von Uta Iwan
Auftritt: drei gestandene Herren im schwarzen Anzug sowie drei Alphörner. Und schon geht’s los. „Alpcologne“ bläst uns was…
Die Luft vibriert. Leichte Gänsehaut, dann fangen die Knie an im Takt zu wippen. Das habe ich so noch nicht gehört: Spielen die wirklich einen Chachacha? Ein toller Einstieg in den alpinen Abend der lit.COLOGNE!
Edmund LaBonté begrüßt das buntgemischte Publikum im Tanzbrunnen sehr launig; der Saal ist voll. Er stellt gleich klar, warum wir Rheinländer so große Kompetenz beim Thema Berge haben: Immerhin ist der Drachenfels der meist bestiegene Berg Deutschlands!
Auch der Moderator des heutigen Abends ist vom Fach: Martin Stankowski kommt aus dem „Land der tausend Berge“: er ist Sauerländer.

Moderator Martin Stankowski, Kabarettist und Autor Konrad Beikircher und Schriftstellerin Brigitte Kronauer
Zu Gast sind die Schriftstellerin Brigitte Kronauer, Büchner-Preisträgerin und – na klar – Norddeutsche, leidenschaftliche Alpenreisende, aber spätberufen, und Konrad Beikircher, der stammt nun wirklich aus Südtirol und weiß alles über die Geschichte des alpinen Lebens.
Es entwickelt sich ein amüsantes, hochkarätiges Dreiergespräch über die Faszination der Berge und diejenigen, die ihr erlegen sind. Wir hören von Luis Trenker und Ludwig Ganghofer, von Reinhold Messner und Gerlinde Kaltenbrunner. Aber auch die einfachen Alpenbewohner finden Erwähnung: ihre jahrhundertelange Abgeschiedenheit in großer Armut, ihre Angst vor den Tobelgeistern und der manchmal zerstörerischen Gewalt der Natur.
Während Beikircher selbst die Berge in seiner Jugend als reine Blickhinderer empfand, waren sie für Brigitte Kronauer lange allenfalls ein lästiges Hindernis auf dem Weg zum Mittelmeer. Erst bei einer Autofahrt über den Gotthard-Pass infizierte sie sich mit dem „Bergvirus“. Heute haben viele ihrer Romane die Alpenwelt zur Kulisse und auch als Thema.
Vorgelesen wird natürlich auch an diesem Abend: Zunächst trägt uns Beikircher Goethe vor: „Im Anfang waren die Berge…“, mit einigen Anmerkungen der heiteren Art seitens des Vortragenden. Später dann zitiert er aus dem ersten Bergsteigerbericht der Weltliteratur: Petraca beschreibt im 14. Jahrhundert seinen Aufstieg zum Gipfel des Mont Ventoux.
Im Anschluss liest Brigitte Kronauer aus ihrem neuen (noch nicht fertiggestellten) Buch. Ein sprachlicher Genuß, und auch hier kann man sich ein Schmunzeln nicht verkneifen.
In den folgenden Auftritten von „Alpcologne“ kommt zu den Alphörnern noch eine temperentvolle Sängerin dazu: Ich bin begeistert!
Und so neigt sich ein unterhaltsamer Abend dem Ende zu. Was bleibt: die Sehnsucht nach den Bergen, denn sie sind wahrhaft Orte der Freiheit und der Schönheit; sie begeistern uns immer wieder mit der schieren Wucht ihrer Existenz.


























