Martin Amis im Interview

2012
03.21

Thalia-Reporterin Mirjam Berle traf Martin Amis im Kölner Hotel am Wasserturm, um mit ihm über seinen Roman “Die schwangere Witwe zu sprechen.

Im Interview berichtet der walisische Schriftsteller über seine ganz eigene Beziehung zu Jane Austens “Stolz und Vorurteil” und die sexuelle Revolution der 70er Jahren, die den Hintergrund seines neuen Werkes bildet.

Nähere Informationen und eine erste Leseprobe zu Martin Amis’ Roman finden sie in der Kategorie “lit.COLOGNE Geflüster”.

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Annika Reich im Interview

2012
03.21

Einsamer Meeresforscher trifft junge Literaturwissenschaftlerin – wir wollten wissen, wie das zusammenpasst und haben Annika Reich zum Interview getroffen.

Die erfolgreiche Autorin sprach über ihren neuen Roman “34 Meter über dem Meer” und das Großstadleben der ganz unterschiedlichen Charaktere.

In der Kategorie “lit.COLOGNE Geflüster” finden sie weitere Informationen und eine Leseprobe zu Annika Reichs neuem Roman. Unsere Buchhändlerreporterin Stefanie Menzel war bei der Lesung von Annika Reich dabei und berichtet hier über die Veranstaltung.

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Blutsauger in Sparkasse – Ein Abend mit Biss

2012
03.21

von Markus Kowal

Buchhändlerreporter Markus Kowal

Die Nacht umhüllt den gläsernen Palast und eine große Menschenmenge hat sich davor versammelt. Fast erwartet man schon Fackeln und gespitzte Pfähle in ihren Händen, aber es sind dann doch nur die Eintrittskarten.
Wie bei den Vampiren kann man erst herein, wenn man hinein gebeten wurde und das werden wir schließlich auch sehr freundlich. Dann strömen die Massen in den großen Saal und uns erwartet ein schauriges Bild. Fledermäuse schwirren umher, Knoblauch liegt aus, ein riesiger Totenkopf starrt uns an und da ist sogar der angespitzte Pfahl.
Wir befinden uns nicht in einem Horrorfilm, sondern in der Sparkasse Köln/Bonn am Rudolfplatz in Köln.

Vor einer blutroten, von dunklen Ranken überzogenen Wand, erscheinen plötzlich, wie aus dem Nichts, Gerd Köster, die Moderatorin Margarete von Schwarzkopf und der Vampirexperte Hans Meurer. Heute geht es um den Vampirroman überhaupt – “Dracula” von Bram Stoker. In Deutschland erschien dieser zuerst 1908 und kostete einen nicht etwa das Leben, sondern 5 Mark. Damals wurde schon verkündet, für “Schwachnervige” sei es keine geeignete Lektüre.

Vampirismusexperte Hans Meurer und Moderatorin Margarte von Schwarzkopf

Von Herrn Meurer, dessen Buch “Vampire – Engel der Finsternis” einige Hintergründe des Vampirismus erläutert, erfahren wir so manches über Bram Stoker und dessen Buch. Eigentlich sollte der Vampir eine Frau sein und nicht in Transsilvanien spielen, sondern in der Steiermark. Ob dann Draculine ein Dirndl getragen hätte, anstatt eines Umhanges, werden wir wohl nie erfahren, denn Stoker hat sich, Luzifer sei Dank, dann ja doch für Dracula entschieden!

Zwischen den Erläuterungen des Experten, liest Gerd Köster einige Passagen aus dem blutigen Roman vor und wäre es nicht so hell, würde man sofort nach dem Pfahl greifen, um sich in Sicherheit zu wiegen. Dass die Vorlage für den Fürst der Finsternis eine wahre historische Figur ist, hat man vielleicht schon mal gehört.
Vlad, der Pfähler war als sehr grausam verschrien. Natürlich hielt sich Stoker nicht besonders an die historischen Vorgaben, sondern fügte aus religiösen Motiven, Aberglaube, Legenden und alten Schriften eine ganz neue Figur zusammen, die alles bisher dagewesene in den Schatten stellte, obwohl sie eigentlich ohne Seele, gar keinen Schatten besaß.

Sänger und Hörbuchsprecher Gerd Köster

Aber die Parallelen von Bram Stoker und Karl May waren mir bis dahin neu. Beide starben fast zur gleichen Zeit und haben die beschrieben Länder nie selbst gesehen. Christopher Lee hätte sogar fast den Winnetou gespielt. Wenn man da nicht eine Gänsehaut bekommt. Die erotischen Anspielungen in dem Roman waren ebenfalls nicht üblich in der damaligen Zeit. Demnächst erscheint eine Neuübersetzung von Dracula, indem man den Roman an die modernere Sprache angepasst hat: So wird etwa aus Bündel nun Tasche.

Jetzt ergreife ich schnell das mir zum Abschluss angebotene Knoblauch für die sichere Heimreise und muss an den auch erwähnten Film “Tanz der Vampire” denken, wo der gebissene Wirt von Alfred mit einem Kreuz bedroht wird und dieser erwidert: “Die wirken nicht bei jüdischen Vampiren!” Ich bin trotzdem gut zu Hause angekommen und hoffe die anderen Gäste auch!

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Von Hühnern und Hundertjährigen – Jonas Jonasson auf der lit.COLOGNE

2012
03.21

Buchhändlerreporterin Kristina Mink

von Kristina Mink

Heute Abend besuchte ich im Theater des Tanzbrunnens die Lesung mit Jonas Jonasson. Es wurde das aktuelle Buch „Der Hundertjährige der aus dem Fenster stieg und verschwand“ vorgestellt. Mit Jonasson im Gespräch war die Moderatorin Anne Bubenzer und einige Textpassagen wurden von Rufus Beck gelesen.

Der schwedische Bestsellerautor Jonas Jonasson

Jonas Jonasson wurde in Schweden geboren. Er war Journalist bis er sich schließlich dazu entschied, ein Medienconsulting-Unternehmen zu gründen. Als Ihm die Unternehmung zu groß wurde (aus einem 1-Mann-Betrieb zu ca.  100 Angestellten) entschied, sich Jonasson alles zu verkaufen, da er sich immer für alles und jeden verantwortlich fühlte. Zum Entspannen begann er mit dem Schreiben und hat das bis heute beibehalten.
Mittlerweile lebt er glücklich in Schweden und hat viele Hobbies. Unter anderem hat er sich mehr als 14 Hühner gekauft, von denen einige vom Fuchs gefressen wurden.

Schauspieler und Sprecher Rufus Beck

Bevor er nach Deutschland kam, hat er noch mit seinen Nachbarn ein Fest gefeiert, da das Pferd des Nachbarns den Fuchs totgetreten hat. Weil Gotland eigentlich das Land der Schafe ist, überlegte er sich auch welche zuzulegen und kaufte sich einen Ratgeber. Da aber auf den ersten Seiten nur von Krankheiten erzählt wurde, hat er das Vorhaben erstmals erstmal beiseite gelegt.

Rufus Beck las den Abend durchweg immer wieder Passagen aus dem Bestseller-Roman die anschließend mit Anekdoten Jonassons geschmückt und veredelt wurden. Als zum Beispiel zu Beginn des Buches das Altenheim beschrieben wurde, sagte Jonasson, dass dieses mittlerweile wie ein Publikumsmagnet für Schwedenreisende geworden sei. Man kann fast sagen, dass es jetzt eine Art Tourismus in dem Örtchen gibt.

Jonas Jonasson und Übersetzerin Anne Bubenzer

Als dann Jonasson sogar Passagen aus seinem Werk auf schwedisch vortrug, meinte der sehr erheiterte Rufus Beck, dass Schwedisch wie Deutsch klinge, nur Rückwärts gesprochen. Der Saal tobte!
Selten habe ich einen solch unterhaltsamen und mit Raffinesse geschmückten Abend verbracht, der so viel über ein Werk und seinem sympathischen Autor preisgab.
Unterstützt von der meisterhaften und leidenschaftlichen Leistung des bekannten Hörbuchsprechers, Rufus Beck, wurde der Abend zu einem unvergesslichen Erlebnis auf ganzer Linie.

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John Hart im Interview

2012
03.20

Mirjam Berle nutzte die Gelegenheit und traf John Hart auf der lit.COLOGNE zum Interview.  Im gemeinsamen Gespräch verriet der amerikanische Bestseller-Autor das Erfolgsrezept hinter seinen fesselnden Thrillern und gewährt Einblicke in seinen neuen Roman “Das eiserne Haus”.

 

In unserer Kategorie “lit.COLOGNE Geflüster” finden Sie weitere interessante Neuigkeiten und einen Video-Trailer zu John Harts neuem Werk.

 

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Jess Jochimsen im Interview

2012
03.20

Was sollen die Leute denken? Dieser Frage geht der Fotograf, Kabarettist und Autor Jess Jochimsen in seinem gleichnamigen Roman nach und bietet einen “verbalen Amoklauf” in humorvoller Monologform.

Im Gespräch mit Mirjam Berle verrät Jochimsen, wieso Wohnungsfenster einen Einblick in die Seele des Bewohners gewähren und was Kinderzeichnungen über ihren kleinen Schöpfer aussagen (oder auch nicht).

Klicken Sie auf das Buchcover, um nähere Informationen zu Jess Jochimsens neuem Werk zu finden!

 

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Annika Reich über das Single-Dasein und die Flucht vor dem Alltag

2012
03.20

Buchhändlerreporterin Stefanie Menzel

von Stefanie Menzel

Eine der zahlreichen Veranstaltungen am sechsten Tag der lit.COLOGNE (leider schon dem „Bergfest“), war die Lesung der jungen deutschen Autorin Annika Reich, die im Comedia Theater in Köln aus ihrem neuen Roman „34 Meter über dem Meer“ las. Die Moderation des Abends übernahm Sabine Scholt.

Ich habe die Lesung mit Spannung erwartet, Annika Reichs Bücher habe ich wirklich sehr gern gelesen und sie als außergewöhnlichen Lesegenuss empfunden.Doch warum eigentlich „34 Meter über dem Meer”? Das Buch bekam diesen Titel, weil Berlin (der Handlungsort des Romans) 34 Meter über dem Meeresspiegel liegt und eine der Hauptfiguren ein am Leben gescheiterter Meeresforscher ist (so erzählt er es auf jeden Fall sich selbst und anderen). Dieser Herr, Horrowitz sein Name, tauscht mit einer jungen Dame namens Ella seine Wohnung in Berlin. Einfach so. Ohne sie zu kennen. Beide haben dafür jedoch ihre guten Gründe.

Schriftstellerin Annika Reich zog das Publikum in ihren Bann

Der eine möchte fliehen, die andere endlich richtig beginnen. Und so leben sie beide das Leben des jeweils anderen und versuchen, gut darauf acht zu geben und nichts zu zerbrechen (und nebenher auch noch ihre eigenen Wege zu finden).

Was für ein tolles Thema für einen Roman und Annika Reich hat es brillant zu Papier gebracht. Bei diesem Titel, so wie auch bei „Durch den Wind“, dem Vorgänger, hätte ich mir jeden zweiten Satz herausschreiben können – so gelungen, so schön und so sehr auf den Punkt finde ich ihren Schreibstil. Und auch bei dem heutigen Leseabend hätte ich mir das ein oder andere Mal gewünscht, ein Tonband dabei zu haben oder doch wenigstens Steno zu beherrschen.

Annika Reich hat eine umwerfend herzerfrischende Art an sich, die einen immer wieder in schallendes Gelächter ausbrechen lässt. Neben den Auszügen aus ihrem Buch (die sie frei wählte und immer wieder gekonnt die Empfehlungen des Lektorats ignorierte), sprach sie von den Vorgängen ihrer Schreibarbeit, von den Schwierigkeiten und Zweifeln, die der Beruf des Schriftstellers mit sich bringen kann. Dazu kann ich nur sagen, jemand der Wörter wie „lichterloh“ benutzt, um seine Charaktere zu beschreiben und der so lebendig und charismatisch auf der Bühne ist, wird all diese wunderbaren Eigenschaften bestimmt noch sehr häufig auf das Papier bannen können.

Schreiben Sie weiter, Frau Reich. Alles andere wäre Verschwendung. Ich jedenfalls freue mich schon jetzt auf das nächste Buch, das Sie uns hoffentlich auch wieder in Köln (53 Meter über dem Meeresspiegel) präsentieren werden!

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Solidaritätsbekundung für Roberto Saviano und seinen Kampf gegen Mafia und Korruption

2012
03.20

Buchhändlerreporter Michael Raschke

von Michael Raschke

Dass dies keine lit.COLOGNE-Veranstaltung werden würde wie viele andere, war mir schon im Vorfeld bewusst; und auch wenn ich diesem Abend mit ganz besonderer Spannung entgegenfieberte, so beschlich mich zeitweise auch ein mulmiges Gefühl: verschärfte Sicherheitskontrollen führten dazu, dass die Veranstaltung im Theater am Tanzbrunnen erst mit rund 25 Minuten Verspätung beginnen kann – auch liegt eine gewisse Spannung in der Luft, die Stimmung ist weniger ausgelassen als bei vielen anderen lit.COLOGNE-Veranstaltungen.

Gespannte Atmosphäre im ausverkauften Theater am Tanzbrunnen

Dann aber trat er, der Star des Abends, endlich auf die Bühne, den Mitorganisator Rainer Osnowski in seiner Anmoderation als einen jener Männer bezeichnete, die für eine bessere Welt eintreten: Roberto Saviano, ein drahtiger, sportlicher Mann Anfang Dreißig, der gerührt und bewegt zu sein scheint, dass rund tausend Besucher in das Theater am Tanzbrunnen gekommen sind, nur um ihn zu sehen und zu hören.

Im Jahr 2007 wurde der aus Neapel stammende Journalist über Nacht berühmt durch seinen halbdokumentarischen Roman „Gomorrha“, in dem er – nach jahrelangen verdeckten Recherchen – die Praktiken des organisierten Verbrechens und dessen Vernetzung mit legalen Wirtschaftsstrukturen und der Politik offenlegte und auch die Namen und Aktivitäten der Täter nannte. Dies hatte gravierende Folgen für sein Leben, von denen er im Gespräch mit dem Journalisten Dominik Wichmann ebenso freimütig wie authentisch, aber auch mit italienischem Charme und feinem Humor berichtete. Wiederholte Morddrohungen von Mafia und Camorra zwingen ihn seitdem zu einem Leben im Untergrund unter ständigem Personenschutz, alle zwei Tage muss er in ein neues Versteck wechseln.

Roberto Saviano im Gespräch mit Dominik Widmann, übersetzt von Paola Barbon

Auch seine Familie ist betroffen: so mussten seine Mutter und sein Bruder wegen ständiger Drohungen ihren Wohnort verlassen. Auf Nachfrage – als Übersetzerin fungierte die namhafte Italienisch-Dozentin und Übersetzerin Paola Barbon – beschreibt Saviano sein Leben seit „Gomorrha“ als ein „bipolares Leben“, in dem er einerseits im gleißenden Licht der medialen Öffentlichkeit stehe, andererseits aber auch völlig einsam im Untergrund lebe. Freimütig gibt er zu, dass „es schwierig (sei), sich darin selbst zu finden“ und dass er daran letztlich „zerbrochen“ sei. „Man bezahlt immer für das, was man getan hat und wird immer für das belohnt, was man getan hat.“ Sätze wie diese gehen sicherlich nicht nur mir unter die Haut!

Auf der Bühne sitzt kein „gebrochener“ Mann, wohl aber ein gezeichneter. Und auch wenn er frühere Interview-Aussagen wiederholt, dass der Preis letztlich zu hoch sei und sich nicht gelohnt habe, so zeigt doch sein neues Buch mit seinem programmatischen Titel „Der Kampf geht weiter – Widerstand gegen Mafia und Korruption“, dass sich Saviano treu bleibt und nicht anders kann, als seinen Kampf fortzusetzen.

Michael Weber wartet auf seinen Einsatz

Michael Weber vom Schauspielhaus Köln liest anschließend zwei prägnante Stellen aus diesem Werk, eine aus dem Vorwort zur deutschen Ausgabe, in der Saviano deutlich macht, wie zögerlich die deutschen Sicherheitsbehörden auch nach dem Blutbad in Duisburg im August 2007 gegen mafiöse Strukturen hierzulande vorgeht und damit deren Agieren zu wenig unterbindet. Die zweite Passage beschreibt beispielhaft den Aufstieg eines Mafia-Bosses und sowohl die archaischen Strukturen als auch die kulturellen, religiösen und familiären Umstände, die diesen ermöglichen.

Zum Abschluss bedankt sich Roberto Saviano nochmals ganz persönlich bei den Zuschauern, insbesondere den zahlreichen italienischen, für Ihren Besuch und entschuldigt sich dafür, dass er jetzt leider gehen müsse. Dass er gerne noch länger geblieben wäre und auch seine Bücher signiert hätte, glaube ich ihm sofort. Leider ließen dies die Sicherheitskräfte offensichtlich nicht zu. Doch auch so war dieser Abend eine einzigartige Solidaritäts- und Sympathiebekundung für einen mutigen Menschen!

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Javier Marías – Die sterblichen Verliebten

2012
03.20

Buchhändlerreporterin Corinna Müller

von Corinna Müller

Als Javier Marías sein eintausendsechshundert Seiten umfassenden Roman “Dein Gesicht morgen”, an dem er acht bis neun Jahre gearbeitet hat, beendete, dachte er, alles gesagt zu haben, was er als Romancier hätte sagen können.

Im WDR Saal überzeugte er nun das spanisch-deutsche Publikum vom Gegenteil und berichtete von seinem in Deutschland neu erschienen Roman “Die sterblich Verliebten”. Zum Einstieg las Javier Marías den Anfang von “Los Enamoramientos”, was wörtlich mit „Die Verliebtheiten“ übersetzt werden kann, auf spanisch, um im anschließenden Interview mit Paul Ingendaay zuerst das spanische und anschließend das deutsche Publikum mit Humor und Tiefgründigkeit zum Lachen und Nachdenken zu bringen.

Moderator Paul Ingendaay und Schriftsteller Javier Marías

In seinem neuesten Roman behandelt er die Themen Verliebtheit, Tod und Straflosigkeit aus der Sicht einer weiblichen Ich-Erzählerin, was ihm als Mann zu Beginn nicht leicht viel. Doch betrachten und reflektieren Männer wie Frauen gleich, so Marías. Das lässt ihn über Geschlechterklischees hinwegsehen.

Die Schauspielerin Therese Dürrenberger vom Schauspiel Köln unterbrach das Interview mit Auszügen aus “Die sterblich Verliebten” und verlieh der Ich-Erzählerin des Romans mit ihrer Stimme Lebendigkeit. Gleich seinem Buch “Mein Herz so weiß” beginnt sein neuestes Meisterwerk mit einer erschütternden Szene, einem zunächst unerklärlichen Mord, die zugleich die besondere Stimme Javier Marías verrät. Ebenso besonders ist seine Präsenz auf der Bühne, die den einflussreichsten spanischen Gegenwartsautor zu einem unvergesslichen Eindruck werden lässt.

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Ihr denkt, ihr seid im Märchen, aber seid nur blöde Pärchen

2012
03.19

Buchhändlerreporter Markus Kowal

von Markus Kowal

“Man kann Paartherapien gar nicht genug loben, da sie in der Regel 100% zur Trennung führen!” Ausgerechnet in der Kulturkirche in Nippes predigte die wunderbare Christiane Rösinger aus ihrem Buch “Liebe wird oft überbewertet”.
Selbst auf einer Hochzeit konnte diese Kirche nicht voller sein, obwohl dies sicher das letzte wäre, zu dem Frau Rösinger raten würde.
Zwischen Analysen von Beziehungen brachte sie immer wieder, gemeinsam mit ihrer fabelhaften Band, Lieder wie “Pärchen stinken, Pärchen lügen, Pärchen fahren nach Rügen” oder “Mein zukünftiger Ex Freund” zum Besten. Aber bei “Ich muss immer an dich denken” erspähte ich doch kurz einen kleinen Hoffnungsschimmer an der Beziehungsfront. Doch der wurde jäh zerbrochen, wenn man Frau Rösinger weiter lauschte. Aber genau das wollte man und freute sich geradezu, wenn die RZB (Romantische Zweier Beziehung) immer weiter bloßgestellt wurde.

Autorin und Journalistin Christiane Rösinger

Da wäre z. B. der knuddelige Eisbär Knut, auf den die polygamen Träume des kleinen Mannes übertragen wurden. Dieser durfte sich einfach nicht wundern, wenn die mollige Eisbär Dame Giovanna nicht mit seinen Kinderstar Allüren zurecht kam.
Nachdem schließlich Christiane Rösinger psychologisch, biologisch und sogar kulturwissenschaftlich, unterstützt durch Graphiken und erklärenden Dias, auf die Absurdität von Beziehungen einging, überraschte es mich überhaupt nicht, als das Pärchen in der Sitzreihe vor mir, sofort peinlich auseinanderfuhr, während sie unbewußt ihren Kopf an seine Schulter gelehnt hatte. Hoffentlich hatte es niemand bemerkt.

Anschaulich wurde anhand der langfristigen Partnerbindung der Präriewühlmaus, die Auswirkungen des “Kuschelhormons” Oxytocin beschrieben, welches bei der polygamen Bergwühlmaus nicht in so großen Maßen vorkommt. Doch stellte auch Frau Rösinger wohlweislich fest, die Präriewühlmaus lebe ja auch nur zwei bis drei Jahre und dies könnte man ja auch gerade noch in einer Beziehung aushalten.

Christiane Rösinger spielte gemeinsam mit ihrer Band

Das Haupt von der Dame vor mir, bewegte sich schon wieder verdächtig in Richtung der Schulter des Herren, als sie abermals zurückzuckte. Ich bin der Meinung, es lag nicht an meinem vorwurfsvollen Blick, sondern an Frau Rösingers Vergleich mit der Beziehung zu einem verhaltensgestörten Mannes und der unerfüllten Liebe von dem Schwan Petra gegenüber eines Tretbootes in Schwanform. Sicher bin ich mir aber nicht. Jedoch hielt auch diese Beziehung mit dem Tretboot nur ungefähr zwei Jahre.

Objektophilie trat allerdings auch schon mehrfach bei Menschen auf, wie bei Erika Eiffel, die den Eiffelturm heiratete oder Frau Eija-Riitta Eklöf-Berliner-Mauer, die seit 1989 leider Witwe ist. Selbstverständlich gab Christiane Rösinger auch zu, dass es manchmal schicksalhafte Augenblicke am Anfang von Beziehungen gibt. Wie, wenn man die gleichen Sitzkissen von Ikea bei dem Angebeteten entdeckt oder sogar seine Katze auch Morle heißt. Das Pärchen vor mir kam sich dabei wieder unabsichtlich nahe, da es wohl die Ironie bei der Geschichte übersah. Noch bevor ich mit einem urteilenden Räuspern jede weitere Annäherung unterbinden konnte, ließen sie bereits alleine voneinander ab. Da ist wohl bald eine Paartherapie fällig!

Abschließend stellte uns Frau Rösinger noch jede Menge Beziehungsratgeber vor, die zu dem finalen Resümee führten: Man sollte ein Candle Light Dinner nur für sich machen, sich ein Schaumbad gönnen, Kleider nach Farben sortieren, Volkshochschulkurse besuchen, sich ein Tier anschaffen und dann könnte man endlich eine erfolgreiche Beziehung beginnen! Ich geh sofort Kerzen kaufen!

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