von Janina Laube
Heute, den 16.03.2012, startete nun endlich die langersehnte Lit.COLOGNE für mich. Pünktlich um 19.30 Uhr fand ich mich in der ausverkauften Kölner Oper ein, um einer der schillerndsten Persönlichkeiten unserer Zeit zu lauschen.
Mit einer halbstündigen Verspätung ging es dann um 20.00 Uhr endlich mit einer Überraschung los. Nicht Elke Heidenreich, wie angekündigt, sondern Roger Willemsen sollte kurzfristig als Moderator durch den Abend führen, wurde dem erstaunten Publikum mitgeteilt. So weit so gut. Unter tosendem Applaus betraten kurz darauf Moderator Roger Willemsen und der Modezar die Bühne und Lagerfeld bewies, dass er als Chanel-Designer nicht nur Ahnung von Mode und Kunst hat, sondern auch über ein umfangreiches Literaturwissen verfügt.
Er besitzt über 300.000 Bücher und liest alle seine Bücher in Originalsprache (er spricht fließend, Deutsch, Englisch und Französisch). Schon mit 6 Jahren wollte er nicht als Kind wahrgenommen, sondern ernst genommen werden und las in diesem zarten Alter „Beatrice“ von Balzac (sein erstes französisches Buch in Originalsprache). Es folgten Streifzüge durch die deutsche, englische und französische Literatur und unterhaltsame Geschichten aus Lagerfelds Jugend.
Seiner Meinung nach, sollte man alles lesen um sich selbst ein Urteil bilden zu können. Auf die Frage hin, ob er denn auch elektronische Bücher lese, antwortete er deutlich, er liebe Ipads, aber Bildschirme könnten niemals den Geruch und das Gefühl von bedrucktem Papier ersetzen. Besonders gerne lese er Balzac, Thomas Mann und Goethe und verriet sein deutsches Lieblingsbuch- Goethes „Wahlverwandtschaft“.
Das Publikum, mich eingeschlossen, war begeistert von der intelligenten und sehr humorvollen Konversation zwischen Willemsen und Lagerfeld, welche im Mittelteil mit einem wunderschönen Klavierstück auf dem Flügel untermalt wurde. Danach stellte Lagerfeld uns noch eine weitere seiner vielen Leidenschaften vor. Er sammelt deutsche Werbeplakate aus den Jahren 1905-1950 und besitzt mittlerweile eine umfangreiche und wertvolle Sammlung, aus der wir uns einige Exemplare auf Großleinwand anschauen durften. Angesprochen auf seine nächsten literarischen Projekte, Lagerfeld besitzt einen Verlag mit dem schönen Namen LSD und eine Buchhandlung in Paris, verriet er uns, dass er im nächsten Jahr mit dem Friedrich-Nietzsche-Kolleg eine neue Werkausgabe von Friedrich Nietzsche herausgeben möchte. Nach 90 Minuten war das Spektakel vorbei und Lagerfeld hinterließ ein beeindrucktes Publikum.
Diese Veranstaltung ist mit Abstand eine der interessantesten und unterhaltsamsten der letzten Jahre gewesen, da sie eine vollkommen andere Seite Lagerfelds Persönlichkeit gezeigt hat und mich sehr beeindruckt hinterließ.


