3) Autoren antworten

7 Fragen an Martin Walser


2011
10.05

Wie finden Sie den Stoff für Ihre Bücher, was inspiriert Sie?

Um es genau zu sagen: Ich finde nie den Stoff für meine Bücher, sondern der Stoff findet mich. Meistens ist es eine Figur, die sich meldet. Als  sich Percy, der Muttersohn, meldete, war sofort der Satz da: Furcht und Ungeduld waren ihm fremd. Das ist schon fast ein Programm, dem man folgen kann.

Recherchieren Sie vor Ort oder fließt vor allem schon vorhandenes Wissen in Ihre Bücher mit ein?

Das Wort “recherchieren” mag ich nicht. Ich suche, was mir noch fehlt. Für Muttersohn brauchte ich eine Brücke über den Rhein. Ich wusste, was mit und auf dieser Brücke passieren sollte. Also suchte ich die zu meiner Handlung passende Brücke. Und habe sie gefunden.

Wie beurteilen Sie das Verhältnis von Literatur zu Geschichte und Politik?

Ich habe gelegentlich gesagt: Der Roman ist die Geschichtsschreibung des Alltags. Inzwischen sage ich: er ist viel mehr. Er kann viel mehr sein. In einem richtigen Roman ist die Geschichte und die Politik genauer enthalten als in jedem anderen Medium.

Welche Verantwortung hat ein Schriftsteller in der heutigen Gesellschaft?

Diese Frage ist mir eher unangenehm. Mir ist das Wort “Verantwortung” eher fremd. Es wird andauernd gebraucht und kommt mir dann oft vor als eine wichtigtuerische Anmaßung.

Welches (literarische) Thema wird in den nächsten Jahren an Bedeutung gewinnen?

Das ist eine Frage für Soziologen und Umfrage-Gläubige. Ich habe immer nur mit meinen Themen zu tun und kann mich nicht darum kümmern, ob das dann die Themen der Allgemmeinheit sind.

Welche Rolle spielt für Sie die Inszenierung Ihrer Bücher vor dem Publikum?

Ich habe so gut wie jedes meiner Bücher auch öffentlich vorgelesen. Ich bereite solche Lesungen sehr genau vor und bin jedesmal unheimlich gespannt auf die Reaktionen des Publikums. Die Zuhörer reagieren ja bei einer Lesung auf jeden Satz. Und das kriege ich mit. Ich kriege also mit, wie das Buch ankommt. Das ist eine ziemlich angenehme Erfahrung.

Können gedruckte Bücher in einer multimedialen Welt zukünftig noch für Furore sorgen?

Das Buch ist durch nichts zu ersetzen. So wenig die Photographie die Malerei ersetzt hat, so wenig wird irgendwas elektronisches das Buch ersetzen. Ich habe Bücher, mit denen ich seit Jahrzehnten umgehe. Diese Bücher spielen eine Rolle in meinem Leben. Dass etwas Elektronisches eine solche Rolle spielen könnte, ist unvorstellbar. Nur im  Buch wird der Geist sinnlich.

Umberto Eco, Dorris Dörrie, Arnaldur Indridason …


2011
09.06

… und weitere Starautoren werden im Oktober auf der lit.COLOGNE Spezial erwartet. Was sie bewegt, wie sie das Verhältnis zu ihren Lesern einschätzen, welche Rolle Literatur in unserer Gesellschaft spielt– diese und weitere Fragen stellen wir den Autoren der lit.COLOGNE Spezial. Ihre Antworten finden Sie in Kürze hier.

8 Fragen an Wolf Wondratschek


2011
03.18
Wolf Wondratschek

Wolf Wondratschek © Dieter Röseler

Welche „Bühne“ braucht Literatur um zu begeistern?

Die Bühne unserer Phantasie, und dabei hin und wieder die Augen schließen.

Welche Rolle spielt für Sie die Inszenierung Ihrer Bücher vor Publikum?

Die Aufgabe vor Publikum besteht darin, aus einer Masse Einzelne zu machen.

Welche Bedeutung hat die Interaktion mit dem Leser?

Da kann man nur hoffen, daß sie stattfindet. Wir beide, der Dichter und sein Leser, entzünden das Licht.

Haben Sie beim Schreiben den Leser im Hinterkopf?

Nein, keine Störenfriede bei der Arbeit.

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8 Fragen an Zsu Zsa Bánk


2011
03.18
Zsu Zsa Bánk

Zsu Zsa Bánk © Thorsten Greve

Welche „Bühne“ braucht Literatur, um zu begeistern?

Keine große Bühne. In den Reihen Stille und Aufmerksamkeit. Einen Lichtkegel, der aufs Buch fällt. Sonst eigentlich nichts.

Welche Rolle spielt für Sie die Inszenierung Ihrer Bücher vor Publikum?

Keine. Es reicht, wenn ich ordentlich lese. Das ist schon schwer genug.

Welche Bedeutung hat die Interaktion mit dem Leser?

Es ist sonderbar, den Menschen zu begegnen, die meine Bücher lesen. Ein bisschen, als hätten sie Geheimnisse über mich erfahren, als hätten sie in meinem Tagebuch und nicht in meinem Roman gelesen.

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4 Fragen an Tana French


2011
03.18

Tana French

Tana French © Jörg Steinmetz

How important is the interaction with your audience?

The interaction between the book and the audience is all-important. I feel like, as soon as a book is published, it stops being mine – it belongs to the audience – and that’s the moment when it comes alive: the moment when someone reads it. That’s what makes the book real: that interaction. The interaction between me and the audience, on the other hand – I don’t see that as important. The books aren’t about me; they’re about the characters and their story. My job is to be invisible – to tell that story without intruding, to let the interaction between the characters and the audience be as direct and intense as possible. The more I can get out of the way, the better.

Do you have your readers in mind, while writing a book?

I write in the first person, so when I’m writing, I’m seeing the story, the other characters, the whole world of the book – and the readers – through the narrator’s eyes. So I definitely have readers in mind, but in terms of the narrator’s relationship with them, rather than my own – what the narrator needs from them, why the narrator is telling them this story. For example, Rob, in In the Woods, wants absolution: he needs readers to understand, and forgive, why he did the things he did and made the mistakes he made. In The Likeness, Cassie needs readers to know Lexie Madison’s story – she doesn’t want Lexie to vanish into nothing and be forgotten.

I don’t tailor my books to what I think readers want, though. I think that’s impossible. There’s no such thing as ‘readers’ – they’re not a homogeneous mass; every reader has his or her own individual tastes and interests. So there’s no point in me trying to write what they want, because what one reader will love, another one will hate. All I can do is offer the best book I’m capable of writing, and hope it works for at least some people!

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8 Fragen an Arno Geiger


2011
03.18
Arno Geiger

Arno Geiger © Marco Flammang

Welche „Bühne“ braucht Literatur, um zu begeistern?

Literatur ist Bühne. Das Buch ist die Kulisse, in dem die Leser beim Lesen leben.

Welche Rolle spielt für Sie die Inszenierung Ihrer Bücher vor Publikum?

Ich bemühe mich, mit derselben Selbstverständlichkeit zu lesen mit der ich rede. Man kann natürlich auch dieses Bemühen Inszenierung nennen.

Welche Bedeutung hat die Interaktion mit dem Leser?

Ich spüre beim Lesen, auf welcher Ebene das Publikum mitgeht. Im besten Fall baut sich eine Spannung auf, die ein Geben und Nehmen ist. (more…)

3 Fragen an Sabine Dahm


2011
03.18

Sabine Dahm

Sabine Dahm © Privat

Welche Rolle spielt für Sie die Inszenierung Ihrer Bücher vor Publikum?

Ich finde, es ist ein interessanter, bereichender Weg mit meinen Lesern zu kommunizieren. Oft versuche ich, durch einen kleinen, interaktiven Teil die Kinder zusätzlich für die Inhalte zu begeistern. Das geht bei meinen Sachbüchern besonders gut, weil sich Experimente oder ein praktischer Versuch zum Mitmachen oder Nachmachen leicht in die Lesung integrieren lassen.

Welche Bedeutung hat die Interaktion mit dem Leser?

Für mich ist die Interaktion mit meinen Lesern extrem wichtig. Es ein sehr einfacher und direkter Weg der Rückmeldung. Wenn ich bei Lesungen erlebe, dass ich die Kinder fesseln kann, dass sie mitgehen, verstehen, staunen und lachen, dann weiß ich, dass ich die richtigen Themen für meine Sachbücher gewählt und die Erklärungen verständlich, interessant und humorvoll umgesetzt habe.

Frag doch mal die Maus

Haben Sie den Leser beim Schreiben im Hinterkopf?

Kinder sind beim Schreiben in meinen Gedanken und Überlegungen sehr präsent, da ich bei den Erklärungen immer wieder auf Vergleiche und Analogien zurückgreifen muss, die Kinder aus ihrem Alltag kennen und verstehen.

Sabine Dahm bei thalia.de

6 Fragen an Simon Beckett


2011
03.16
Simon Beckett

Simon Beckett © Malte Braun

What role does the staging of your books in front of an audience play for you?

Writers spend most of their time alone at their desk, in a world of their own inventing. It’s a solitary occupation, it isn’t like being a musician or playing in a band, where live performance happens much more frequently. So after spending a year or two working on a novel, being able to read and answer questions in front of an audience is a welcome and refreshing change.

How important is the interaction with your audience?

It’s very important, because it’s an opportunity to gauge reaction to your work first-hand. These are people who have bought and, hopefully, enjoyed your books, so it’s a pleasure being able to meet them.

Do you have your readers in mind, while writing a book?

Obviously, you have to be aware that you’re writing for other people, not just for yourself. And I have the readers’ reaction in mind when I’m writing a scene or developing a character, because I’m usually trying to achieve a certain effect, or elicit a particular response. So you have to ask yourself ‘Would I find that scary or tense if I was reading it? Would I have seen what was coming?’ But I think it would be a mistake to try second-guess what sort of book readers want, and then try to write it. I’m not sure how well that would work.

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8 Fragen an Kerstin Gier


2011
03.16
Kerstin Gier

Kerstin Gier © Privat

Welche „Bühne“ braucht Literatur, um zu begeistern?

Je mehr „Bühne“ Literatur bekommt, desto besser. Aber um zu begeistern braucht Literatur überhaupt keine Bühne. Bett, Sofa und Hängematte sind die besten Orte zum Vorlesen und Lesen, die es gibt.

Welche Rolle spielt für Sie die Inszenierung Ihrer Bücher vor Publikum?

Ich finde es immer wieder faszinierend (und auch ein bisschen gruselig) zu beobachten, welche Dynamik sich im Publikum bei einer Lesung entwickeln kann. Mittlerweile glaube ich ja wirklich, dass man den Menschen aus den verschiedenen Regionen Deutschlands bestimmte Humor-Eigenschaften zuordnen kann. Textstellen und Anekdoten, die ich bei den Lesungen erzähle, kommen an unterschiedlichen Orten sehr unterschiedlich an.

So gesehen kann ich natürlich Textstellen aussuchen und inszenieren, indem ich die Personen mit unterschiedlichen Stimmen lese – aber letztlich muss man auf jedes Publikum reagieren. Ich habe noch nie eine Lesung durchdekliniert und dann genau so gehalten.

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4 Fragen an Alina Bronsky


2011
03.16
Alina Bronsky

Alina Bronsky © Bettina Fürst-Fastré

Haben Sie den Leser beim Schreiben im Hinterkopf?

Ich habe meine Bücher bis jetzt hauptsächlich für mich geschrieben, zu meiner eigenen Unterhaltung. Die Frage nach der potenziellen Zielgruppe stellt sich natürlich auch mir, allerdings meist erst dann, wenn ein Manuskript abgeschlossen ist und es in die Produktion geht. Ich will ja selber als Leserin auch nicht von einem Autor oder Verlag knallhart kalkuliert werden, sondern lieber einfach mit einem guten Buch überrascht.

Was macht für Sie “den idealen Leser” aus?

Jeder Leser ist ideal. Kein Mensch muss ein bestimmtes Buch mögen oder sich diszipliniert durchquälen. Mehr als ein “Reinlesen” in meine Bücher würde ich nie erwarten. Wer allerdings begeistert weiter liest, den liebe ich vom ganzen Herzen.

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