Wie finden Sie den Stoff für Ihre Bücher, was inspiriert Sie?
Um es genau zu sagen: Ich finde nie den Stoff für meine Bücher, sondern der Stoff findet mich. Meistens ist es eine Figur, die sich meldet. Als sich Percy, der Muttersohn, meldete, war sofort der Satz da: Furcht und Ungeduld waren ihm fremd. Das ist schon fast ein Programm, dem man folgen kann.
Recherchieren Sie vor Ort oder fließt vor allem schon vorhandenes Wissen in Ihre Bücher mit ein?
Das Wort “recherchieren” mag ich nicht. Ich suche, was mir noch fehlt. Für Muttersohn brauchte ich eine Brücke über den Rhein. Ich wusste, was mit und auf dieser Brücke passieren sollte. Also suchte ich die zu meiner Handlung passende Brücke. Und habe sie gefunden.
Wie beurteilen Sie das Verhältnis von Literatur zu Geschichte und Politik?
Ich habe gelegentlich gesagt: Der Roman ist die Geschichtsschreibung des Alltags. Inzwischen sage ich: er ist viel mehr. Er kann viel mehr sein. In einem richtigen Roman ist die Geschichte und die Politik genauer enthalten als in jedem anderen Medium.
Welche Verantwortung hat ein Schriftsteller in der heutigen Gesellschaft?
Diese Frage ist mir eher unangenehm. Mir ist das Wort “Verantwortung” eher fremd. Es wird andauernd gebraucht und kommt mir dann oft vor als eine wichtigtuerische Anmaßung.
Welches (literarische) Thema wird in den nächsten Jahren an Bedeutung gewinnen?
Das ist eine Frage für Soziologen und Umfrage-Gläubige. Ich habe immer nur mit meinen Themen zu tun und kann mich nicht darum kümmern, ob das dann die Themen der Allgemmeinheit sind.
Welche Rolle spielt für Sie die Inszenierung Ihrer Bücher vor dem Publikum?
Ich habe so gut wie jedes meiner Bücher auch öffentlich vorgelesen. Ich bereite solche Lesungen sehr genau vor und bin jedesmal unheimlich gespannt auf die Reaktionen des Publikums. Die Zuhörer reagieren ja bei einer Lesung auf jeden Satz. Und das kriege ich mit. Ich kriege also mit, wie das Buch ankommt. Das ist eine ziemlich angenehme Erfahrung.
Können gedruckte Bücher in einer multimedialen Welt zukünftig noch für Furore sorgen?
Das Buch ist durch nichts zu ersetzen. So wenig die Photographie die Malerei ersetzt hat, so wenig wird irgendwas elektronisches das Buch ersetzen. Ich habe Bücher, mit denen ich seit Jahrzehnten umgehe. Diese Bücher spielen eine Rolle in meinem Leben. Dass etwas Elektronisches eine solche Rolle spielen könnte, ist unvorstellbar. Nur im Buch wird der Geist sinnlich.








