Blutsauger in Sparkasse – Ein Abend mit Biss

2012
03.21

von Markus Kowal

Buchhändlerreporter Markus Kowal

Die Nacht umhüllt den gläsernen Palast und eine große Menschenmenge hat sich davor versammelt. Fast erwartet man schon Fackeln und gespitzte Pfähle in ihren Händen, aber es sind dann doch nur die Eintrittskarten.
Wie bei den Vampiren kann man erst herein, wenn man hinein gebeten wurde und das werden wir schließlich auch sehr freundlich. Dann strömen die Massen in den großen Saal und uns erwartet ein schauriges Bild. Fledermäuse schwirren umher, Knoblauch liegt aus, ein riesiger Totenkopf starrt uns an und da ist sogar der angespitzte Pfahl.
Wir befinden uns nicht in einem Horrorfilm, sondern in der Sparkasse Köln/Bonn am Rudolfplatz in Köln.

Vor einer blutroten, von dunklen Ranken überzogenen Wand, erscheinen plötzlich, wie aus dem Nichts, Gerd Köster, die Moderatorin Margarete von Schwarzkopf und der Vampirexperte Hans Meurer. Heute geht es um den Vampirroman überhaupt – “Dracula” von Bram Stoker. In Deutschland erschien dieser zuerst 1908 und kostete einen nicht etwa das Leben, sondern 5 Mark. Damals wurde schon verkündet, für “Schwachnervige” sei es keine geeignete Lektüre.

Vampirismusexperte Hans Meurer und Moderatorin Margarte von Schwarzkopf

Von Herrn Meurer, dessen Buch “Vampire – Engel der Finsternis” einige Hintergründe des Vampirismus erläutert, erfahren wir so manches über Bram Stoker und dessen Buch. Eigentlich sollte der Vampir eine Frau sein und nicht in Transsilvanien spielen, sondern in der Steiermark. Ob dann Draculine ein Dirndl getragen hätte, anstatt eines Umhanges, werden wir wohl nie erfahren, denn Stoker hat sich, Luzifer sei Dank, dann ja doch für Dracula entschieden!

Zwischen den Erläuterungen des Experten, liest Gerd Köster einige Passagen aus dem blutigen Roman vor und wäre es nicht so hell, würde man sofort nach dem Pfahl greifen, um sich in Sicherheit zu wiegen. Dass die Vorlage für den Fürst der Finsternis eine wahre historische Figur ist, hat man vielleicht schon mal gehört.
Vlad, der Pfähler war als sehr grausam verschrien. Natürlich hielt sich Stoker nicht besonders an die historischen Vorgaben, sondern fügte aus religiösen Motiven, Aberglaube, Legenden und alten Schriften eine ganz neue Figur zusammen, die alles bisher dagewesene in den Schatten stellte, obwohl sie eigentlich ohne Seele, gar keinen Schatten besaß.

Sänger und Hörbuchsprecher Gerd Köster

Aber die Parallelen von Bram Stoker und Karl May waren mir bis dahin neu. Beide starben fast zur gleichen Zeit und haben die beschrieben Länder nie selbst gesehen. Christopher Lee hätte sogar fast den Winnetou gespielt. Wenn man da nicht eine Gänsehaut bekommt. Die erotischen Anspielungen in dem Roman waren ebenfalls nicht üblich in der damaligen Zeit. Demnächst erscheint eine Neuübersetzung von Dracula, indem man den Roman an die modernere Sprache angepasst hat: So wird etwa aus Bündel nun Tasche.

Jetzt ergreife ich schnell das mir zum Abschluss angebotene Knoblauch für die sichere Heimreise und muss an den auch erwähnten Film “Tanz der Vampire” denken, wo der gebissene Wirt von Alfred mit einem Kreuz bedroht wird und dieser erwidert: “Die wirken nicht bei jüdischen Vampiren!” Ich bin trotzdem gut zu Hause angekommen und hoffe die anderen Gäste auch!

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