b) Buchhändlerreporter

Bis auf die Knochen


2013
03.17

von Kristina MinkChristina Mink

Meine leider letzte Veranstaltung in diesem Jahr, war die Lesung im Funkhaus des WDR am Wallraffplatz mit Jörg Thadeusz, Bjarne Mädel und Senta Berger. Diese präsentierten das Thema “Bis auf die Knochen“: Auf der Suche nach der schönsten Blamage der Weltgeschichte. Und diese Suche, gestaltete sich als eine besonders Humorvolle!

Die Blamagen führten uns zu den unterschiedlichsten Autoren und deren Lektüren, die sich im Nachhinein betrachtet teils eher tragisch als humorvoll entwickelten.

Zuerst las Bjarne Mädel einen Ausschnitt aus David Foster Wallace „Unendlicher Spaß“. In diesem Werk wollte ein 75 kg schwerer Baumeister einen Lastenzug mit 1 Tonne geladenen Bausteinen bewegen. Dies endete in einem Desaster…

Im Wechsel mit Senta Berger wurde außerdem aus den Werken von Arthur Schnitzler, Anton Tschechow, Alfred Polgar, Friedrich Wedekind, Der abenteuerliche Simplicissimus, Borumir Kawall, David Sedaris und Dorothy Parker gelesen.

Jörg Thadeusz leitete den Abend mit Nietzsches Definition über die Blamage ein und humorvollen Einleitungen zu den gelesenen Texten Senta  Bergers und Bjarne Mädels.

Ebenfalls wurde über Künstler wie zum Beispiel Joseph Pujol , bekannter unter dem Namen Le Petomaneder, gesprochen, der als Kunstpupser auf der Elefantenbühne des Moulin Rouge in den 1990er Jahren auftrat sowie über Florence Foster Jenkins, eine reiche amerikanische Erbin, die durch Ihre Auftritte bekannt wurde – jedoch nicht, weil sie so gut sang, sondern weil sie sich bei jedem ihrer Auftritte bis auf die Knochen blamierte. Sogar ihr Auftritt in der Carnegie Hall war restlos ausverkauft, da sich die ganzen Schaulustigen sich dieses skurrile Spektakel nicht entgehen lassen wollten. So ließ sie sich in Ihren Grabstein die Inschrift gravieren: „People may say i can’t sing, but no one can ever say I didn’t sing.“

Im ausverkauften Saal amüsierte sich das Publikum sehr und egal mit welchen Vorstellungen ich in diese Veranstaltung ging, sie wurden übertroffen!

 

Juli Zeh, oder: Das Beste kommt zum Schluss


2013
03.16

von Sara Otto

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Buchhändlerreporterin Sara Otto

Es ist Freitagabend und meine letzte Veranstaltung der lit.COLOGNE 2013. Mit gemischten Gefühlen sehe ich dem Abend entgegen. Zum einen freue ich mich riesig, dass ich auch dieses Jahr wieder bei einer Veranstaltung auf dem Literaturschiff dabei sein darf, ein kleines Highlight meines Literaturjahres. Zum anderen aber habe ich großen Respekt vor der Aufgabe, das erste Mal als Reporterin das Literaturschiff zu betreten, um von der Veranstaltung mit Juli Zeh zu berichten.

Der Abend beginnt ereignisreich, bzw. autorenlos. Frau Zeh wird ein Opfer des ungehörig langen Winters und verspätet sich. Zum Glück haben die Moderatorin und Schriftstellerin Randi Crott und einer der Veranstalter die Situation im Griff. Mit Hilfe eines improvisierten Interviews über die Pannen und Erfolge der 13. lit.COLOGNE unterhalten sie uns wartende Zuschauer und wirken somit jedem möglichen Unmut entgegen. Dann betritt die Autorin selbst die Bühne, mit verschämtem Gesicht, eine Tüte kaltes Sushi unterm Arm, dass ihr die Veranstalter kurz zuvor noch in die Hand gedrückt hatten. Und endlich kann es losgehen.

JUli Zeh liest

Schon früh merke ich: Juli Zeh ist eine Virtuosin der Sprache, eine wahre Künstlerin, wenn es darum geht, Situationen oder Personen zu beschreiben. Einzelne Sätze beinhalten einen solch großen Interpretationsspielraum, dass einem schwindelig werden kann. Hört man sie über die Protagonisten ihrer Romane sprechen, glaubt man, sie seien real. Hört man sie aus ihren Romanen lesen, glaubt man, man sei mitten in ihrer Geschichte. Als könne man das Meer rauschen hören, das Salz schmecken, den Sand unter den Füßen spüren. Als sei man selbst auf der Insel mit Sven, Jola und Theo und wäre ein Teil ihres perfiden Psychospiels, von dem uns Juli Zeh in ihrem neuen Roman, bzw. NullzeitPsychothriller, „Nullzeit“ berichtet. Es ist ein Roman über das Aussteigen, das Fliehen vor Überforderung und Beurteilung. Denn alle drei Charaktere tun genau dies. Sie versuchen sich ihren Problemen auf unterschiedliche Weise zuentziehen. Durch Flucht, Abwehr oder Aggressivität. Juli Zeh glaubt, dass dieses Vorgehen ein Phänomen ihrer Generation ist. Eine Reaktion auf die Negativstimmung innerhalb unserer Gesellschaft. Und auch sonst sagt sie viele, beeindruckend kluge Dinge während des interessanten Gesprächs mit Randi Crott. Beide ergänzen sich fantastisch. Randi Crott scheint immer die richtigen Fragen zu finden, hakt an den richtigen Stellen nach. Und sie freut sich mit uns Zuschauern darüber, wie viel Spaß es Juli Zeh zu machen scheint, aus ihrem eigenen Werk vorzutragen und uns in ihren Bann zu ziehen.

Juli Zeh hat mich an diesem Abend tief beeindruckt. Ehrfürchtig saß ich zwischen den 700 Besuchern dieser lit.COLOGNE-Veranstaltung und verpasste sogar das schöne Köln-Panorama, weshalb ich mich doch eigentlich so auf das Literaturschiff gefreut hatte. Da saß diese junge Juristin und Autorin und sprach mit beeindruckender Intelligenz und Offenheit über politische und gesellschaftliche Probleme und fand dabei glasklare Worte. Juli Zehs Präsenz war geradezu greifbar. Dabei verlor sie jedoch zu keinem Zeitpunkt ihr sympathisches Auftreten, zeigte sich nie über bestimmte Probleme erhaben, von denen sie sprach, sondern übte auch Selbstkritik und Selbstreflexion. Es war eine unglaubliche Freude, ihr  zuzuhören.

Juli Zeh signiert 2

Juli Zeh signiert

Ich muss zugeben, dass ich seit diesem Freitagabend bekennender Juli-Zeh-Fan bin. Und ich hoffe, ich kann meine Begeisterung an jeden vermitteln, der diese Veranstaltung verpasst hat. Mein abschließendes lit.COLOGNE-Fazit: Juli Zeh war definitiv mein Literatur-Highlight 2013, was mich besonders freut, da ich damit zu Beginn nicht gerechnet hätte. Deshalb liebe ich diese wunderschöne Literaturveranstaltung in Köln.

Ein Abend im Zeichen der Nachwuchsliteratur


2013
03.16

von Anja WernerAnja Werner_neu

Der heutige Abend steht im Zeichen der Nachwuchsliteratur.
Zwei junge Autoren, die beide für ihre Werke mit Förderpreisen ausgezeichnet worden sind, stellen ihre aktuellen Werke vor. Sabrina Janesch, Jahrgang 1985 liest aus „Ambra“. Ein vielschichtiger, sprachlich kraftvoller Roman über die Stadt Danzig und eine deutsch-polnische Familie, der über drei Generationen hinweg eine Bernsteinkette zum Verhängnis wird. Sabrina Janesch und Marcel Maas, Jahrgang janesch (3)1987 kennen sich aus dem gemeinsamen Studiengang Kreatives Schreiben in Hildesheim. Viele ihrer Mitstudenten sind heute, wie sie selber, erfolgreich im Literaturbetrieb tätig.
Im Gegensatz zu Sabrina Janesch möchte Marcel Maas nicht hauptberuflich Schreiben. Er sieht die Kunst als seinen persönlichen Freiraum an. Sein Buch „Play.Repeat“ ist eine herausfordernde Mixtur aus Sprache, Rhythmus und Form. Normalerweise wird sein Text von einem DJ unterstützt. Leider ist diese Umsetzung in der ehrwürdigen St. Georg Kirche, dem Veranstaltungsort nicht möglich. Die Improvisation von Marcel Maas ist aber gelungen und macht mich neugierig auf mehr. In „Play.Repeat“ Ambra geht es um vier junge Menschen im Ruhrgebiet und ihre Eindrücke über Erwachsenwerden, Musik, Drogen, Liebe und Tod. Im Gespräch mit dem u.a. als Lektor und Moderator tätigen Patrick Hutsch beeindruckt mich am meisten der Einwurf, dass ein Buch aufgrund seiner vielen vorliegenden Fassungen für den Schriftsteller immer ein Stück weit unvollendet bleibt und nach dem Erscheinen auf dem Buchmarkt fremd wird. Patrick Hutsch wird anfangs wegen einer verspäteten Bahn von Angela Maas, verantwortlich für das Programm der lit.kid.COLOGNE vertreten.

Play. Repeat Ein Wehrmutstropfen in der schönen alten Kirche ist die defekte Heizung. Die zu Anfang verteilten Decken halten die Kälte in den zwei Stunden     derLesung nicht wirklich im Zaum und den Autoren und dem Publikum setzt das sichtbar zu. Die romanische St. Georg Kirche am Waidmarkt in Köln ist ein Zentrum für Hörbehinderte. Die Unterstützung  durch fünf engagierte und durch den Text herausgeforderte Simultandolmetscherinnen ist eine sehr schöne Ergänzung und sollte wie Patrick Hutsch am Ende des Abends feststellt, viel öfter eingesetzt werden.  

Eine interessante letzte Veranstaltung für mich auf der 13. lit.COLOGNE, die durch die Witterung bedingt   bedauerlicherweise etwas ausgebremst wurde.

 

Rot wie das Meer


2013
03.16

von Janina Laube

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Buchhändlerreporterin Janina Laube

Es ist Donnerstag der 14. März 2013, 17:00 Uhr und wieder stehe ich im Comedia in der Kölner Südstadt. Maggie Stiefvater, die mit ihrer Trilogie „Nach dem Sommer“, „Ruht das Licht“ und In deinen Augen“ in Deutschland große Erfolge feierte, wird aus ihrem neuen Jugendbuch „Rot wie das Meer“ lesen.
Maggie ist erst morgens aus den USA eingeflogen, doch von Jetlag keine Spur. Sie ist aufgedreht und witzig und man wird das Gefühl nicht los, dass das nichts mit Müdigkeit zu tun hat, sondern das sie im Alltag auch so ist.

Bei ihrer Lesung wird sie von Florens Schmidt, Schauspieler an einem Hamburger Theater und Stimme ihrer deutschen Hörbuchversion von „Rot wie das Meer“, und David Fermer, einem Autor der ebenfalls wie Maggie beim Thienemann Verlag veröffentlicht, begleitet.
Rot wie das Meer Maggie beginnt die Lesung auf Englisch mit dem Prolog ihres Buches und Florens liest einige Kapitel aus der deutschen Fassung und ich fühle mich tatsächlich als würde ich eine perfekte Hörbuchaufnahme hören, denn Florens Stimme zieht einen sofort in die Welt der beiden Hauptcharaktere Sean & Puck. Zwischendurch erfahren wir im Gespräch der Drei einige interessante wie auch lustige Fakten. Maggies eigentlicher Name ist nämlich Heidi Hummel, was für einiges Gelächter sorgte, und wir erfuhren, dass es eventuell eine Verfilmung ihres Romans geben wird.
Maggie, die neben der Schreiberei auch Künstlerin und Musikerin ist, zeigt uns daraufhin ihren speziell für das Buch entworfenen Trailer und berichtet das sie während des Schreibens besonders viel keltische Musik gehört hat um in der richtigen Stimmung zu sein und sich inspirieren zu lassen.
Wer wollte durfte noch Fragen stellen, die Maggie auch in ihrer sympathischen und lustigen Art beantwortete, und sich sein Buch signieren lassen.

Ich hatte, wie eigentlich immer, sehr viel Spaß bei dieser Lesung und freue mich schon auf die lit.COLOGNE 2014!

 

 

Die Golden Girls vom Niederrhein


2013
03.16
Buchhändlerreporterin Uta Iwan

Buchhändlerreporterin Uta Iwan

von Uta Iwan

Was soll schon dabei rauskommen, wenn eine blonde Fernsehmoderatorin einen Roman schreibt? Ein weiteres Medien-Mädchen-Buch? So provokant eröffnet Jörg Thadeusz das Gespräch mit der Roman-Debütantin Anne Gesthuysen, die sich selbstbewusst und fröhlich den frechen Fragen stellt. Auf der Bühne sitzen zwei Medien-Routiniers, die sich gut kennen und locker die Bälle zuwerfen, das merkt man gleich. Sie ernten denn auch viel Gelächter, als sie beide von Ihren missglückten Ausflügen in die Welt der Schauspielerei erzählen.

Anne Gesthuysen, 1969 in Geldern am Niederrhein geboren, ist Journalistin und Moderatorin. Viele kennen sie aus dem ARD Morgenmagazin. Sie ist verheiratet mit Frank Plasberg, die beiden haben ein Kind. Im Dialog mit Jörg Thadeusz erzählt sie munter, wie das so war am Niederrhein: eine glückliche Kindheit hatte sie auf dem Lande im Schosse einer großen katholischen, konservativen Familie. Und doch trieb es sie gleich nach dem Abitur hinaus in die weite Welt. Sie kam allerdings nicht aus Nordrhein-Westfalen hinaus, gut so! (Bis hierhin sind unserer beiden Lebensgeschichten übrigens fast deckungsgleich. Ich bin in einem Nachbardorf aufgewachsen und hatte zeitweise den Eindruck, Anne Gesthuysen erzählt aus meiner Kindheit!)

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Anne Gesthuysen

Wie kam es nun dazu, dass Anne Gesthuysen die Geschichte Ihrer drei Großtanten zu dem erfolgreichen Roman Wir sind doch Schwestern verarbeitete? Sie erzählt, dass sie als Kind schon fasziniert war von diesen Frauen, besonders von Tante Katty. Die drei sind zusammen 298 Jahre alt geworden und haben ein ganzes Jahrhundert erlebt; die eine sogar streng genommen drei Jahrhunderte: sie wurde 1896 geboren und ist 2001 verstorben.

Als nach dem Tod der drei Schwestern ein aus den 40er Jahren stammender Aktenordner über einen langwierigen Scheidungsprozess auftaucht, ist Gesthuysens journalistisches Interesse geweckt.  Sie studiert die alten Dokumente über einen für damalige Zeiten großen Skandal und befragt noch lebende Familienangehörige. Ein Puzzle wird zusammengesetzt, fehlende Teilchen werden dazu erfunden. Es entsteht das Porträt eines Jahrhunderts, drei Lebensgeschichten, drei Schicksale, die auch die großen Tragödien des 20. Jahrhunderts umfassen.

15.3.2013 lit. 001Alle drei Frauen haben kein dauerhaftes Liebesglück erfahren: Tante Katty stritt unermüdlich an der Seite des konservativen Kommunalpolitikers Heinrich Hegmann, wurde aber nie seine Ehefrau. Die Frage “Hamse oder hamse nicht” ist bis heute offen geblieben. Darüber spricht man eben nicht am Niederrhein! Tante Gertrud verlor ihre große Liebe im Ersten Weltkrieg. Tante Paula widerfuhr ein Schicksal, das sich heute kaum jemand in seiner ganzen Härte vorstellen kann: Ihr Ehemann wurde bei einer homosexuellen Handlung “erwischt”: ein Tabubruch, für den damals Gefängnisstrafen verhangen wurden. Wie schwer es war, sich dennoch treu zu bleiben und erhobenen Hauptes in dieser kleinen Welt, wo vieles unter den Teppich gekehrt aber niemals etwas vergessen wird, weiter zu leben, das lehren uns die drei Schwestern!

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Zuhörer auf der MS Rheinenergie

Der alte Aktenordner mit den Scheidungsunterlagen geht übrigens als Zeitdokument an das “Haus der Geschichte” in Bonn. Anne Gesthuysen und Jörg Thadeusz haben uns einen interessanten und kurzweiligen Abend beschert. Für mich war dies mein letzter Einsatz auf der 13. lit.COLOGNE Ich freue mich schon, auch beim nächsten Mal wieder dabei sein zu können, wenn die ganze Stadt auf den Beinen ist, um das größte Literaturfestival Europas zu feiern!

Anne Sinclair: Ausgefallen – Angekommen…


2013
03.15
Portrait Gey

Buchhändlerreporterin Simone Gey

von Simone Gey

Bei eiskalten Temperaturen, aber schönstem Sonnenschein machten meine Kollegin Jennifer Vignol und ich uns auf zur lit.COLOGNE. Wir wollten zu Anne Sinclair, die über ihren Großvater, den jüdischen Kunsthändler Paul Rosenberg, erzählen sollte.

Dieses Buch ist eigentlich zufällig entstanden, weil Anne Sinclair im Frühjahr 2011 einen Zwangsaufenthalt in New York hatte und sie die Zeit zu einer kleinen Erzählung über den Großvater nutzen wollte. Lieber Picasso, wo bleiben meine Harlekine ist der Titel dieses Buches – und es ist eine hochinteressante Biografie geworden, über den Mann, der nicht nur der erste Galerist von Pablo Picasso wurde – mit dem ihn dann letzten Endes auch eine persönliche Freundschaft verband. Es ist vor allen Dingen ein Buch über die moderne Malerei, an der das ganze Herz des Großvaters hing – und über den Schrecken der Vertreibung durch die Nazis, über Freundschaft und Verrat, Neuanfang und Rückkehr in ein verändertes Frankreich. Anne Sinclair, die ja eine hochkarätige Journalistin ist, beleuchtet auch die Aufarbeitung der dunklen Flecken der Kollaboration und Duldung des Naziterrors in Frankreich durch Franzosen. Ein eindrucksvolles Buch – eines meiner Lieblingsbücher im Frühjahr 2013.

So war unsere Enttäuschung natürlich riesengroß, als wir vor dem Klaus-von-Bismarck-Saal ankamen und den DIN A4 Aushang lasen, daß die Veranstaltung leider ausfallen mußte. Da hatten wir doch extra unsere Französischkenntnisse aufpoliert, weil wir auch ein paar Fragen stellen wollten. Und natürlich haben wir darauf gehofft unsere Bücher signiert zu bekommen.

KoelnWas sollten wir jetzt tun? Nun, als rheinischer Katholik geht man auf jeden Fall bei einem Besuch in Köln in den Dom. Das taten wir auch und haben natürlich das Richter-Fenster angeschaut und über den Emons-Krimi Der Richter-Code diskutiert. Haben jeder eine Kerze angezündet und sind dann über den Roncalliplatz geschlendert, als uns ein Ü-Wagen des WDR auffiel und wir uns fragten, was die denn da wollen? Die Antwort kam sehr schnell, denn der „Decke Pitter“ fing an zu läuten und in dieses Konzert fielen sämtliche Kirchenglocken Kölns ein. Da fiel der Groschen: der neuer Papst ist gewählt – und im Ü-Wagen brach rege Betriebsamkeit aus.

So kamen wir also über die lit.COLOGNE zu Papst Franziskus I – wenn das nicht mal ein besonderes Ereignis ist, dann weiß ich es auch nicht.

Ein großer Krimi-Abend


2013
03.15

von Michael Raschke

Michael_Raschke_150x150Sie ist seit Jahren meine Lieblings-Kriminalautorin, weil meiner Meinung nach kein anderer Autor es geschafft hat, die Abgründe der menschlichen Psyche und das, was Menschen antreibt und bis hin zum Mord treibt, in solcher Tiefe und all ihren Facetten ausgelotet hat. Nachdem es viele Jahre nicht geklappt hat, sie auf der lit.COLOGNE zu präsentieren, war es in diesem Jahr endlich so weit, wie Edmund Labonté in seiner Anmoderation nicht ohne Stolz betonte: Elizabeth George ist zur lit.COLOGNE gekommen, um über ihr neues Buch “Glaube der Lüge”, das im vergangenen Oktober in deutscher Ausgabe erschienen ist.

Um so mehr freute ich mich im Vorfeld darüber, über diese Veranstaltung berichten zu können.george Und neben mir ließen es sich rund 1.600 weitere Besucher nicht nehmen, dabei zu sein. Und allem internationalen Erfolg zum Trotz, den sie seit über zwei Jahrzehnten hat, schien sich Elizabeth George über diesen Zuspruch sehr zu freuen. Im Gespräch mit der Journalistin und ausgewiesenen Expertin für Kriminalliteratur, Margarethe von Schwarzkopf, erzählte sie zunächst, wie sie zum Schreiben kam und insbesondere auch, wie sie dazu kam, als Amerikanerin Krimis zu schreiben, die in England spielen. Ihre Liebe zu diesem Land begann als Teenager, als sie in den Sechziger-Jahren des vergangenen Jahrhunderts mit englischer Popkultur (den Beatles, Swinging London, Carnaby Street) in Berührung kam, die zunehmend nach Amerika überschwappte. Eine englische Schulfreundin, die nach Amerika george3adoptiert worden war, tat ein übriges. Nach ersten Reizen nach Großbritannien war es dann endgültig um sie geschehen. Elizabeth George arbeitete zunächst lange Zeit als Lehrerin und schrieb zu ihrem eigenen Vergnügen erste Romane, ohne an Veröffentlichungen zu denken. Dem ersten Roman (deutsch: “Gott schütze dieses Haus”) waren zwei nicht veröffentlichte vorausgegangen, in denen zunächst der forensische Experte Simon St. James der Protagonist war. Erst im dritten Buch führte sie dann DI Thomas Lynley als den eigentlichen Experten ein. Dieser war damals ca. 33 Jahre alt, heute – also 25 Jahre später – ist er gerade einmal 39 Jahre alt. Tja, was fiktive Romanfiguren uns doch alles voraus haben…

Im Mittelpunkt des weiteren Gesprächs stand dann naturgemäß das besondere Verhältnis zwischen DI 63673323Lynley und seiner Partnerin DS Barbara Havers. War diese in den frühen Büchern als sozial inkompetente junge Frau bisweilen deutlich überzeichnet, so ist aus dieser Figur im Laufe der Jahre ein Mensch mit vielen Ecken und Kanten geworden, der ein großes Herz und einen scharfen Verstand hat und für seine Überzeugungen und für Thomas Lynley durchs Feuer gehen würde. Die von Margarethe von Schwarzkopf an sie gerichtete Frage, ob es denn Hoffnung gäbe, dass Lynley und Havers jemals ein Paar würden, beantwortete Elizabeth George mit einem ebenso überraschten wie entschiedenen “No”. Dies sei ihrer Meinung nach völlig unrealistisch, so unterschiedlich wie die beiden seien, nicht nur, was ihre Herkunft angeht. Dafür verbinde die beiden eine ganz andere besondere Beziehung, nämlich von unbedingter Loyalität zueinander geprägte Freundschaft.

george4Es war ein sehr schöner, interessanter Abend, in dem die Autorin sehr charmant und offen über ihre Bücher und ihre Figuren sprach. Abgerundet wurde dieser durch die von Schauspieler Stefan Wilkening (der auch das Hörbuch gesprochen hat) exzellent vorgetragenen Passagen aus dem Roman. Und als Sahnehäubchen las auch Elizabeth George eine kurze Passage auf Englisch!

So endete diese Veranstaltung schließlich nach knapp zwei Stunden mit minutenlangem Applaus, bevor Elizabeth George anschließend noch über eine Stunde lang im Foyer bereitwillig Bücher signierte und mit ihren Fans plauderte.

 

Gentrifizierung und das ewige Aufschieben von Dingen


2013
03.15
Buchhändlerreporterin Alexa Zander

Buchhändlerreporterin Alexa Zander

 von Alexa Zander

 Ein Abend mit Dietmar Bär und Bastian Pastewka kann einfach nur genial werden. Mit Charme, Witz und Ausdrucksstärke bewiesen die beiden bekannten deutschen Fernsehlieblinge auch auf der 13.lit.COLOGNE ihr schauspielerisches Talent und zogen das zahlreich erschiene Publikum am Donnerstag, den 14.03.2012 um 18 Uhr im WDR mit ihrer Lesung aus dem Werk „Der Amerikanische Investor“ von Jan Peter Bremer in Ihren Bann.

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Jan Peter Bremer

 Bär und Pastewka hauchen dem Protagonisten des Werkes schnell Leben ein und fangen das Publikum in die Tagträumereien, Phantasien und Albträume des ewigen Schriftstellers ebenfalls ein. Der amerikanische InvestorEin Schriftsteller, der auf der Suche nach dem ersten Satz ist und sich nebenher auch noch mit seiner Hausverwaltung streiten und auseinandersetzten muss, da seine Wohnung von einem amerikanischen Investor gekauft und nun Luxus mäßig saniert werden soll. Das abwechselnde Vortragen der beiden Schauspieler präsentiert den Spannungsbogen des Romans auf sehr intensive Art und Weise und lässt den Abend nur so dahin rasen.

CIMG1510Jan Peter Bremer hat mit seinem aktuellen Werk den „Roman der Stunde“ geschrieben und trifft auf  sehr humorvolle und teilweise sehr sarkastische Art und Weise den Zahn der Zeit. Er erzählt von Entmietung und globaler Obdachlosigkeit in Berlin. Er beschreibt den aktuellen Kreuzberg

er Häuserkampf von dem auch er persönlich betroffen ist.

Zwei zentrale Begriffe, die bezeichnend für seinen Roman sind, beziehen sich auf Gentrifizierung und das ewige Aufschieben von Dingen. Beachtenswert ist, das eigentlich nichts im Roman passiert, außer das ein Schriftsteller im Bett liegt und sich jeglichen Überlegungen hingibt die durch den Verkauf der Immobilie auf ihn zukommen könnten. Aber genau dieser Zwischenraum bietet für Bremer den Stoff für eine Geschichte und haben das Publikum vollends begeistert.

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Fazit: Ein sehr schöner und unterhaltsamer Literaturabend mit hinreißenden Darstellern. Da freut man sich bereits auf ein Wiedersehen.

 

 

Wenn die Autorin nicht kommen kann und es doch ein Happy End gibt.


2013
03.15
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Buchhändlerreporterin Janina Laube

von Janina Laube

Am 11.03.2013, startete um 16:30 Uhr die lit.COLOGNE auch endlich für mich.

In der eingeschneiten Südstadt war ich froh als ich endlich mein Ziel, den Roten Salon des Comedia, erreicht hatte und freute mich auf die neueste Lola Geschichte von Isabel Abedi.

Leider zu früh gefreut, denn die Autorin lag mit einer dicken Grippe in Hamburg in ihrem Bett. Als Ersatz wurde uns Ute Wegmann, Journalistin und ebenfalls Kinder- und Jugendbuchautorin, vorgestellt, die auch eine Freundin von Isabel Abedi ist.

Wie sich schnell herausstellte war dieser Ersatz mehr als prima. Nachdem sie dem Publikum einen Brief der Autorin vorgelesen hatte, startete sie die Lesung 5 Sterne für Lola und las einige Kapitel aus dem neuen Lola-Band „5 Sterne für Lola“. Dies machte sie mit so viel Witz und Charme das man gar nicht mehr aufhören konnte ihr zu lauschen und ganz vergaß, dass man ja eigentlich wegen Isabel Abedi da war. Die Kinder und auch die Erwachsenen hatten eine Menge Spaß und als Abschluss durften wir noch einen Ausschnitt aus dem Lola Film anschauen.

Damit Isabel Abedi bald wieder auf den Beinen ist wurde via Handy vom ganzen Publikum lautstark gute Besserung gewünscht und Isabel Abedi versprach 2014 wieder nach Köln zu kommen.

Nach der Veranstaltung hatte man an dem Thalia-Büchertisch noch die Möglichkeit die einzelnen Lola-Bände zu erwerben.

Es war eine sehr schöne erste Veranstaltung!

Toooor auf dem schwimmenden Stadion!!


2013
03.15
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Buchhändlerreporter Markus Kowal

 von Markus Kowal

Fußball-Skandale, Trainergeheimnisse und in welcher Vereinsbettwäsche wurden die Enkel von Hans Meyer gezeugt?
Dies alles erfuhr man bei der Veranstaltung “50 Jahre Bundesliga”, die von den Autoren des gleichnamigen Buches präsentiert wurde.
Dem Sportjournalisten Christoph Biermann und Philipp Köster, dem Chefredakteur von dem großartigen Fußballmagazin “11 Freunde”. Viele Geschichten stammten aus dem gut recherchierten Buch, aber auch einige von der Trainerlegende Hans Meyer selbst, der als Ehrengast dabei war.
Ich hielt gerade noch im ersten Stock des Literaturschiffes MS RheinEnergie einen netten Plausch mit dem wunderbaren Autor J.R. Moehringer, dessen Lesung davor war, als wir beide aus dem Fenster die riesige Menschenschlange vor dem Schiff bemerkten. “Zu welchem Autor wollen die denn?” Daraufhin klärte ich den amerikanischen Schriftsteller auf, es ginge um 50 Jahre Bundesliga. Das verstand er sofort!

tor (1)Dann ging es auch schon los. Hans Meyer erzählte, damals in der DDR hätte man schon geglaubt, jedes Fußballspiel in der Bundesliga sei großartig, da man seine Informationen aus der Sportschau erhielt und dessen Zusammenschnitt der Spiele. Immer wieder zeigten die beiden Journalisten auf einer Leinwand zwischendurch lustige Szenen, wo man witzige Interviews mit Spielern sah, die peinlichsten Schwalben, alte Werbungen von Beckenbauer und Matthäus, der bei der Danone Werbung eindeutig den kleineren Löffel besaß und auch legendäre Szenen mit dem ehemaligen Trainer Hans Meyer. Da war er z.B. mitten in einer Pressekonferenz, als plötzlich sein Handy ging. Natürlich nahm er ab und alle lauschten gespannt seinem Gespräch. Doch er nickte nur immer wieder, hörte weiter zu, bis er schließlich doch bemerkte: “Entschuldigen Sie, aber ist gerade irgendwie der falsche Zeitpunkt.” Als er das Handy wieder wegsteckte meinte er nur: “Das war mein Steuerbüro!”
Es wurde noch so einiges verraten über Spielerfrauen und Glücksspiel im Vereinsbus. Früher gab es ja noch keine Playstation, also spielten die Fußballer zwischen den Spielen meistens Karten. Natürlich auch um Geld, aber als Hans 50 jahre blMeyer seinen Trainerjob bei Rot Weiss Erfurt anfing, war er sichtlich geschockt, als er in den Gemeinschaftsraum kam. Dort saßen die meisten Spieler und man hörte nicht “Schweine” oder “Bock” Ausrufe vom Doppelkopf, sondern “Schach”, denn das genau spielten sie dort.

Während die bewegende Kulisse von Köln an uns draußen vorbeizog, lasen Biermann und Köster auch immer wieder interessante Geschichten aus ihrem Buch vor. Unter anderem wurde auch von dem Kultspieler, der “weisse Brasilianer” Ansgar Brinkmann erzählt, der sich mal bei einer Alkoholkontrolle eine wilde Verfolgungsjagd zu Fuß mit der Polizei lieferte, um sich dann Stunden später doch beim Revier einzufinden, da diese noch seine Autoschlüssel hatten. Legendär auch die Ansage auf seinem Anrufbeantworter: “Bin bis fünf Uhr früh in meiner Stammkneipe zu erreichen!”

tor (2)Der Abend ging viel zu schnell vorbei und gerne hätte man auch so manche Verlängerung gewollt. Als schließlich die vielen Zuschauer mit ihren Fußballtrikots und Schals das schwimmende Stadion verließen, freuten sie sich ihr signiertes “50 Jahre Bundesliga” Buch zu lesen und natürlich auf die Bundesliga!
Eine Sache muss aber noch geklärt werden. Hans Meyer war niemals Fan von Fußballbettwäsche, aber sein Schwiegersohn hat in einer Bestimmten seine Enkelkinder gezeugt – in der von Chelsea. Aber von diesem Verein fand sich sonst kein Fan auf dem Literaturschiff.