Wie finden Sie den Stoff für Ihre Bücher, was inspiriert sie?
Das ist ganz unterschiedlich – manchmal ist es ein Bild in der Zeitung oder im Internet, ein Gesprächsfetzen, den ich zufällig mithöre oder ein alltäglicher Gedanke, der plötzlich in eine ungewöhnliche Richtung abschweift. Ich glaube, es ist hilfreich, wenn man als Schriftsteller seine Antennen immer auf Empfang geschaltet hat, denn Ideen schwirren ständig in der Luft herum.
Wie sehen Sie die Zukunft der Literatur – welche Themen werden begeistern, welche Genres am liebsten gelesen?
Es wäre wirklich toll, wenn ich das wüsste, aber leider kann ich es ebenso wenig prognostizieren wie das Wetter. Wünschen würde ich mir ungewöhnliche Geschichten, abseits der Genreregeln, neue Ideen – kurz gesagt, Überraschungen.
Welche Rolle spielt Ihr Publikum für Sie, wie bauen Sie eine Beziehung zu Ihren Lesern auf?
Dafür sind Lesungen sehr wichtig, dabei versuche ich auch immer, einen Dialog anzustoßen und Fragen zu beantworten. Sehr viel tut sich außerdem über die neuen Medien – Stichwort Facebook.
Für mich persönlich ist das Gefühl, ENDE unter ein Manuskript zu schreiben, noch ein ganzes Stück besser, als das gedruckte Buch in der Hand zu halten. Der Moment, in dem ich 400 oder 500 geschriebene Seiten zu einem (hoffentlich) runden Abschluss bringe, ist immer ein besonderer.
Die Freude am fertigen Buch ist dann wieder eine andere – ich hatte bisher fast immer Glück, ich mag meine Cover und Titel sehr. Das „Gesamtpaket“ erstmals in Händen zu halten weckt bei mir vor allem Vorfreude darauf, die Geschichte mit den Lesern teilen zu können.
Wie lesen Sie selbst – auf dem eReader oder im gedruckten Buch?
Ich lese fast ausschließlich gedruckte Bücher, habe aber einen eReader für Reisen und ganz allgemein für unterwegs, da finde ich ihn sehr praktisch. Gebundenes Papier lässt sich meiner Meinung nach aber nicht ersetzen (letztens habe ich mit einer Klasse Fünfzehnjähriger darüber gesprochen, und auch die wollten sich keinesfalls vom Konzept des „echten“ Buchs trennen.)
Indem sie sich gegenseitig ernst nehmen, denke ich. Konsum heißt im Bezug auf Bücher ja nur, dass etwas sich gut verkauft. Das muss deshalb noch lange nicht kulturlos sein, aber es zeigt sich trotzdem oft, dass ein „anspruchsvolles“ Buch es schwerer hat, ein breites Lesepublikum zu finden. Andererseits: „Der Name der Rose“ mit absatzweise lateinischen Zitaten war ein Bestseller. Das Thema ist sehr komplex und man könnte ganze Bände darüber schreiben; mir liegt in diesem Zusammenhang aber vor allem eine gegenseitige Wertschätzung am Herzen. Dass also nicht eine Seite der anderen billige Effekthascherei vorwirft (obwohl es die natürlich gibt) und im Gegenzug die andere der einen arrogantes Elfenbeinturmdenken (obwohl es das natürlich auch gibt).
Welcher Autor hat Sie in den vergangenen Monaten begeistert und warum?
Ich hatte Gelegenheit, ein Vorabexemplar von Téa Obrehts Roman „Die Tigerfrau“ zu lesen und fand es phantastisch. Eine großartige Sprache, einprägsame, lebendige Figuren, ich habe es wirklich genossen.
Wie sehr beeinflussen eigene Erlebnisse ihr Schreiben?
Nur insoweit, als sie mich als Person prägen. Ich kann mich im Moment nicht erinnern, jemals ein eigenes Erlebnis eins zu eins für ein Buch verwendet zu haben. Es sind eher Stimmungen und Beobachtungen, die einfließen.
Gibt es eine Romanfigur, um die Sie einen anderen Autor beneiden?
Ich würde es nicht „beneiden“ nennen, aber es gibt Romanfiguren, für die ich den Autor heftig bewundere: Sherlock Holmes von Arthur Conan Doyle, zum Beispiel. Oder Peter Hoegs Smilla.




