von Saidjah Hauck
Mein zweiter Abend der diesjährigen lit.COLOGNE fand auf der MS Rheinergie statt, für mich der interessanteste Veranstaltungsort, da das Schiff ablegt und man die Stadt vorbeiziehen sieht.
Für heute war es noch perfekter, führten uns doch Joachim Frank, Redakteur des „Kölner
Stadtanzeigers“, als Moderator und Henning Baum als Leser des Buches „Time Bandit“ direkt in die Beringsee zu den Königskrabbenfischer.
Henning Baum kennt man aus verschiedenen TV-Serien wie z. B. „Der Letzte Bulle“, für den er den Bayerischen Fernsehpreis bekam. Von ihm sagt man seine Figur sei sportlich und seine Stimme sonor, perfekte Voraussetzungen um ein Buch vorzulesen über harte Kerle, die in ihrem Beruf ständig ihr Leben riskieren. Jedes Jahr sterben etwa 71 Mann.
Johnathan Hillstrand treibt gerade langsam ohne Motor, Funk und Handy und sinniert über sein Leben. Er erzählt von den Anfängen. Das erste Mal durften er und sein Bruder Andy mit zum Fischen als er acht Jahren alt war. Von da an waren beide infiziert und hörten nie wieder auf.
Der Vater baute ihnen mal ein schnittiges Boot mit zwei 50-PS-starken Außenbordern, das sie so furchtlos durch die See trieben, dass der Vater mit dem Bagger ein Riesenloch aushob und das Boot darin vergrub mit den Worten: „Ihr habt alles von mir bekommen um euch umzubringen, leider habt ihr versagt.“
Danach wurde die „Time Bandit“ gebaut und die Jungs brauchten 8 Jahren um dem Vater die Investition von 1,7 Millionen Dollar zurück zu zahlen.
Ein Trailer aus der Doku-Serie vom Discovery Channel „Der gefährlichste Job Alaskas“ zeigt uns beeindruckende Bilder von Monsterwellen von 15m Höhe und mehr und von Männern, auch Andy und Johnathan, die trotz alledem noch arbeiten. Cameron Glendenning, Chef-Kameramann der Serie und Emmi-Preisträger erklärt uns dann auf Englisch wie gefilmt wurde. Pro Jahr wurden etwa 100 Kameras verschrottet mit einem Wert von ca. 1 Mio Dollar.
Er sagt Andy und Johnathan seien „natural born philosophers“ die ihm klar gemacht haben was im Leben zählt, nämlich Zusammenhalt, sich verlassen können auf den Anderen und Vertrauen in sich selbst.
Am Anfang wurde er beäugt wie ein Alien, mittlerweile gehört er zur Familie. Man kann sich die Arbeit an Bord vorstellen wie eine Choreografie, in der jeder seine feste Rolle hat. Alle die nicht dazu gehören, stören und sind eine potentielle Gefahr. Man merkt, dass Henning Baum diese Geschichte liebt und Respekt für diese Männer hegt. Seine markante Stimme passt perfekt zur Story. Besser geht nicht!
Es war ein toller Abend. Das Leben dieser Männer hat mich erstaunt und beeindruckt, u. a. durch die Erklärung Johnathans, der schreibt: „Reichtum ist das, tun zu können, was man tun möchte und er könnte jetzt sterben, er hätte gut gelebt.“ Dem schließe ich mich an.




