October, 2011

Die hohe Kunst der Unterhaltung


2011
10.13

Buchhändler-Reporterin Uta Iwan

von Uta Iwan

Na nu, lit.COLOGNE im Oktober? Sie haben es nicht ausgehalten, die Macher des schon fast legendären Literaturfestivals in Köln. Und so holten Sie sich das Beste von der heute eröffneten Frankfurter Buchmesse nach Köln und legten ein Special auf, das dem Publikum die Wartezeit bis zum nächsten März versüßen soll.

Best of Buchmesse, dazu gehört auch der heutige Gast, Schriftstellerin und Regisseurin Doris Dörrie. Sie soll uns ein wenig südliche Sonne in das verregnete Köln zaubern. Sie und ihr neuer Roman „Alles inklusive“ locken einige hundert lit.COLOGNE-Pilger in den Brunosaal in Klettenberg. Dass das hauptsächlich weibliche Zuhörer sind, quittiert Doris Dörrie mit der Feststellung, dass sie jeden lesenden Mann am liebsten persönlich begrüßen möchte, so selten seien sie geworden.

Moderiert wird der Abend in gewohnt professioneller Manier von Randi Crott, die Doris Dörrie federleicht und doch beharrlich die Bälle zuwirft. Und so entspinnt sich auf der Bühne ein fesselnder Dialog über die Arbeit der Doris Dörrie: die Bücher, die Filme, die Opern – was war zuerst, wie entstehen sie, was ist ihr wichtig? Es wird viel gelacht, auf der Bühne und im Auditorium, denn Doris Dörrie ist klug und humorvoll und weiß, hinreißend zu erzählen: warum Sie in diesem Buch ausgerechnet Torremolinos als Schauplatz gewählt hat, warum sie keine Hollywood-Regisseurin geworden ist, was sie so an Japan fasziniert …

Zwischendurch liest sie drei Kapitel aus „Alles inklusive“. Es wird laut und leise gelacht über die Heldinnen Apple und ihre Ex-Hippie-Mutter Ingrid und den Mops Dr. Sigmund Freud und deren Suche nach dem Glück. Aber wie Doris Dörrie sagt: an der spanischen Küste ist es nur solange schön, wie man ausschließlich aufs Meer schaut und sich niemals umschaut. Und das hat Doris Dörrie gründlich getan und tut sie immer: sie zeigt die vielen Facetten des modernen Lebens – unsere Sehnsüchte, unsere Fluchten, unsere Träume vom ständigen Glücklichsein.

Und dann endet der Abend mit einer klugen Betrachtung, was Unterhaltung eigentlich bezweckt: Doris Dörries oberstes Gebot ist es, ihr Publikum nicht zu langweilen. Der Romanleser, der Kinogänger soll herausgehen mit einem Energieschub, sich besser fühlen als vorher, seine Welt ein wenig erweitert und erheitert haben. Und das ist ihr an diesem Abend sehr gut gelungen!

Botschaft von Umberto Eco


2011
10.11

Umberto Eco spricht über sein neues Buch “Der Friedhof in Prag”!

Für weitere Informationen zum Buch, klicken Sie einfach auf das Cover!


© Hanser Verlag

Umberto Eco: Der Friedhof in Prag – Leseprobe


2011
10.10

Als kleinen Vorgeschmack auf das lit.COLOGNE Spezial, bei dem am 17. Oktober auch Umberto Eco aus seinem neuen Roman lesen wird, finden Sie hier neben einer Leseprobe auch eine kurze Vorstellung der Personen, mit denen die Hauptfigur Simonini zu tun hat.

Der Friedhof in Prag – Leseprobe

Der Friedhof in Prag – Personenverzeichnis
© Hanser Verlag

7 Fragen an Martin Walser


2011
10.05

Wie finden Sie den Stoff für Ihre Bücher, was inspiriert Sie?

Um es genau zu sagen: Ich finde nie den Stoff für meine Bücher, sondern der Stoff findet mich. Meistens ist es eine Figur, die sich meldet. Als  sich Percy, der Muttersohn, meldete, war sofort der Satz da: Furcht und Ungeduld waren ihm fremd. Das ist schon fast ein Programm, dem man folgen kann.

Recherchieren Sie vor Ort oder fließt vor allem schon vorhandenes Wissen in Ihre Bücher mit ein?

Das Wort “recherchieren” mag ich nicht. Ich suche, was mir noch fehlt. Für Muttersohn brauchte ich eine Brücke über den Rhein. Ich wusste, was mit und auf dieser Brücke passieren sollte. Also suchte ich die zu meiner Handlung passende Brücke. Und habe sie gefunden.

Wie beurteilen Sie das Verhältnis von Literatur zu Geschichte und Politik?

Ich habe gelegentlich gesagt: Der Roman ist die Geschichtsschreibung des Alltags. Inzwischen sage ich: er ist viel mehr. Er kann viel mehr sein. In einem richtigen Roman ist die Geschichte und die Politik genauer enthalten als in jedem anderen Medium.

Welche Verantwortung hat ein Schriftsteller in der heutigen Gesellschaft?

Diese Frage ist mir eher unangenehm. Mir ist das Wort “Verantwortung” eher fremd. Es wird andauernd gebraucht und kommt mir dann oft vor als eine wichtigtuerische Anmaßung.

Welches (literarische) Thema wird in den nächsten Jahren an Bedeutung gewinnen?

Das ist eine Frage für Soziologen und Umfrage-Gläubige. Ich habe immer nur mit meinen Themen zu tun und kann mich nicht darum kümmern, ob das dann die Themen der Allgemmeinheit sind.

Welche Rolle spielt für Sie die Inszenierung Ihrer Bücher vor dem Publikum?

Ich habe so gut wie jedes meiner Bücher auch öffentlich vorgelesen. Ich bereite solche Lesungen sehr genau vor und bin jedesmal unheimlich gespannt auf die Reaktionen des Publikums. Die Zuhörer reagieren ja bei einer Lesung auf jeden Satz. Und das kriege ich mit. Ich kriege also mit, wie das Buch ankommt. Das ist eine ziemlich angenehme Erfahrung.

Können gedruckte Bücher in einer multimedialen Welt zukünftig noch für Furore sorgen?

Das Buch ist durch nichts zu ersetzen. So wenig die Photographie die Malerei ersetzt hat, so wenig wird irgendwas elektronisches das Buch ersetzen. Ich habe Bücher, mit denen ich seit Jahrzehnten umgehe. Diese Bücher spielen eine Rolle in meinem Leben. Dass etwas Elektronisches eine solche Rolle spielen könnte, ist unvorstellbar. Nur im  Buch wird der Geist sinnlich.