Beim dritten Niesen ist die Pest im Anflug…
Diesen mehr als trockenen Kommentar musste der mit schwerer Erkältung und begleitendem Niesen geplagte Helmut Schmidt-Schaller von Arnaldur Indridason und seiner Übersetzerin Coletta Büling entgegennehmen.
Aber der trug es mit Humor und Fassung, meisterte alle Vorlesepassagen mit den schwierig auszusprechenden Orts – und Straßennamen einfach nur großartig und gab dem begeisterten Krimilesepublikum, das da im WDR Bismarcksaal zur herbstlichen lit.COLOGNE-Veranstaltung zusammengekommen war, einen Einblick in die „Abgründe“, Indridasons allerneuestem Buch.
Island, ein Land voller Mythen und Sagen, mit einem ascheregnenden Vulkan, einem totalen Finanzcrash vor drei Jahren und mit nur 300.000 Einwohnern und einer verschwindend geringen Verbrechensrate gesegnet – all dies macht das diesjährige Gastland auf der Frankfurter Buchmesse aus. Arnaldur Indridason und seine Übersetzerin sind ebenfalls dort zu Gast, aber erst einmal sind sie hier bei uns in Köln. Überhaupt sind beide sehr sympathisch und die isländische Sprache hört sich für deutsche Ohren ungewohnt, aber ganz „originell“ an, zum Glück bekommen wir alles übersetzt.
Auch die Frage nach dem im Nebel verschwundenen Kommissar Erlendur wird ahnungsvoll beantwortet – aber mehr wollen wir hier noch nicht verraten! Indridason brauchte neben Kommissar Erlendur eine neue, charakterlich völlig andere Figur – eben eine wie den Kommissar Sigurdur Oli, der in seiner neuen Reihe gemeinsam mit seinen Kollegen kriminalistische Fälle in isländischen Kleinstädten löst.
In erster Linie– und auf diese Aussage legt der Autor großen Wert, denn er wiederholt sie sogar zwei Mal –schreibt er für die Isländer, denn die sind in seinen Augen das anspruchsvollste Lesepublikum: Eine Geschichte muss so realitätsnah wie nur möglich sein – andernfalls wird sie nicht akzeptiert! Ach ja, deshalb auch die ungewöhnliche Mordwaffen, die mysteriösen Todesumstände, die schauerlichen Tatorte und die schrecklichen sozialen Missstände in seinen Büchern – ich hatte mir Island immer etwas romantischer vorgestellt. Das liegt mitunter vermutlich auch daran, dass sich unser Autor – wie er betont – nicht wie der Rest Europas vor allem für die isländische Naturschönheit interessiert, sondern für die Empfindungen von Menschen in Extremsituationen wie der Weltwirtschaftskrise, die nach außen hin abgeklärt und objektiv vermittelt werden. Am Ende signiert Indridason noch Bücher für seine Krimi-Fans und dann geht es für ihn wirklich nach Frankfurt zur Buchmesse – und für uns alle geht ein spannender Abend zu Ende.




