Harry Belafonte – Ein Weltstar zu Besuch in Köln!

2012
03.29

Buchhändlerreporterin Saidjah Hauck

von Saidjah Hauck

Das Highlight der diesjährigen lit.COLOGNE war die Veranstaltung mit Harry Belafonte und ich durfte dabei sein! Der Saal am Tanzbrunnen war ausverkauft und viele Besucher kauften das Buch schon vorab und hofften es signiert zu bekommen – was mit einem freundlichem Lächeln für jeden geschah, auch noch nach einer Stunde.

Werner Köhler sprach einleitende Worte, Philipp Schwenke, Redakteur der Zeit, moderiere und Christian Brückner las den deutschen Text.

Weltstar Harry Belafonte

Belafonte erzählte, er habe vier Jahre an dem Buch geschrieben. Sein ursprüngliches Ziel war ein Film aber er stellte schnell fest, dass er in einer Biografie mehr ausdrücken konnte. Der erste Satz verursachte ihm Panik. Es war schwierig zu entscheiden, was und wie geschrieben werden sollte und er war dankbar für jede Hilfe der Profis, die dem Buch seine Struktur gaben.

Nach dem Krieg in der Navy, wurde er Assistent eines Hausmeisters, was ihm die Möglichkeit gab, über seine Zukunft ohne Abschluss nachzudenken. Eines Tages bekam er Theaterkarten und sah zum ersten Mal Theaterschauspieler, sogar schwarze Akteure. Von da an wusste er welchen Beruf er lernen wollte.

Robert-de-Niro-Sprecher Christian Brückner, Journalist Philipp Schwenke und Harry Belafonte

Er kam zu Piscators „Dramatic Workshop“ in eine Klasse mit Marlon Brando, der sein Freund wurde, Toni Curtis, Rod Steiger und Walter Matthau. Er spielte in einer Inszenierung von Steinbeck, in der die Protagonisten singen mussten und so entdeckte er sein Talent als Sänger. Da es kaum Engagements für schwarze Schauspieler gab, war das Singen ein Segen.

Wir erlebten dann eine Weltpremiere: Harry Belafonte las selber mit warmer, etwas brüchiger Stimme aus „My Song“, danach las Christian Brückner eine Episode aus dem Jahr 1964 im Staate Mississippi, wo der Ku-Klux-Klan tobte und drei Bürgerrechtler, die schwarzen Wählern zu ihrem Recht verhelfen wollten, ermordete.
Es hat sich viel geändert in Amerika seit damals, aber immer noch nicht genug. Er spricht in seiner Familie (mit sieben Enkeln, zwischen 3 und 30 Jahren) oft darüber, wenn er gefragt wird, damit sich dieses dunkle Kapitel der Geschichte nie mehr wiederholt. Er lässt keine Frage offen.

Harry Belafonte nahm sich Zeit für jeden Fan

Für ihn ist jede Generation dafür verantwortlich, sich für das Gute in der Welt einzusetzen. Er war oft wütend in seinem Leben und das war für ihn ein nützliches Gefühl. In richtige Bahnen gelenkt, kann es viel bewegen und ändern. Er glaubt auch an die Kraft der Kunst und der Musik, um die Welt besser zu machen.

Er erzählte noch einige Anekdoten aus seinem Leben, komische und erschreckende und sprach noch über ein neues Projekt mit Bruce Springsteen und afrikanischen Musikern. Auch heutige Ungerechtigkeiten liegen ihm am Herzen.

Singen will oder kann er nach einem leichten Schlaganfall, der sein Gleichgewicht etwas beeinträchtigt, nicht mehr selber aber unterstützen und schreiben. 2005 war für ihn Zeit in Würde aufzuhören. Ein zweites Buch könnte er sich aber noch vorstellen. Mit seien 85 Jahren sprüht er noch vor Energie, positiver Wut und Tatendrang.

Was für eine Persönlichkeit! Ich bin dankbar ihn live erlebt zu haben.

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