von Markus Kowal
Ich bin total aufgeregt! Endlich ist es so weit und ich bin wohl nicht der einzige Fan, denn eine nicht abreißende Menschenschlange strömt in den Klaus-von-Bismarck-Saal beim WDR.
Der transpirationsunfähige Ping Pong Meister Onno Viets, der vom Hartz-IV-Empfänger, wegen unlösbarer Problemen mit dem Finanzamt zum Privatdetektiv avanciert ist, wird von dem bekannten Sänger Nick Dolan engagiert, um seine Freundin der mutmaßlichen Untreue zu überführen. Diese ist keine geringere, als die berühmte Fiona Popo, das aus Funk und Fernsehen bekannte Pornocasting-Jury-Mitglied.
Nein, nicht was Sie wieder denken! Fiona ist hier nicht der Star, den alle sehen wollen und sie spielt auch nicht in einem Porno, sondern in dem neuen Buch von Frank Schulz eine entscheidende Rolle! “Onno Viets und der Irre vom Kietz” wird an diesem Abend von dem Autor selbst, Harry Rowohlt und als Überraschungsgast Tina Kemnitz, in wunderbarerweise vorgetragen.
Die Einleitung von Harry Rowohlt ist schon ein komödiantischer Hochgenuss, der von den Reiseerfahrungen mit Frank Schulz berichtet und dessen erfüllten Kindheitstraum, einmal aus dem offenen Zugfenster in Hamburg-Harburg “Spinnt ihr hier alle oder was?” zu rufen.
Dann dürfen wir Zeugen der vorgelesenen Observation von Onno Viets sein, von dessen Faulheit (“verglichen mit Onno war Aas emsig”) hier fast nichts zu spüren ist. Immerhin kann er ein paar Primzahlen, Kartoffelschälen und hat natürlich ein hervorragendes Sitzfleisch!
Das braucht er auch, wenn er an Fiona Popo in seinem Ford Ka dran bleiben will, welcher eigentlich Ford Guano heissen müsste, nachdem Onno ihn unter einer Laterne geparkt hatte, die ein beliebter Platz für ausharrende Tauben ist!
Mit großem Vergnügen verfolgt das Publikum im WDR Saal ebenfalls, fast wie ein entsprechender Detektiv, die Sprachakrobatik der drei Vorleser auf der Bühne, die Onno und so auch uns sogar bis nach Mallorca führt.
Das ganze endet mit einem bombastischen Finale, nicht nur in dem großartigen Buch, sondern auch indem Harry Rowohlt enthusiastisch den Text von Jan Neumann “Knolls Katzen” vorträgt, der den Kasseler Förderpreis für grotesken Humor dafür erhielt. Der Saal tobt und abschließend signieren noch alle drei Helden des vorgetragenen Wortes am Thalia-Bücherstand und viele Leser werden sich in den nächsten Tagen ebenfalls der Verfolgung von Fiona Popo widmen. Ich auf jeden Fall!




