16 Fragen an Zoran Drvenkar

2012
03.08

Zoran Drvenkar © Corinna Bernburg

Wie finden Sie den Stoff für Ihre Bücher, was inspiriert sie?

Bücher, Filme und Musik sind mein Futter, ohne sie könnte ich nichts, ohne sie würde ich nur faul rumliegen und darauf warten, daß es schneit. Mit ihnen explodiere ich jeden Tag ein wenig. Der Stoff meiner Bücher kommt aus dieser Quelle, kleine Ideen kicken mich an und lösen Geschichten aus. Natürlich hat es auch viel mit dem eigenen Leben zu tun – was kommt einem quer, was bringt einen zum Grinsen, was macht einen wütend oder nachdenklich.

Wie sehen Sie die Zukunft der Literatur – welche Themen werden begeistern, welche Genres am liebsten gelesen?

Darüber mache ich mir wirklich keine Gedanken. Literatur ist für immer, das Leben ist das Thema, der Rest wird aufgeschrieben.

Welche Rolle spielt Ihr Publikum für Sie, wie bauen Sie eine Beziehung zu Ihren Lesern auf?

Ich denke nicht an mein Publikum, das ist der beste Weg, nicht anbiedernd daherzukomen und für jemanden zu schreiben. Das habe ich noch nie gemocht. Meine ersten Leser sind ein kleiner Kreis von Freunden. Wenn ich für jemanden schreibe, dann sind es meine Charakte-re, die ich ins Leben rufe, die ich durch ihr kurzes Leben im Buch begleite und die ich ver-suche zu verstehen. Und wenn das Buch fertig ist, treten sie alle nach draußen und werden der Welt präsentiert und dann habe ich eigentlich nichts mehr zu sagen.

Zoran Drvenkar: Die Kurzhosengang und das Totem von Okkerville

Der Ton. Es muß vom ersten Moment an klicken. Da muß Rhythmus sein, da muß jemand etwas zu erzählen haben. Es ist dabei egal, wovon die Geschichte handelt. Wenn der Schrei-ber eine Stimme hat, dann will ich sie hören, ansonsten kommt das Buch in die Ecke. Die ersten Seiten reichen da schon. Am schlimmsten sind die Autoren, die nach der Hälfte eines großartigen Buches zusammenklappen. Davon gibt es immer mehr. Die sollten lieber Kurz-geschichten schreiben. Ein Autor muß Kraft und Seele für einen Roman haben, ein furioser Anfang ist nur die halbe Miete. Ein Roman sollte nach der Häfte besser und besser werden, das ist Schreiben.

Was ist das für ein Gefühl, wenn Sie Monate an einem Text gearbeitet haben und schließlich das fertige Buch in der Hand halten?

Abschied. Trauer. Ein wenig Geflenne. Erleichterung.

Wie lesen Sie selbst – auf dem eReader oder im gedruckten Buch?

Nichts kommt einem echten Buch gleich. Kein alberner Kinderspielmonitor, der tut, als wäre er kein Kinderspielmonitor. Ich brauche das Gewicht, ich brauche das Zurückblättern, die Ruhe der Seiten und das Wissen, der Verlag hat seine Energie und Kraft in dieses Produkt getan, jemand hat die Gestaltung gemacht, das Papier ausgesucht, es binden lassen. Ein Buch ist ein Objekt, das mit Leben gefüllt ist. Ein eReader ist ein Objekt, das mit Batterien gefüllt ist.

Welche Verantwortung hat ein Autor gegenüber unserer Gesellschaft?

Das sind ja Fragen. Hand aufs Herz – darüber denke ich nicht nach.

Kultur und Konsum scheinen sich oft in getrennten Sphären zu bewegen. Wie können beide zueinander finden?

Puh, da passe ich gleich nochmal, das interessiert mich so sehr wie die polymären Techniken zum Entfernen von Warzen.

Welcher Autor hat Sie in den vergangenen Monaten begeistert und warum?

Da muß ich gleich eine Handvoll Autoren auf den Tisch liegen. Erst kam LoveStar von Andri Snaer Magnason und das war ein sehr durchgeknallter ScienceFiction aus Island. Dann der neue Roman von Marten Ramsland Sumobrüder, auf den habe ich lange gewartet und das Warten hat sich sehr sehr gelohnt. Danach ging meine skandinavische Phase doch glatt weiter und ich hatte Kim Leine in der Mangel und habe zwei Tage über Die Untreue der Grönländer grinsen müssen. In einem Rutsch habe ich mich dann an meine Sammlung von Halldor Laxness Büchern gemacht und Weltlicht hat gutes Licht in meine Seele scheinen lassen. Danach ein Abstecher in die dunkle amerikanische Seele zu Ryan David Jahn und Akt der Gewalt, da hat mir das Blut in den Adern ein wenig gestockt. Und zurück in den Norden zu Jakob Ejersbo, der leider sehr jung verstorben ist und jetzt bringen sie seine letzten zwei Bücher raus und eines davon ist Liberty. Und zum Schluß Patrick deWitt mit seinem brillanten Western Die Sisters Brothers, das erst im Juni bei uns erscheinen wird. Und Herman Koch ist hochkannt in die Ecke geflogen mit seinem Sommerhaus mit Swimmingpool. So ein guter Anfang und dann voll in den Sand gesetzt. Nein, danke.
In welche literarische Figur würden Sie sich gern einmal für einen Tag verwandeln?

Einer von der Kurzhosengang zu sein, das wäre was. Aber nicht Zement, der ist mir zu lang-sam. Auch nicht Snickers, der versucht alles im Griff zu behalten. Island ist mir zu traurig, aber Rudolpho würde mir passen. Romantik pur. Und ein Herz, das wie ein Streichholz ab-brennt, sobald er ein Mädchen sieht.

Wie sehr beeinflussen eigene Erlebnisse ihr Schreiben?

Sie kommen versteckt daher und ich begreife es meist erst, wenn das Buch abgeschlossen ist und im Buchladen steht. Da ist es dann zu spät, sich zu beschweren.

Was macht ihrer Meinung nach ein perfektes Buch aus?

Ein perfekter Anfang, eine perfekte Mitte und ein garndioses Ende.

Wie muss für Sie der perfekte Anfang eines Romans aussehen?

Sehr elegant und sehr natürtlich.

Haben Sie schon mal eine Buchidee realisiert, aber die fertige Geschichte nicht veröf-fentlicht? Wenn ja wieso?

Nein.

Worüber möchten Sie unbedingt noch einmal ein Buch schreiben?

Über Zarah. Das Buch war Liebe pur. Dahin muß ich zurück.

Gibt es eine Romanfigur, um die Sie einen anderen Autoren beneiden?

Nein.

Zoran Drvenkar bei thalia.de

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