Wir haben die bewegendsten Momente des letzten Jahres noch einmal für Sie zusammengefasst und das gleich im Doppelpack! Entdecken Sie hier die Höhepunkte der lit.COLOGNE 2011 und ihrer Spezialausgabe im Herbst.
i) Highlights 2011
Hellmuth Karasek im Interview
10.21
Während der lit.COLOGNE traf Thalia Hellmuth Karasek zum Interview. Sehen Sie hier, was er Jennifer Pernau, Thalia, im Gespräch verraten hat.
Ein sprühendes Feuerwerk voller Witz und Verstand – Karasek trifft Hirschhausen
10.18
Heute, Sonntagabend, treffen sich nicht nur die kleinste literarische Form und die medizinisch-therapeutische Seite der Unterhaltung, sondern auch 900 gut gelaunte und erwartungsfrohe Gäste dieser Veranstaltung, mit dem schönen Titel “Soll das ein Witz sein?” im Tanzbrunnen des Rheinparks!
Das geht direkt rasant los, da werfen sich aber auch zwei, die sich kennen und mögen die Bälle und die Stichworte in rasantem Tempo zu und ein Knallerwitz folgt auf den anderen! Warum vergesse ich die bloß immer so schnell? Von Hirschhausen hat die passende Erklärung, das Gehirn speichert am liebsten visuelle Botschaften und ein Witz löst Bilder im Kopf aus, die nicht eindeutig und klar sind, widerstrebende Botschaften also, die kann das Gehirn nicht so einfach abspeichern, deshalb vergessen wir das Ganze lieber … schöne Erklärung und die kann ich gut behalten! Was von Hirschhausen und Karasek verbindet, ist die Lust Witze zu sammeln und sie zu kategorisieren! Das haben sie allerdings auch mit meiner Tante Elfriede gemeinsam, die hatte nämlich auch immer ein kleines Heftchen in der Handtasche – falls es mal ein bisschen langweilig wird – so war ihr Argument – mit einer sich ständig erweiterten Witzesammlung. Sie hat damit so manche staubtrockene Feier zum Brüllen gebracht!
Witze sind auch immer ein Spiegel der Zeit, besonders im politischen Witz wird das deutlich, man kann damit Größenverhältnisse in Diktaturen sehr subversiv und respektlos unterwandern, hat damit eine Waffe gegen Gewalt und Unterdrückung, beleuchtet Verhältnisse und schafft Erleichterung …, das gilt auch für den psychoanalytischen Witz, frei nach dem Motto “Wenn jemand eine Schraube locker hat, dann liegt‘s an der Mutter“.
Die Wirkung eines guten Witzes liegt aber nicht nur an der Pointe, sondern auch daran, wie dieser erzählt wird und das können sie beide – Karasek und von Hirschhausen. In dem Punkt stehen sie sich in nichts nach! Von Hirschhausen hat aber auch hier einen guten Tipp fürs Publikum und zwar, einfach mal – AUSWENDIGLERNEN. Das soll übrigens auch das Gehirn schulen.
Nach der Pause sind wir zu einem Spiel eingeladen, die Zuhörer dürfen selbst Witze erzählen oder den beiden Stichworte geben und darauf folgt ein Witz aus dem sogenannten “Katalog” – das bringt noch mehr Stimmung in den restlos ausverkauften Tanzbrunnen!
Mein Fazit für diesen Abend, pflegen wir sie doch, diese allerletzte Volkskunst, erzählen wir uns doch mal wieder einen Witz, lachen unsere Mängel und Schwächen weg und tun damit etwas für unsere Psyche, unseren Verstand und unser Zwerchfell!
Nachzulesen im Übrigen auch in Hellmuth Karaseks neuestem Buch “Soll das ein Witz sein?”. Das Bühnenprogramm ist ebenfalls zum Nachhören als CD erschienen und unbedingt empfehlenswert!
Charlotte Roche – Schoßgebete
10.17
Das Theater am Tanzbrunnen ist am Samstagabend, den 15. Oktober 2011 gut gefüllt und die Zuhörer sind voller Erwartung auf das, was nun wohl kommen mag. Zahlreiche Gäste haben das neue Werk „Schoßgebete“ dabei und bereits gelesen, somit steht einem regen Austausch mit dem Sitznachbarn nichts im Wege. Pünktlich gegen 21:00 Uhr begrüßt Charlotte Roche sehr gut gelaunt ihr Publikum und möchte direkt wissen, mit wem sie es bei der heutigen Lesung zu tun hat. Sie startet eine kurze Umfrage und möchte erfahren, wer ihr erstes, heftig diskutiertes Werk „Feuchtgebiete“ gelesen hat, sowie ihr aktuelles Buch. Zur allgemeinen Belustigung führt ihre Erklärung zum Ablauf ihrer Lesung, welche mit einer regen Frage-Antwort-Runde enden soll. Sollte niemand den Mut besitzen, Fragen zum Buch oder der Autorin selber zu stellen, würde sie den Spieß einfach umdrehen und dem Publikum unangenehme Fragen stellen. Schnell hat sie mit ihrer sehr humorvollen, offenen und kumpelhaften Art das Publikum auf ihrer Seite und die Lesung wird zum großen Unterhaltungsprogramm. Ihre Lesung lebt von komischen zweideutigen Kommentaren über ihre eigene Erziehung, Schönheitsoperationen, Selbstbefriedigung und natürlich dem ehelichen Sex.
Die nachstehende Fragerunde durch das Publikum beginnt mit der Frage zu Lesehemmungen bei intimen Szenen. Ihre prompte Antwort lautet, dass ihr auf Frauen bezogene Stellen schwerer fallen als Männerszenen, die würden ihr immer fehlerfrei über die Lippen gehen. Damit hat sie die gesamte Atmosphäre entspannt und die Zuhörer zu weiteren Fragen animiert.
Man möchte erfahren, ob Charlotte Roche sich vor jeder Lesung vorbereitet, „Schoßgebete“ einen persönlichen Entwicklungsprozess widerspiegelt und autobiografische Züge beinhaltet. Natürlich ist auch eine gewisse Neugier des Publikums zu Frau Roches Privatleben vorhanden, wobei sie diese Fragen professionell umgeht und auf das Nötigste beschränkt. Schön sind auch ihre Geschichten zu Recherchearbeiten in heimischen Bordellen, die ihr zahlreiche Lacher auf ihre Seite bringen.
Nach der Lesung hat sich Charlotte Roche sehr viel Zeit für ihre Fans und deren Wünsche zu zahlreichen Autogrammen und Fotos genommen. Im Ganzen darf man sagen, dass die Lesung mit Charlotte Roche ein sehr gelungener Abend war, von dem auch das Publikum einiges mit nach Hause nehmen konnte.
Dietmar Bär und Bastian Pastewka lesen Kafkas „Die Verwandlung“
03.21
von Corinna Müller
Was könnte es für einen schöneren Ort für Kafkas „Verwandlung“ geben als das „Literaturschiff“ der RheinEnergie? Das dachten sich auch unzählige Menschen an diesem frühlingshaften Abend und versammelten sich vor dem Steg. Eine heitere und ausgelassene Stimmung lag in der Luft. Aber wie könnte es auch anders sein, bei der bevorstehenden Veranstaltung? Um kurz vor halb sechs machte sich auch Dietmar Bär langsam auf den Weg zu seiner Verabredung mit Bastian Pastewka, der vermutlich schon sehnlichst nach seinem Kollegen Ausschau hielt.
Nach dem schnellen Einlass und der, wie immer sehr aufregenden Platzwahl, wartete das Publikum gespannt auf das Künstlerduo. Punkt 18 Uhr war es dann so weit: die beiden Herren unscheinbar und klassisch in schwarz-weiß gekleidet auf der Bühne. Ein kurzer Händedruck und schon ließen sie sich in den zwei Sesseln nieder, die aus der Zeit meiner Großmutter stammen könnten. Eine schier undefinierbare Farbe, ein seltsamer Stoff. Dennoch genau richtig für diesen Anlass. Kafka hätte sicher ebendieses Bühnenbild für sich selbst gewählt.
Als die ersten Zeilen gelesen waren, machte sich das Schiff auf den Weg über den Rhein. Wir schipperten gen Sonnenuntergang…
Verleihung des Deutschen Hörbuchpreises 2011
03.17
von Markus Kowal
Als wir das WDR Funkhaus betraten, fühlte man sich gleich wie bei der Oscar Verleihung. Überall Leute von der Presse und Prominente in Abendgarderobe, die mit einem Glas Sekt in der Hand auf den Beginn der Veranstaltung warteten. Nur das kein einfacher Oscar, sondern der deutsche Hörbuchpreis vergeben wurde. Schließlich führten Dieter Moor und Katty Salié mit viel Witz und Charme durch den Abend und wurden dabei von einer Band unterstützt. Sogar ohne Fangnetz, denn die Sendung wurde direkt im Radio übertragen und wird sogar noch in 3sat gezeigt. Es wurden Ausschnitte der Hörbücher vorgespielt oder sogar direkt vor Ort vorgelesen und danach plauderte man noch etwas auf der großen Couch, die sehr einladend aussah. Dabei wurde Dieter Moor fast rot, als Laura Maire, die den Preis als beste Interpretin für „Nichts Was im Leben wichtig ist“ entgegennahm, gar nicht über sich, sondern lieber über das Buch von Moor sprechen wollte. In der Kategorie „Beste Bearbeitung“ wurde Thomas Böhm ausgezeichnet, der von „Das Haus“ gleich drei Variationen herausbrachte, die man sogar auf drei verschieden Sendern vom WDR parallel im Radio hören konnte. Dies war ein noch nie dagewesenes Ereignis! Besonders gefreut hat mich die Auszeichnung des großartigen Schauspielers Peter Matić, der „Auf der Suche nach der verlorenen Zeit“ von Marcel Proust in einem Gesamtzeitraum von acht Jahren vorgelesen hatte. Immerhin ganze 9380 Minuten, in der keine Sekunde langweilig wird! Ich würde gerne auf jeden Preisträger genauer eingehen, aber das würde den Rahmen meines Artikels leider sprengen.
Auf der Aftershow Party traf man dann noch so manchen Prominenten, wie eine elegante Tatort Kommissarin Sabine Postel oder einen gut gelaunten Oliver Rohrbeck von den drei Fragezeichen, unter dessen Mitwirkung das grandiose Kinderhörbuch „Kuckuck, Krake, Kakerlake“ ebenfalls und verdienter Weise einen Preis erhielt. Abschließend kann ich noch versichern, dass der Hörbuchpreis der wohl “schwerwiegendste Preis” in der literarischen Szene ist, denn ich durfte den Preis von Peter Matić einmal halten und bekam die Trophäe durch ihr enormes Gewicht kaum gestemmt. Es war ein großartiger Abend!
7 Fragen an Manfred Mai
03.11

Manfred Mai © Privat
Welche „Bühne“ braucht Literatur, um zu begeistern?
Wichtiger als eine “Bühne” sind die Vermittler. Wenn sie Geschichten begeisternd “rüber bringen”, begeistern sie die Zuhörer.
Welche Rolle spielt für Sie die Inszenierung Ihrer Bücher vor Publikum?
Inszenierung ist für das, was ich mache, nicht das richtige Wort. Ich lese aus meinen Büchern vor und erzähle dazu noch Hintergrundgeschichten, auch persönliche. Das ist es dann schon.
Welche Bedeutung hat die Interaktion mit dem Leser?
Leser in der unmittelbaren Begegnung sozusagen hinter die Bücher schauen zu lassen, halte ich nach wie vor für wichtig.


















