von Moritz Revermann
Er ist kein Pop Star mehr, der Mann, der meine Jugend um so viel reicher machte, der aus dem Jungen einen Mann werden ließ, und dem dieses in den Siebzigern mit 300.000 verkauften Exemplaren von Chuck’s Zimmer sicherlich um ebendiese Zahl bei seinen Lesern schaffte. Wondratschek war anders, poetisch und gleichzeitig unangepaßt. Voll auf die Schnauze und doch gleichzeitig liebevoll. Ein Rüpel mit unglaublichen Manieren. Chuck war das, wovon wir alle träumten.
Aus dem Schwergewicht, der im Mittelgewicht boxte, ist ein reifer Mann geworden. Aber Chuck bleibt Chuck. Der Chuck aus den Siebzigern. Er ist nur älter geworden. Immer noch duckt er sich weg, schlägt mit der Linken; mit seinen Fäusten wie mit Worten.
Werner Köhler, Mitbegründer der lit.Cologne, führte ein, und Christine Westermann moderierte auf gewohnt charmante aber auch hartnäckige Art und Weise. Es bedurfte einer Westermann, um Wolf Wondratschek hier und da aus der Reserve zu locken. Aber vergessen wir nie: es sind beides Profis, und so sollte dieser Abend ein äußerst vergnüglicher und gleichzeitig ernster werden.
Wolf Wondratschek grüßte das Publikum als erstes von Chuck, seinem Alter Ego, auch wenn Wondratschek behauptet, er sei nur eine fiktive Person. Und so las er auch keine Passagen aus der Vater-Sohn Beziehung, auf die die Kritik dieses Buch stilisiert. Ihm ging es darum, dem Publikum, dem Leser seines Buches, klar zu machen, was Schreiben bedeutet, was Lesen bedeutet. Und das Älterwerden.
Sehr ruhig, pointiert und perfekt intonierend las Wondratschek Passagen, die den Reichtum dieses Buches, seine karge Schönheit und seinen gleichzeitig drallen Humor offenbarten. Christine Westermann verstand es zwischendurch, viel Persönliches aus dem Autor herauszukitzeln. Sei es der Drogenkonsum, das Autobiographische des Buches und der Kindheit Wondratscheks oder die Generationenfrage. Wondratschek antwortete eloquent. Stoisch. Manchmal störrisch. Eben Chuck. Aber er machte den Zuschauern, den Zuhörern ein Geschenk. Diesen Abend auf dem Rhein und zuletzt dieses neue Buch – die Fortsetzung von Chuck’s Geschichte. Auf Faust I folgte ja auch 25 Jahre später Faust II.
Danke Chuck, danke Wolf, danke Christine, danke der lit. Cologne für solche Abende! See you in 2012. Und ach ja, – danke Donald und Daisy.



























