3) Autoren antworten

9 Fragen an Ursula Poznanski


2012
03.06

Ursula Poznanski ©Doris Bretterbauer

Wie finden Sie den Stoff für Ihre Bücher, was inspiriert sie?

Das ist ganz unterschiedlich – manchmal ist es ein Bild in der Zeitung oder im Internet, ein Gesprächsfetzen, den ich zufällig mithöre oder ein alltäglicher Gedanke, der plötzlich in eine ungewöhnliche Richtung abschweift. Ich glaube, es ist hilfreich, wenn man als Schriftsteller seine Antennen immer auf Empfang geschaltet hat, denn Ideen schwirren ständig in der Luft herum.

Wie sehen Sie die Zukunft der Literatur – welche Themen werden begeistern, welche Genres am liebsten gelesen?

Es wäre wirklich toll, wenn ich das wüsste, aber leider kann ich es ebenso wenig prognostizieren wie das Wetter. Wünschen würde ich mir ungewöhnliche Geschichten, abseits der Genreregeln, neue Ideen – kurz gesagt, Überraschungen.

Welche Rolle spielt Ihr Publikum für Sie, wie bauen Sie eine Beziehung zu Ihren Lesern auf?

Dafür sind Lesungen sehr wichtig, dabei versuche ich auch immer, einen Dialog anzustoßen und Fragen zu beantworten. Sehr viel tut sich außerdem über die neuen Medien – Stichwort Facebook.

Ursula Poznanski: Erebos

Für mich persönlich ist das Gefühl, ENDE unter ein Manuskript zu schreiben, noch ein ganzes Stück besser, als das gedruckte Buch in der Hand zu halten. Der Moment, in dem ich 400 oder 500 geschriebene Seiten zu einem (hoffentlich) runden Abschluss bringe, ist immer ein besonderer.
Die Freude am fertigen Buch ist dann wieder eine andere – ich hatte bisher fast immer Glück, ich mag meine Cover und Titel sehr. Das „Gesamtpaket“ erstmals in Händen zu halten weckt bei mir vor allem Vorfreude darauf, die Geschichte mit den Lesern teilen zu können.

Wie lesen Sie selbst – auf dem eReader oder im gedruckten Buch?

Ich lese fast ausschließlich gedruckte Bücher, habe aber einen eReader für Reisen und ganz allgemein für unterwegs, da finde ich ihn sehr praktisch. Gebundenes Papier lässt sich meiner Meinung nach aber nicht ersetzen (letztens habe ich mit einer Klasse Fünfzehnjähriger darüber gesprochen, und auch die wollten sich keinesfalls vom Konzept des „echten“ Buchs trennen.)

Ursula Poznanski: Saeculum

Indem sie sich gegenseitig ernst nehmen, denke ich. Konsum heißt im Bezug auf Bücher ja nur, dass etwas sich gut verkauft. Das muss deshalb noch lange nicht kulturlos sein, aber es zeigt sich trotzdem oft, dass ein „anspruchsvolles“ Buch es schwerer hat, ein breites Lesepublikum zu finden. Andererseits: „Der Name der Rose“ mit absatzweise lateinischen Zitaten war ein Bestseller. Das Thema ist sehr komplex und man könnte ganze Bände darüber schreiben; mir liegt in diesem Zusammenhang aber vor allem eine gegenseitige Wertschätzung am Herzen. Dass also nicht eine Seite der anderen billige Effekthascherei vorwirft (obwohl es die natürlich gibt) und im Gegenzug die andere der einen arrogantes Elfenbeinturmdenken (obwohl es das natürlich auch gibt).

Welcher Autor hat Sie in den vergangenen Monaten begeistert und warum?

Ich hatte Gelegenheit, ein Vorabexemplar von Téa Obrehts Roman „Die Tigerfrau“ zu lesen und fand es phantastisch. Eine großartige Sprache, einprägsame, lebendige Figuren, ich habe es wirklich genossen.

Wie sehr beeinflussen eigene Erlebnisse ihr Schreiben?

Nur insoweit, als sie mich als Person prägen. Ich kann mich im Moment nicht erinnern, jemals ein eigenes Erlebnis eins zu eins für ein Buch verwendet zu haben. Es sind eher Stimmungen und Beobachtungen, die einfließen.

Gibt es eine Romanfigur, um die Sie einen anderen Autor beneiden?

Ich würde es nicht „beneiden“ nennen, aber es gibt Romanfiguren, für die ich den Autor heftig bewundere: Sherlock Holmes von Arthur Conan Doyle, zum Beispiel. Oder Peter Hoegs Smilla.

Ursula Poznanski bei thalia.de

16 Fragen an Thomas Meinecke


2012
03.06

Thomas Meinecke ©W. Lückel, Suhrkamp Verlag

Wie finden Sie den Stoff für Ihre Bücher, was inspiriert sie?

Ich finde meinen Stoff sehr stark in Büchern, ich schreibe meine Bücher gleichsam als Leser.

Wie sehen Sie die Zukunft der Literatur – welche Themen werden begeistern, welche Genres am liebsten gelesen?

Ich bin etwas besorgt wegen all der eskapistischen Genres.

Welche Rolle spielt Ihr Publikum für Sie, wie bauen Sie eine Beziehung zu Ihren Lesern auf?

Ich reise viel herum und lese aus meinen Büchern. Hinterher wird in der Regel viel diskutiert. Oft erhalte ich auch Buchtipps aus meiner Leserschaft. Es besteht eine enge Wechselbeziehung zwischen ihr und mir.

Was macht eine besondere Geschichte für Sie aus?

Ihre Musikalität.

Was ist das für ein Gefühl, wenn Sie Monate an einem Text gearbeitet haben und schließlich das fertige Buch in der Hand halten?

Da ich ein exzellentes Verhältnis zur Herstellungsabteilung im Verlag habe, ist das stets ein großer, mit den Verantwortlichen geteilter Moment.

Wie lesen Sie selbst – auf dem eReader oder im gedruckten Buch?

Meine Bücher erscheinen sowohl in Deutschland als auch den USA gedruckt und elektronisch zugleich. Ich selbst besitze aber kein elektronisches Lesegerät.

Thomas Meinecke: Lookalikes

Keine. Umgekehrt nehmen uns die Regierenden und auch die Massenmedien gern in die Verantwortung – im Sinne einer nationalen Mobilmachung. Man steht dann leicht wie Günther Grass da. Schwierig.

Kultur und Konsum scheinen sich oft in getrennten Sphären zu bewegen. Wie können beide zueinander finden?

Das empfinde ich so, wenn ich an den Nippesregalen der Buchhandelsketten entlanggehe. Da sollten auch Bücher rein. Anspruchsvolle Publikumsbücher, z. B. aus der ‘edition suhrkamp’.

Welcher Autor hat Sie in den vergangenen Monaten begeistert und warum?

Immer wieder Peter Kurzeck und seine faszinierenden Mitschriften des längst vergangenen Gegenwärtigen.

In welche literarische Figur würden Sie sich gern einmal für einen Tag verwandeln?

Den Schriftsteller Thomas Meinecke in Salvador da Bahia aus meinem Roman ‘Lookalikes’.

Wie sehr beeinflussen eigene Erlebnisse ihr Schreiben?

Undercover dann doch mehr als man denkt.

Was macht ihrer Meinung nach ein perfektes Buch aus?

Dass es etwas von mir will, dem ich gerade eben genügen kann.

Wie muss für Sie der perfekte Anfang eines Romans aussehen?

Möglichst nicht wie ‘der perfekte Anfang eines Romans’.

Haben Sie schon mal eine Buchidee realisiert, aber die fertige Geschichte nicht veröffentlicht? Wenn ja wieso?

Nö.

Worüber möchten Sie unbedingt noch einmal ein Buch schreiben?

Das ist mir augenblicklich noch nicht klar. Mein aktueller Roman ist noch jung, und im Herbst kommt erst einmal das Buch zu meiner gerade absolvierten Frankfurter Poetik-Dozentur raus.

Gibt es eine Romanfigur, um die Sie einen anderen Autor beneiden?

Es liegt, glaube ich, in der eigentümlichen Art meines Schreibens, dass mir derlei nicht widerfährt.

Thomas Meinecke bei thalia.de

Autoren antworten


2012
03.05

Wie kommt ein Autor eigentlich auf seine Ideen? Was denkt er über seine Leser? Hier finden Sie exklusive Interviews mit Autoren der lit.COLOGNE, in denen sie sich ganz persönlich zum Thema Lesen und der Inszenierung von Literatur äußern.