schlink und sein Leben bedeutet hätte, wenn er sich gegen Literatur und für eine reine Juristen-Karriere entschieden hätte, folgte nach der persönlichen Antwort, das  Verfassungsgericht  in Karlsruhe anzustreben, eine grundsätzliche: Schlink sieht es als Aufgabe des Menschen, sich in seinem gewählten Leben einzurichten und das Bestmögliche daraus zu machen. Hat man eine vermeintlich falsche Lebensentscheidung getroffen – und wer vermag das schon final zu beurteilen – lebt man kein schlechteres, sondern eben nur ein anderes Leben.

Viel Stoff zum Nachdenken und viele offene Fragen. Eines wissen wir aber mit Sicherheit: Wir alle sind froh, dass Bernhard Schlink sich damals für die Literatur entschieden hat!