von Stefanie Menzel
Eine der zahlreichen Veranstaltungen am sechsten Tag der lit.COLOGNE (leider schon dem „Bergfest“), war die Lesung der jungen deutschen Autorin Annika Reich, die im Comedia Theater in Köln aus ihrem neuen Roman „34 Meter über dem Meer“ las. Die Moderation des Abends übernahm Sabine Scholt.
Ich habe die Lesung mit Spannung erwartet, Annika Reichs Bücher habe ich wirklich sehr gern gelesen und sie als außergewöhnlichen Lesegenuss empfunden.Doch warum eigentlich „34 Meter über dem Meer”? Das Buch bekam diesen Titel, weil Berlin (der Handlungsort des Romans) 34 Meter über dem Meeresspiegel liegt und eine der Hauptfiguren ein am Leben gescheiterter Meeresforscher ist (so erzählt er es auf jeden Fall sich selbst und anderen). Dieser Herr, Horrowitz sein Name, tauscht mit einer jungen Dame namens Ella seine Wohnung in Berlin. Einfach so. Ohne sie zu kennen. Beide haben dafür jedoch ihre guten Gründe.
Der eine möchte fliehen, die andere endlich richtig beginnen. Und so leben sie beide das Leben des jeweils anderen und versuchen, gut darauf acht zu geben und nichts zu zerbrechen (und nebenher auch noch ihre eigenen Wege zu finden).
Was für ein tolles Thema für einen Roman und Annika Reich hat es brillant zu Papier gebracht. Bei diesem Titel, so wie auch bei „Durch den Wind“, dem Vorgänger, hätte ich mir jeden zweiten Satz herausschreiben können – so gelungen, so schön und so sehr auf den Punkt finde ich ihren Schreibstil. Und auch bei dem heutigen Leseabend hätte ich mir das ein oder andere Mal gewünscht, ein Tonband dabei zu haben oder doch wenigstens Steno zu beherrschen.
Annika Reich hat eine umwerfend herzerfrischende Art an sich, die einen immer wieder in schallendes Gelächter ausbrechen lässt. Neben den Auszügen aus ihrem Buch (die sie frei wählte und immer wieder gekonnt die Empfehlungen des Lektorats ignorierte), sprach sie von den Vorgängen ihrer Schreibarbeit, von den Schwierigkeiten und Zweifeln, die der Beruf des Schriftstellers mit sich bringen kann. Dazu kann ich nur sagen, jemand der Wörter wie „lichterloh“ benutzt, um seine Charaktere zu beschreiben und der so lebendig und charismatisch auf der Bühne ist, wird all diese wunderbaren Eigenschaften bestimmt noch sehr häufig auf das Papier bannen können.
Schreiben Sie weiter, Frau Reich. Alles andere wäre Verschwendung. Ich jedenfalls freue mich schon jetzt auf das nächste Buch, das Sie uns hoffentlich auch wieder in Köln (53 Meter über dem Meeresspiegel) präsentieren werden!


