- Doris Dörrie
- Umberto Eco
- Hannelore Elsner
- Hannelore Elsner signiert
- Lesung mit Charlotte Roche
- Signierstunde mit Charlotte Roche
- Martin Walser (links)
Copyright: Claudia Ast/Ralf Jürgens
Copyright: Claudia Ast/Ralf Jürgens
von Melanie Steinbach
Zum Abschluss präsentierte die lit.COLOGNE Spezial ein absolutes Highlight, denn der Philosoph, Essayist und Romanautor Umberto Eco stellte in der Kölner Oper seinen neuen, lang erwarteten Roman “Der Friedhof in Prag“ vor.
Begleitet wurde Eco von Denis Scheck, der unterhaltsam durch den Abend führte, Dolmetscherin Paola Barbon, die gekonnt charmant übersetzte und dem Schauspieler Michael Wittenborn, der dem Ganzen in Ecos Roman die deutsche Stimme gab.
Eco kreiert in seinem Roman einen unsympathischen Helden, eine gar hassenswerte Figur: Simonini. Als Fälscher und Intrigant begleitet der Leser ihn im ausgehenden 19. Jahrhundert auf seinen Weg durch Unruhen und Verschwörungen. Simonini erlebt aus nächster Nähe die Dreyfus-Affäre bis schlussendlich die “Protokolle der Weisen von Zion” auftauchen, jenes gefälschte Dokument für eine jüdische Weltverschwörung.
Ihm habe es Spaß gemacht, diese Figur zu erschaffen, entgegnet Eco auf Schecks Frage, ob man solch einem Helden die Stimme leihen darf. Oftmals, so Eco weiter, sei man in der Realität doch von noch Schlimmeren umgeben und schließlich sei er nicht verantwortlich für die Dummheit der Leute, diese entstehe aus deren Vorurteilen. Im Roman werden eingangs Deutsche, Italiener, Franzosen, Jesuiten und Freimaurer von Simonini mit Vorurteilen jeglicher Art belastet und auch später würdigt er die im Kölner Dom aufbewahrten Reliquien der Heiligen Drei Könige keinesfalls: “… soweit ich weiß, werden sogar ihre [die der Heiligen Drei Könige] sterblichen Reste irgendwo verehrt.” Augenzwinkernd bemerkt Eco, sie seien den Mailändern von den Kölnern gestohlen worden.
Insgesamt ein mehr als gelungener Abend, bei dem Eco mit viel bissigem Humor und als ausgezeichneter Fabulant die Zuhörer für sich gewinnen kann. Mit einer nicht enden wollenden Schlange an Signierwünschen schließt dann ein teuflisch guter Abend.
Heute, Sonntagabend, treffen sich nicht nur die kleinste literarische Form und die medizinisch-therapeutische Seite der Unterhaltung, sondern auch 900 gut gelaunte und erwartungsfrohe Gäste dieser Veranstaltung, mit dem schönen Titel “Soll das ein Witz sein?” im Tanzbrunnen des Rheinparks!
Das geht direkt rasant los, da werfen sich aber auch zwei, die sich kennen und mögen die Bälle und die Stichworte in rasantem Tempo zu und ein Knallerwitz folgt auf den anderen! Warum vergesse ich die bloß immer so schnell? Von Hirschhausen hat die passende Erklärung, das Gehirn speichert am liebsten visuelle Botschaften und ein Witz löst Bilder im Kopf aus, die nicht eindeutig und klar sind, widerstrebende Botschaften also, die kann das Gehirn nicht so einfach abspeichern, deshalb vergessen wir das Ganze lieber … schöne Erklärung und die kann ich gut behalten! Was von Hirschhausen und Karasek verbindet, ist die Lust Witze zu sammeln und sie zu kategorisieren! Das haben sie allerdings auch mit meiner Tante Elfriede gemeinsam, die hatte nämlich auch immer ein kleines Heftchen in der Handtasche – falls es mal ein bisschen langweilig wird – so war ihr Argument – mit einer sich ständig erweiterten Witzesammlung. Sie hat damit so manche staubtrockene Feier zum Brüllen gebracht!
Witze sind auch immer ein Spiegel der Zeit, besonders im politischen Witz wird das deutlich, man kann damit Größenverhältnisse in Diktaturen sehr subversiv und respektlos unterwandern, hat damit eine Waffe gegen Gewalt und Unterdrückung, beleuchtet Verhältnisse und schafft Erleichterung …, das gilt auch für den psychoanalytischen Witz, frei nach dem Motto “Wenn jemand eine Schraube locker hat, dann liegt‘s an der Mutter“.
Die Wirkung eines guten Witzes liegt aber nicht nur an der Pointe, sondern auch daran, wie dieser erzählt wird und das können sie beide – Karasek und von Hirschhausen. In dem Punkt stehen sie sich in nichts nach! Von Hirschhausen hat aber auch hier einen guten Tipp fürs Publikum und zwar, einfach mal – AUSWENDIGLERNEN. Das soll übrigens auch das Gehirn schulen.
Nach der Pause sind wir zu einem Spiel eingeladen, die Zuhörer dürfen selbst Witze erzählen oder den beiden Stichworte geben und darauf folgt ein Witz aus dem sogenannten “Katalog” – das bringt noch mehr Stimmung in den restlos ausverkauften Tanzbrunnen!
Mein Fazit für diesen Abend, pflegen wir sie doch, diese allerletzte Volkskunst, erzählen wir uns doch mal wieder einen Witz, lachen unsere Mängel und Schwächen weg und tun damit etwas für unsere Psyche, unseren Verstand und unser Zwerchfell!
Nachzulesen im Übrigen auch in Hellmuth Karaseks neuestem Buch “Soll das ein Witz sein?”. Das Bühnenprogramm ist ebenfalls zum Nachhören als CD erschienen und unbedingt empfehlenswert!
Insgesamt war der Abend sehr gelungen und unterhaltsam, wobei man sich von Bettina Böttinger gewünscht hätte, sich nicht entlang des Interviews des Kölner Stadt-Anzeigers zu hangeln, sondern eigene kreative Fragestellungen zu entwickeln. Seine humorvolle und geistreiche Art lassen den Zuhörer darüber hinwegsehen. Sehr nennenswert ist auch seine Ausdauer bei der Signierstunde, die er im Foyer selbstverständlich und mit Freude vollzog.
Das Theater am Tanzbrunnen ist am Samstagabend, den 15. Oktober 2011 gut gefüllt und die Zuhörer sind voller Erwartung auf das, was nun wohl kommen mag. Zahlreiche Gäste haben das neue Werk „Schoßgebete“ dabei und bereits gelesen, somit steht einem regen Austausch mit dem Sitznachbarn nichts im Wege. Pünktlich gegen 21:00 Uhr begrüßt Charlotte Roche sehr gut gelaunt ihr Publikum und möchte direkt wissen, mit wem sie es bei der heutigen Lesung zu tun hat. Sie startet eine kurze Umfrage und möchte erfahren, wer ihr erstes, heftig diskutiertes Werk „Feuchtgebiete“ gelesen hat, sowie ihr aktuelles Buch. Zur allgemeinen Belustigung führt ihre Erklärung zum Ablauf ihrer Lesung, welche mit einer regen Frage-Antwort-Runde enden soll. Sollte niemand den Mut besitzen, Fragen zum Buch oder der Autorin selber zu stellen, würde sie den Spieß einfach umdrehen und dem Publikum unangenehme Fragen stellen. Schnell hat sie mit ihrer sehr humorvollen, offenen und kumpelhaften Art das Publikum auf ihrer Seite und die Lesung wird zum großen Unterhaltungsprogramm. Ihre Lesung lebt von komischen zweideutigen Kommentaren über ihre eigene Erziehung, Schönheitsoperationen, Selbstbefriedigung und natürlich dem ehelichen Sex.
Man möchte erfahren, ob Charlotte Roche sich vor jeder Lesung vorbereitet, „Schoßgebete“ einen persönlichen Entwicklungsprozess widerspiegelt und autobiografische Züge beinhaltet. Natürlich ist auch eine gewisse Neugier des Publikums zu Frau Roches Privatleben vorhanden, wobei sie diese Fragen professionell umgeht und auf das Nötigste beschränkt. Schön sind auch ihre Geschichten zu Recherchearbeiten in heimischen Bordellen, die ihr zahlreiche Lacher auf ihre Seite bringen.
Nach der Lesung hat sich Charlotte Roche sehr viel Zeit für ihre Fans und deren Wünsche zu zahlreichen Autogrammen und Fotos genommen. Im Ganzen darf man sagen, dass die Lesung mit Charlotte Roche ein sehr gelungener Abend war, von dem auch das Publikum einiges mit nach Hause nehmen konnte.
Galaknistern liegt an diesem frühen Samstagabend in der Luft über dem Tanzbrunnen im Rheinpark – ein Star wird erwartet! Hannelore Elsner, eine der ganz großen Charakterdarstellerinnen Deutschlands stellt ihre Autobiographie vor! Ralph Erdenberger vom WDR begrüßt das Publikum und moderiert den Abend, nicht ohne gleich zu Beginn Hannelore Elsners Leistungen als ganz große faszinierende Schauspielerin in fünf Jahrzehnten vor der Kamera zu würdigen! Da betritt sie auch schon die Bühne, klein und zierlich ist ihre Erscheinung, dabei wirkt sie im Film doch immer so imposant! Ihre betörende Stimme voller Magie, die macht sie allerdings sofort unverwechselbar – und das ist bei allen folgenden Textpassagen noch viel deutlicher zu spüren – das Publikum ist wie gebannt!
Hannelore Elsners Thema ist das Erinnern und das Vergessen! Die Frage, was ist erinnern? Ein Bild, was man in sich trägt oder Zeiträume, die sich weiten und öffnen – berührt mich und macht mich nachdenklich! Bittere Erfahrungen ins Positive verwandeln und doch Wahrheiten, die sich verändern als wahr bleibend erleben, dieser Gedanke gefällt mir sehr gut!
Von wichtigen Stationen ihres Lebens erfahren wir, von der einschneidenden Prägung durch den frühen Tod des Bruders und des Vaters, vom Aufwachsen im bayerisch-katholischen Umfeld und – ganz wichtig – von der innigen und herzlichen Verbindung zur Großmutter, die Wärme und Heimat bedeuten – bis hin zu dem Lebensgefühl in ihren Filmen zu “wohnen“!
Eine wirklich spannende Frau, die man ihn ihrem Buch noch besser kennenlernen kann. Diesen Eindruck teilt das Publikum offensichtlich mit mir, denn die Signierschlange am Ende der Veranstaltung ist unendlich lang! Für jeden Gast hat Frau Elsner ein persönliches Wort und Fotowünschen kommt sie gerne nach!
Beim dritten Niesen ist die Pest im Anflug…
Diesen mehr als trockenen Kommentar musste der mit schwerer Erkältung und begleitendem Niesen geplagte Helmut Schmidt-Schaller von Arnaldur Indridason und seiner Übersetzerin Coletta Büling entgegennehmen.
Aber der trug es mit Humor und Fassung, meisterte alle Vorlesepassagen mit den schwierig auszusprechenden Orts – und Straßennamen einfach nur großartig und gab dem begeisterten Krimilesepublikum, das da im WDR Bismarcksaal zur herbstlichen lit.COLOGNE-Veranstaltung zusammengekommen war, einen Einblick in die „Abgründe“, Indridasons allerneuestem Buch.
Island, ein Land voller Mythen und Sagen, mit einem ascheregnenden Vulkan, einem totalen Finanzcrash vor drei Jahren und mit nur 300.000 Einwohnern und einer verschwindend geringen Verbrechensrate gesegnet – all dies macht das diesjährige Gastland auf der Frankfurter Buchmesse aus. Arnaldur Indridason und seine Übersetzerin sind ebenfalls dort zu Gast, aber erst einmal sind sie hier bei uns in Köln. Überhaupt sind beide sehr sympathisch und die isländische Sprache hört sich für deutsche Ohren ungewohnt, aber ganz „originell“ an, zum Glück bekommen wir alles übersetzt.
Auch die Frage nach dem im Nebel verschwundenen Kommissar Erlendur wird ahnungsvoll beantwortet – aber mehr wollen wir hier noch nicht verraten! Indridason brauchte neben Kommissar Erlendur eine neue, charakterlich völlig andere Figur – eben eine wie den Kommissar Sigurdur Oli, der in seiner neuen Reihe gemeinsam mit seinen Kollegen kriminalistische Fälle in isländischen Kleinstädten löst.
In erster Linie– und auf diese Aussage legt der Autor großen Wert, denn er wiederholt sie sogar zwei Mal –schreibt er für die Isländer, denn die sind in seinen Augen das anspruchsvollste Lesepublikum: Eine Geschichte muss so realitätsnah wie nur möglich sein – andernfalls wird sie nicht akzeptiert! Ach ja, deshalb auch die ungewöhnliche Mordwaffen, die mysteriösen Todesumstände, die schauerlichen Tatorte und die schrecklichen sozialen Missstände in seinen Büchern – ich hatte mir Island immer etwas romantischer vorgestellt. Das liegt mitunter vermutlich auch daran, dass sich unser Autor – wie er betont – nicht wie der Rest Europas vor allem für die isländische Naturschönheit interessiert, sondern für die Empfindungen von Menschen in Extremsituationen wie der Weltwirtschaftskrise, die nach außen hin abgeklärt und objektiv vermittelt werden. Am Ende signiert Indridason noch Bücher für seine Krimi-Fans und dann geht es für ihn wirklich nach Frankfurt zur Buchmesse – und für uns alle geht ein spannender Abend zu Ende.
Na nu, lit.COLOGNE im Oktober? Sie haben es nicht ausgehalten, die Macher des schon fast legendären Literaturfestivals in Köln. Und so holten Sie sich das Beste von der heute eröffneten Frankfurter Buchmesse nach Köln und legten ein Special auf, das dem Publikum die Wartezeit bis zum nächsten März versüßen soll.
Best of Buchmesse, dazu gehört auch der heutige Gast, Schriftstellerin und Regisseurin Doris Dörrie. Sie soll uns ein wenig südliche Sonne in das verregnete Köln zaubern. Sie und ihr neuer Roman „Alles inklusive“ locken einige hundert lit.COLOGNE-Pilger in den Brunosaal in Klettenberg. Dass das hauptsächlich weibliche Zuhörer sind, quittiert Doris Dörrie mit der Feststellung, dass sie jeden lesenden Mann am liebsten persönlich begrüßen möchte, so selten seien sie geworden.
Moderiert wird der Abend in gewohnt professioneller Manier von Randi Crott, die Doris Dörrie federleicht und doch beharrlich die Bälle zuwirft. Und so entspinnt sich auf der Bühne ein fesselnder Dialog über die Arbeit der Doris Dörrie: die Bücher, die Filme, die Opern – was war zuerst, wie entstehen sie, was ist ihr wichtig? Es wird viel gelacht, auf der Bühne und im Auditorium, denn Doris Dörrie ist klug und humorvoll und weiß, hinreißend zu erzählen: warum Sie in diesem Buch ausgerechnet Torremolinos als Schauplatz gewählt hat, warum sie keine Hollywood-Regisseurin geworden ist, was sie so an Japan fasziniert …
Zwischendurch liest sie drei Kapitel aus „Alles inklusive“. Es wird laut und leise gelacht über die Heldinnen Apple und ihre Ex-Hippie-Mutter Ingrid und den Mops Dr. Sigmund Freud und deren Suche nach dem Glück. Aber wie Doris Dörrie sagt: an der spanischen Küste ist es nur solange schön, wie man ausschließlich aufs Meer schaut und sich niemals umschaut. Und das hat Doris Dörrie gründlich getan und tut sie immer: sie zeigt die vielen Facetten des modernen Lebens – unsere Sehnsüchte, unsere Fluchten, unsere Träume vom ständigen Glücklichsein.
Und dann endet der Abend mit einer klugen Betrachtung, was Unterhaltung eigentlich bezweckt: Doris Dörries oberstes Gebot ist es, ihr Publikum nicht zu langweilen. Der Romanleser, der Kinogänger soll herausgehen mit einem Energieschub, sich besser fühlen als vorher, seine Welt ein wenig erweitert und erheitert haben. Und das ist ihr an diesem Abend sehr gut gelungen!
Auch bei der Spezialausgabe der lit.COLOGNE werden unsere Buchhändlerreporter ab dem 12. Oktober für Sie unterwegs sein und an dieser Stelle von ihren Erlebnissen berichten.