9) Skizzenbuch 2010

Verbaler Schlagabtausch: Ferdinand von Schirach und Frank Plasberg.


2010
03.22

Von Tobias Quast aus der Thalia-Buchhandlung in Wuppertal

Rund 600 Gäste sind gekommen, um Ferdinand von Schirach im WDR Funkhaus am Wallrafplatz lesen zu hören. „Die Spur des Verbrechens“ lautet der Titel des Abends – Rechsanwalt von Schirach stellt seinen Bestseller „Verbrechen“ vor. Schon eine Stunde vor Veranstaltungsbeginn ist die Schlange vor dem Eingang beträchtlich. Auf der Empore ergattere ich noch einen Platz und falle in den Beifall ein, als von Schirach und der Moderator Frank Plasberg gemeinsam die Bühne betreten: von Schirach leger in Tweedjacke und Cordhose, Plasberg im schwarzen Anzug und glänzenden Lackschuhen, die mich bis auf die Empore blenden. Schnell gibt von Schirach den Ton des Abends vor, denn bissig macht er sich über das Schuhwerk des Moderators lustig. Der kontert: „Sie haben sich ihre Autorenhose doch von Sigfried Lenz geliehen!“ Ein verbaler Schlagabtausch entwickelt sich, der mit dem besten repartee einer Restaurationskomödie oder Shakespeares mithalten kann. Ob von Schirach nach dem ungeheuren Erfolg seines Buches den Anwaltsjob an den Nagel hängen wolle? „Haben Sie einen Moderatorenjob für mich, Herr Plasberg?“ Und als der Moderator auf seine Armbanduhr schaut – er hatte bereits eingangs erwähnt, dass er nach der Lesung noch einen Termin habe –sagt von Schirach: „Gehen Sie nur, Herr Plasberg. Ich lese auch ohne Sie weiter!“ Das Publikum fühlt sich bestens unterhalten und goutiert das Gespräch mit viel Gelächter und tosendem Applaus.

Totenstill wird es jedoch, als der Autor zwei Geschichten aus „Verbrechen“ liest. In eindringlich direkter Sprache – großartig vorgelesen – erleben wir Fälle mit, die der Anwalt ähnlich erlebt und vertreten hat. Diese fiktiven Wahrheiten, denn Realität und Fiktion verschwimmen in den Erzählungen von Schirachs, berühren das Publikum. 90 Minuten sind zu schnell vergangen – welch wunderbarer Ausklang der lit.COLOGNE.

Anna Thalbach und Christian Brückner „Freak out!“


2010
03.22

Von Alexandra Gerhard aus der Thalia-Buchhandlung im Kölner City-Center

„Willkommen in der academia monstris et vagabundi!“

So begrüßt Andreas Platthaus, im wahren Leben FAZ- Feuilletonredakteur, die gespannte Zuhörerschaft im Kölner Schauspielhaus (noch steht’s ja). Heute Abend wird er als „Logenmeister“ fungieren. Schon zuvor kam es zu Gelächter und bei Manchem zu Irritationen, denn eröffnet wurde die Veranstaltung von einer netten jungen Dame mit geringeltem Hercule-Poirot-Schnäuzer (häh?).

Aber darum geht es auch Hier und Jetzt: Nicht das Schöne, Verklärte und Romantische in der Literatur soll heute Abend dar geboten werden, sondern das Monströse, das Abnorme, das es in der Geschichte der Literatur immer schon gab und immer geben wird. Und nicht nur dort – Platthaus leuchtet mit einer Taschenlampe in den Saal und stellt fest, dass alle Zuschauer hier genau richtig sind. Ich nehme das mal als Kompliment. Dozenten in der „Akademie“ sind die bezaubernde Anna Thalbach und Christian Brückner (wer im Moment mit diesem Namen noch nicht so viel anzufangen weiß, der macht einfach die Augen zu – und hört die deutsche Stimme von Robert de Niro).

Unterstützt werden sie von einem „Beschwöronator“, eine Maschine, die dafür sorgen wird, dass der Geist diverser Schattengestalten in Brückner fährt, der als Medium fungiert (häh?).

Und dann beginnen sie mit der „Chronica Freakianos“. Das Gelächter reißt nicht ab. Schon in der Antike wurde mit schauriger Hingabe von den Urahnen der Freaks berichtet. Besonders im Gedächtnis bleibt bei mir „Schattenfüßler“, eine nur annährend menschliche Gestalt, die nur ein Bein hat, versehen mit einem unglaublich großen Fuß. Das so etwas aber auch unglaublich praktisch sein kann, vor allem im Sommer, wo man sich dann unter seinen eigenen Fuß legen kann, belegt ein auf die Bühnenwand geworfenes Bild.

Weiter geht’s – über seltsame weibliche Wesen, die irgendwie nur aus Brüsten zu bestehen schienen, sogenannte „Tittenwifs“, (bevor jetzt irgendeiner seine Phantasie spielen lässt – ein weiteres Bild belegt: das sah alles andere als sexy aus!) oder der Bericht über eine Mittelalter lebende Nonne, die vor Liebe kaum noch zu bändigen war („Minne mich oh, miiiiiinne mich!“). Nur die Namen von Autoren, die ich kenne (z.B. Mary Shelley mit ihre „Frankenstein“) erinnern mich daran, dass es sich hier um wahre Texte handelt, und nicht um von den Veranstaltern ausgedachtes, abgedrehtes Zeug.

Schließlich „kommt noch die Moderne mit dickem Hintern“ und „König Ubu“, eine Theaterfigur von Alfred Jarry, fährt in Brückner. Und da gibt es für alle vor Lachen kein Halten mehr, das liegt allein schon an der Klobürste, die „Ubu“ als Zepter trägt.

Für mich diese schräge, witzige Lesung ein gelungener Abschluss; es ist die letzte Veranstaltung, die ich auf der „Lit.Cologne“ besuche. Ich habe insgesamt viel gelacht, viel gestaunt , viel Schönes, Skurriles, Spannendes und Interessantes gehört! Und gerne davon erzählt! Ich glaube, nächstes Mal muss ich mir Urlaub nehmen, damit ich noch viele, viele Veranstaltungen mehr besuchen kann!

Mit Jazz Geschichten erzählen! oder nach Frank Zappa Jazz isn’t funny , but it smells funny


2010
03.22

Von Manuela Quarz aus der Thalia-Buchhandlung im Kölner Rhein-Center

Was verbinde ich eigentlich mit Jazz? Das frage ich mich auf meinem Weg ins Limelight… ein paar Namen von so ganz großen Künstlern fallen mir schon ein… aber viel mehr ist es auch nicht, mal sehen oder eher hören, ob sich das heute Abend ändert! Im Limelight war ich noch nicht, ich freue mich sehr darauf… die Atmosphäre des ehemaligen Kasinos der belgischen Soldaten erinnert mich allerdings eher an einen russischen Agententhriller… in rotes Licht getauchte Wände, üppige Kronleuchter, Brokattapete in der Raucherlounge und Kübel mit Palmen. Alles etwas plüschig und die rotgepolsterten Stühle sind auch bei dieser Veranstaltung bis auf den letzen Platz besetzt, es ist wieder voll! Schön ist das… und eine gute Stimmung vermittelt es auch!
Ein wenig Zeit ist noch bis zum Beginn und ich schau mich im Publikum um, Leute gucken ist schließlich auch etwas Feines… die meisten sind eher in grau und schwarz gewandet und wirken auf mich etwas intellektuell angehaucht, aber warum nicht,- ich bin dabei…

Werner Köhler betritt die Bühne, begrüßt das Publikum und weist daraufhin, das dieser Abend irgendwann auf WDR 5 gesendet wird, leider ist noch kein Termin bekannt,- schade eigentlich… Doch nun betreten Matthias Brandt und Roger Willemsen die Bühne und werden mit großem Applaus begrüßt.
Die Zeit- und Musikreise beginnt, angefangen bei Duke Ellington, über Coleman Hawkins, Charlie Parker, nicht zu vergessen – Billie Holliday bis hin zu Bill Evans wird hier etwas ganz Besonderes erzählt. Die Lebensgeschichten dieser großen Jazzlegenden, die meist tragisch intensiv und kurzlebig sind, werden in Prosa verwandelt – von Matthias Brandt großartig vorgelesen und Roger Willemsen präsentiert und erklärt uns die dazugehörigen Musikstücke. Wir hören als Beispiel These foolish things von Lester Young, – hat mir richtig gut gefallen – oder die traurige Hymne Strange fruit gesungen von Billie Holliday. Roger Willemsen plaudert sehr unterhaltsam und scheint ein unendliches Wissen zu haben, – trotzdem ist die Melancholie zu spüren, die in den ausgewählten Musikstücken zu hören ist, Drogen, Gewalt, Unterdrückung und innere Einsamkeit bestimmen die Musik und das Leben der Künstler… eine großartige Verbindung von Buch und Musik, auf meiner Wunschliste ganz oben steht jetzt auf jeden Fall das Hörbuch But Beautiful, Text Geoff Dyer, so wunderbar gelesen von Matthias Brandt.
Wer noch mehr über den Saxophonisten Charlie Parker wissen möchte, dem sei Julio Cortazar Der Verfolger empfohlen oder vielleicht doch die Musik CD?
Eine kurze Verabschiedung von den beiden Herren mit Peace, Peace von Bill Evans und ein sehr schöner Abend ist zu Ende.

Helene Hegemann, Ulrike Almut Sandig und Leif Randt: Ein silbernes Schwein kommt selten allein


2010
03.22

Von Simone Hehl aus der Thalia-Buchhandlung in Hürth

Meine letzte lit.COLOGNE-Veranstaltung führte mich Freitag Abend von der Kulturkirche in den Stadtgarten auf der Venloer Straße. Dort wurde zum ersten Mal in diesem Jahr ein Debütantenpreis verliehen. Der Silberschweinpreis, gestiftet von der RheinEnergie, soll den literarischen Nachwuchs fördern und so wurden von einer Jury 3 Nachwuchsautoren ausgewählt, die einen Abend lang um die Gunst des Publikums lesen sollten.

Über den Köpfen der Anwesenden funkelte ein silbernes „Diskoschwein“. Helene Hegemann las aus ihrem kritisch diskutiertem Werk „Axolotl Roadkill “, Ulrike Almut Sandig aus ihrem Erzählband „Flamingos“ und Leif Randt präsentierte sein Buch „Leuchtspielhaus“. Begleitet wurden Helene Hegemann, Ulrike Almut Sandig und Leif Randt von Freunden, die den Zuschauern mit einer Laudatio die Autoren und ihre Werke näher bringen sollten. So erhielten wir teils skurrile, teils amüsante Einblicke in das Leben und Schaffen der 3 Preisanwärter. Die Zuschauer verliehen Ulrike Almut Sandig den ersten Preis, ein mit 1111 Euro gefülltes silbernes Schwein; Leif Randt und Helene Hegemann, als Zweit- und Drittplatzierte, erhielten 777 Euro bzw. 333 Euro ebenfalls im silbernen Schweinebauch. So konnte man auf der Silberschweinparty 3 strahlende Preisträger antreffen. Mein Fazit: Ein gelungener Abend ohne Verlierer.

Margret Atwood singt Hymnen…


2010
03.22

Von Manuela Quarz aus der Thalia-Buchhandlung im Kölner Rhein-Center

das hätte ich an diesem Abend nun wirklich nicht erwartet, aber es erwarten mich noch mehr Überraschungen!
Dieses Mal gehe ich schon fast mit klopfendem Herzen zu diesem Abend, der wieder im Klaus-von-Bismarcksaal stattfindet. Margret Atwood ist schließlich ganz große Weltliteratur und das erlebe ich nun mal nicht alle Tage!
Aufgeboten ist auch dementsprechende Prominenz – Birgit Minichmayr, die vielversprechende österreichische Schauspielerin von der Wiener Burg und zuletzt für mich sehr beeindruckend in DAS WEISSE BAND – zu sehen, wird die Texte lesen – und das macht sie dann auch einfach nur großartig…
Susanne Becker, promovierte Literaturwissenschaftlerin und Kulturredakteurin beim ZDF, führt durch den Abend und übersetzt, absolut professionell …

Wann kommt so eine große Autorin schon mal nach Deutschland? Nach Köln zur lit.COLOGNE kommt sie und um am nächsten Tag in Dortmund den Nelly Sachs Preis entgegenzunehmen, einen Preis, der für die Verständigung der Menschen und Kulturen steht…verdienterweise, wie ich spätestens nach diesem Abend feststelle !
Die ganz große Überraschung für mich an diesem Abend ist Margret Atwood allerdings selbst!
Von erstem Augenblick an bin ich fasziniert, ihre Persönlichkeit springt als Funke der Verbindung in das Publikum ,sie ist herzlich und humorvoll und dies bei so ernsten Themen wie der Wert von Schuld und Schulden, wie die Frage wie wir mit unserer Zukunft umgehen oder auch der Sinn des reinen Überlebensaspekts! Wie weit gehen wir mit unserem technischen Fortschritt? Wie ist die Stellung der Frau JETZT und wie wird sie in der Zukunft sein?..Was tun wir anderen Menschen an und was tun wir uns selbst an ? Große Fragen, die auch in ihrem neuesten Buch DAS JAHR DER FLUT behandelt werden…ja und dann singt sie , sie singt uns eine Hymne der sogenannten Gottesgärtner aus ihrem Buch vor und das richtig gut, damit ist die apokalyptische Berohung ein wenig milder und freundlicher….
Ich schaue mich um und finde fast nur Frauen im Publikum , alle Altersstufen sind vertreten und dabei fällt mir der REPORT DER MAGD ein, das Buch , das mich vor vielen Jahren schon so erschüttert hat…auch da schon die gleichen Themen zu finden !
Ich sehe nochmals zur Bühne und wünsche mir mit 70 Jahren auch so zu sein wie Margret Atwood lebendig , klug , den Menschen und der Zeit so inspirierend zugewandt…
Zum Schluss hören wir noch eine autobiografisache Kurzgeschichte, die von ihrem Vater, den Wäldern und Seen von Kanada handelt, sehr zwischenmenschlich und hintergründig und dabei habe ich wieder den zauberhaften Sommer in Ontario vor Augen , den ich vor vielen Jahren dort verbrachte…
Vielen Dank Margret Atwood, ein unvergesslicher Abend wer nicht dabei sein konnte: WDR 5 PODCAST Manuela Quarz.

Patti Smith – Just Kids


2010
03.22

Von Stefanie Menzel aus der Thalia-Buchhandlung in Düsseldorf

Während ich mir Live – Konzerte von Patti Smith auf einschlägigen Internet – Portalen anschaue, lasse ich den gerade vergangenen Abend Revue passieren. Der perfekte Abschluss für die lit.Cologne (jedenfalls für mich, denn das war nun meine letzte Veranstaltung).

Patti Smith liest aus ihrem gerade erst erschienenen Buch „Just Kids“, in dem sie die intensive und tiefe Beziehung und spätere Freundschaft zu Robert Mapplethorpe, „the artist of her life“, Revue passieren lässt.

Der Tanzbrunnen in Köln ist bis auf den letzten Platz ausverkauft, am Eingang werde ich mehrmals von verzweifelten Fans nach einer Karte gefragt. Kein Wunder, denn es ist die einzige Lesung bzw. Konzert von Patti Smith in Deutschland. Der Verlag hat das Erscheinen ihres Buches extra vorgezogen, so dass ich es heute morgen erst aus den Bücherkisten bergen konnte. Das erste Anlesen verspricht ein warmherziges Buch. Die wunderschöne, aber auch zu Tränen rührende Geschichte zweier „Kids“ die in New York City in ihre späteren Künstlerrollen hinein wachsen. Das Buch aus der Hand zu legen fällt tatsächlich schwer, aber welchen besseren Grund könnte man haben, als die Autorin später live erleben zu dürfen.

Patti Smith präsentiert sich ganz im Stile ihres Buches. Unkonventionell, verrückt, urkomisch und warmherzig. Sie scheint ihren Auftritt in Deutschland unheimlich zu genießen und sich wahnsinnig daran zu erfreuen, dass sie ihre tiefe Freundschaft zu ihrem Seelenverwandten Mapplethorpe in die Welt hinaus tragen kann. (So wie sie es ihm einst versprochen hat).
Das Publikum ist von der ersten bis zur letzten Sekunde gefesselt. Ob über das Buch und das Leben geredet, gelesen oder gesungen wird, wir alle hängen zwei Stunden lang gebannt an Patti Smiths Lippen. Anschließend signiert sie bereitwillig jedes einzelne Buch das ihr unter die Nase gehalten wird. Nach diesem Erlebnis am heutigen Abend bin ich ein noch größerer Fan als ohnehin schon.
Das absolute Highlight aller vorangegangenen Abende, nicht nur der der lit.Cologne.
Vielen Dank, Patti Smith!

Krimiautoren sind die nettesten Menschen


2010
03.20

Von Marcus Butscheid aus der Thalia-Buchhandlung in Bergisch Gladbach

Als Mo Hayder dort vorne auf der Bühne des Klaus-von-Bismarck-Saal sitzt; eine elfengleich und zerbrechlich wirkende Erscheinung, kann ich mir nicht so recht vorstellen, dass sie von dunklen Dämonen und dem Bösen der Welt getrieben wird. Die Grenzbereiche menschlicher Erfahrung im Zusammenhang mit Grausamkeit und Gewalt: Vergewaltigung, Kindesmißbrauch, rituelle Verstümmelung bis hin zu grausamen historischen Exzessen und Völkermord – das sind die Themen von Hayders mittlerweile 6 Romanen. Selten erlebe ich Autoren derart redefreudig und lebendig sprudelnd über ihre Arbeit und Leben berichten. Mo Hayder anwortet nie kurz, sondern ausführlich und kommt schwer zu einem Ende, was sie umso sympathisch macht. Denn ist ihr Leben genauso spannend wie ihre Geschichten: Studium in Washington mit Abschluss Film, Jobs in Japan als Hostess u.a. in Nachtclubs, leidenschaftliche Taucherin, die ihre Eindrücke dann gemeinsam mit den britsichen Cops bei Leichenbergung im Wasser in ihren Büchern verarbeitet.Von Morbidem und Unheimlichem fühlt sie sich angezogen und sie wandelt es zu packenden einzigartigen Thrillern um. Von dem Tokolok, einem afrikanischen Kobold ist sie besonders angetan und schildert uns ihre Erfahrungen mit dem Geist bei einem ihre Jobs in der afrikanischen Savanne. Hervorragend vorgetragen werden Ausschnitte aus ihrem neusten Werk Haut von der Schauspielerin Theresa Dürnberger, die selbst ein Fan von Hayders Titeln und ihrem Komissar Jack Caffery ist. Caffery ist so etwas wie ein alter geliebter der Autorin, den Sie nach 2 Büchern Pause wieder gefunden hat, um ihn in dieser neuen Geschichte wieder ermitteln zu lassen. Die Übersetzung an diesem Abend übernimmt die lit.Cologne erprobte Moderatorin Margarethe von Schwarzkopf, die die oft langen, jedoch kurzweiligen Schilderungen Hayders exzellent knackig wiedergibt. Am Ende hat Mo Hayders sicher viele weitere Leserherzen erobert und sie erhält donnernden Applaus.

Mit Horst Evers und Co. „In der Raucherzone“


2010
03.19

Von Markus Kowal aus der Thalia-Buchhandlung im Kölner Rhein-Center

Als wir den völlig ausverkauften Klaus-von-Bismarck-Saal im WDR Gebäude betraten, erwartete man eine rauchige Nebelwolke, die einen völlig umschließt. Allerdings hätte die Sprinkleranlage etwas dagegen gehabt und so wurde, trotz des herrlichen Mottos „In der Raucherzone“, doch aufs paffen verzichtet.

Der großartige Horst Evers hatte die Moderation übernommen und zuerst ein großes Geständnis abgelegt. Er raucht schon 2 Jahre nicht mehr, aber hat öfters nur einen Gedanken am Tag – er möchte rauchen. Seine Freunde schenkten ihm dafür eine Saftpresse, damit er den ganzen Tag was zu tun hat. Reih um lasen „die Vorleser“ aus ihren witzigen Texten vor, wobei es nicht immer um nikotinbehaftete Themen ging. Jess Jochimsen las uns eine Geschichte mit Klogesprächen vor, wobei sich doch jeder in seiner Kabine eine ansteckte.


Aber es ging auch um Hunde, die besser nach ihrem Grund heißen sollten, warum man sie seinem Kind schenken musste. Also nicht Fiffi, sondern „Gymnasiale Empfehlung“. Wiglaf Droste berichtete unter anderem über seine Zeit als Stadtschreiber von Rheinsberg in Brandenburg. Dabei fand er baggernde Männer nervtötend, besonders wenn sie auch noch beruflich damit zu tun hatten, und Bauarbeiter waren. Fritz Eckenga ging auch kurz auf die juristische Seite des Rauchens ein. Also wenn man jemanden eine Zigarette anbietet, sollte man sich lieber einen Anwalt nehmen, da man sofort wegen fahrlässiger Körperverletzung belangt werden kann.

Natürlich durfte bei dem Thema Rauchen unser Altkanzler Schmidt nicht fehlen. Wenn er bei einer Talkshow zu Gast ist, dann schaut man diese endlich mal gerne, da er die merkwürdigen Moderatoren einfach unsichtbar raucht und sie in einer Dunstwolke verschwinden lässt. Aber Horst Evers ließ sich nicht durch Jess Jochimsen verschwinden lassen, obwohl dieser als einziger am Ende des Abend sich eine Zigarette ansteckte und sie sichtlich genoss. Was ich noch unbedingt erwähnen muss, ist die kleine Pause zwischendurch gewesen, wo viele sofort aufsprangen und nach draußen in die Kälte eilten, um sich eine zu quarzen. Da traf man gleichgesinnte, die das Motto des Abends verinnerlichten.

Diesen fantastischen Vorleseabend kann man auch am 21.3.10 um 20.05 Uhr im WDR5 nachhören. Ob Sie dies mit Zigarette oder ohne tun, bleibt ihnen überlassen. Spaß macht es so und so!

Frank Schätzings “Limit”: Multimediales Heimspiel vor knapp 4000 Besuchern


2010
03.19

Von Moritz Revermann aus der Thalia-Buchhandlung in Düsseldorf

Die Zukunft ist erst mal ein großer leerer Raum. Science Fiction ist eine individuelle Form, Möglichkeiten einer Zukunft aufzuzeigen. Wir schreiben das Jahr 2025 und der 1.FC Köln steht seit einem halben Jahr auf Platz 1 der Fußballbundesliga… Frank Schätzing weiß sein Publikum gekonnt zu manipulieren und als Kölner in Köln hatte er da leichtes Spiel.

Über zwei Stunden verstand er es, das Publikum mit einer geschickt aufgebauten Multimediashow zu bannen. Leinwand, Bühne und Musik, Lesung, Interview und Vortrag – was für eine Show! Was wird die Zukunft bringen, welche Möglichkeiten technischer und kultureller Veränderungen stehen uns noch bevor? Müssen wir Angst haben oder uns auf die Zukunft freuen? Schätzing zeigte Aspekte und mögliche Perspektiven, beleuchtete seine zentralen Themen Zukunft und Raumfahrt mittels verschiedenster Methoden von vielen Seiten.


Ranga Yogeshwar war einer der beiden Überraschungsgäste des Abends; spannend und unterhaltsam wie immer philosophierte er mit Schätzing über Themen wie Weltraumfahrstühle und Kulturwandel durch technischen Fortschritt. Zentrales Thema der beiden war allerdings Sex in der Schwerelosigkeit und bei 1/6 G auf dem Mond. Es wurde wirklich viel gelacht an diesem Abend! Warum wissen wir so wenig über dieses Thema? Schätzing: „Weil die Amerikaner zu prüde sind, darüber zu berichten und die Russen zu betrunken, um sich daran zu erinnern!“ Ein weiteres Highlight des Abends war die interaktive Lesung mit Jan Josef Liefers und dessen Partnerin (sie spielten die beiden Hauptfiguren aus ‚Limit’).

Ich kam mit gemischten Gefühlen und Erwartungen zu dieser Veranstaltung, aber Herr Schätzing: was Sie da machen, machen Sie richtig gut! Es war ein weitaus durchmischteres Publikum als bei klassischen Lesungen. So konnte ich Sätze aufschnappen wie: „Ich lese ja sonst nicht, aber das ist schon cool.“ Ich schließe mich an – obwohl ich lese: Ja, das war cool!

Ulla Hahn liest aus ihrem Buch „Aufbruch“


2010
03.19

Von Alexandra Gerhard aus der Thalia-Buchhandlung im Kölner City-Center

„Steh auf!“

Heute besuche ich die Lesung von Ulla Hahn. Sie findet auf dem wunderbaren Literaturschiff statt, und bei frühlingshaften Temperaturen (Endlich! Endlich!!!!!) reihen wir uns ins die scheinbar endlose Schlange vorm Schiff ein. Ich habe genug Zeit, mich ein bisschen umzusehen und mir erste Eindrücke vom Publikum zu verschaffen. Also diesmal sind EINDEUTIG mehr Damen da! Und altersmäßig ist der Durchschnitt etwas gehoben. Es ist ja auch so, das Ulla Hahns Roman „Aufbruch“, die Fortsetzung von der fesselnden Geschichte „Das verborgene Wort“, autobiographische Züge trägt und in den frühen Sechzigern spielt, in denen die junge Hauptfigur „Hilla“ versucht, sich aus der Enge ihres Elternhauses zu befreien und dem vorgeschriebenen Weg (früh heiraten, Kinder kriegen, den Haushalt führen) zu entkommen.

LIT.COLOGNE-Veranstalter Werner Köhler eröffnet persönlich den Abend. Und dann kommt sie, die Autorin – zierlich, sympathisch, und nimmt uns mit ihrem leisen Lächeln und ihrer Stimme sofort gefangen. An ihrer Seite die WDR-Moderatorin Gisela Steinhauer, die zwischendurch in lockerer Form Fragen stellt und durch die eine oder andere saloppe Äußerung Heiterkeitsausbrüche auslöst.

Ulla Hahn genießt die Fahrt mit dem wunderschönen Schiff; sie erzählt, dass sie dem Rhein immer sehr zugetan war, sei es dem Rhein, der durch Monheim fließt, wo sie aufgewachsen ist, oder dem Kölner Rhein, wo sie gelebt und studiert hat. Ihr Bruder ist auch jetzt noch in Köln beheimatet, er sitzt heute Abend mit seiner Familie im Publikum und freut sich.


Dann liest Ulla Hahn. Und alle lauschen völlig gebannt (ich auch, bemerkenswert, ich kann sonst nämlich nicht eine Minute mal die Klappe halten) Und viele der Zuhörinnen nicken oft bestätigend, denn genau so haben sie es auch in ihrer Jugend erlebt. Die „Häppchen“ auf der ersten Party, die „Jazz“-, „Beatles“-, und „Juliette Greco“-Fraktionen, das eiserne Bewahren des „Kapitals“ (lesen Sie das Buch, dann werden Sie lachen und verstehen, was damit gemeint ist…).

Einer der Höhepunkte: als Ulla Hahn eine Passage vorliest, wo der neue Quelle-Katalog ins Haus kommt („Doppelrippslip mit Deckelschlitz, äußerst strapazierfähig für gehobene Ansprüche!“) Die Produktbeschreibungen sind Zitate, dafür hat sich Frau Hahn Original-Quelle-Kataloge aus den Sechzigern schicken lassen! Und das Ganze wird dann auch noch authentisch in rheinischem Dialekt vorgetragen-ganz köstlich!

„Erinnerungen kommen nicht einfach so“, sagt die Autorin im Laufe des gelungenen Abends ,“man muss sie locken.“ Als ich mit meiner Mama, die mich zu dieser berührenden Lesung begleitet hat, mit der Bahn durch den lauen Frühlingsabend nach Hause fahre, schubse ich sie an: “Schläfst Du?“ „Nein“, sagt sie „ich erinnere mich gerade so schön!“